Auf Urgroßvaters Spuren, aber sehr viel cooler

Thomas Keil ist Schuhmachermeister. Um Kunden wirbt er mit einer Videoparodie

„Super Frise, super Outfit, super Schuhe – Superkeil!“ Die wohl witzigste Parodie der aktuellen Edeka-supergeil-Spots kommt derzeit aus Ottensen: aus der Keplerstraße 20, wo Thomas Keil seine Manufaktur für maßgefertigte Schuhe hat. „Die Idee entstand mit Freunden bei ein paar Gläsern Wein“, erzählt der 38-Jährige. „Aus supergeil wurde schnell Superkeil, und meine Freundin hatte in wenigen Minuten den Songtext fertig.“ Praktischerweise betreibt sie die kleine Filmproduktionsfirma flapp-we move images und konnte so den Spot innerhalb weniger Tage realisieren. Hauptperson ist Dennis Südkamp alias Roberto Denisio, ein Freund des Paares. Ganz im Stil von Friedrich Liechtenstein aus dem Edeka-Spot groovt er durch Hamburg, bis er am Schluss auf einem Hocker auf der Keplerstraße sitzt und „Super Ecke, super Laden, Superkeil“ singt. Mehr als 4100 YouTube-Nutzer haben das Video aufgerufen, darunter auch Friedrich Liechtenstein.

Man muss sich schon etwas einfallen lassen als Schuhmachermeister. 2011 waren Thomas Keil und die Söhne Klemann aus der Poolstraße die Ersten, die seit 17 Jahren eine Meisterprüfung ablegten. Das allein zieht aber noch keine Kundschaft an. Und so hat sich Keil eine gute Mischung aus Tradition und Coolness zugelegt. Bei ihm bekommen vornehmlich Herren die klassischen Schuhformen wie Budapester, Chelsea Boot oder Monk, aber gerne mit kleinen Abwandlungen, mal ist es eine auffällige Farbe der Naht, mal ein knallrotes Lederinnenfutter. So will er auch Jüngere für Maßschuhe begeistern. „Ich finde es toll, wenn Kunden eigene Wünsche und Ideen mitbringen“, sagt Thomas Keil.

DJ Phono von der Hamburger Band Deichkind besitzt schon sechs Paar. Schauspieler Peter Lohmeyer und NDR-Moderator Yared Dibaba sind Kunden. Rund 40 Stunden Arbeit stecken in einem Paar maßgefertigter Schuhe, der Preis dafür liegt bei rund 1500 Euro, wobei das Herstellen des hölzernen Leisten kostenloser Service des Hauses ist. „Natürlich sind Maßschuhe eine Form von Luxus“, sagt der Meister. Gerade baut er seine Kollektion für Maßkonfektionen aus: Dabei können die Kunden aus bereits bestehenden Leisten wählen und sich Leder, Farbe, Garn und Sohle im Baukastensystem zusammenstellen. Kosten: ab 390 Euro.

Neben Schuhen fertigt er auch Taschen, unter anderem für Küchenmesser

In der Ladenwerkstatt mit alten Holzregalen finden sich eine über 70-jährige Schleifmaschine und abgegriffenes Werkzeug, das Thomas Keil vom Heimatmuseum in Preetz geschenkt bekam. An der Wand erzählen alte Fotos von der Familientradition: Keils Urgroßvater war Schuhmacher, seine Oma machte eine Lehre in einer Lederwerkstatt. Keils aktuelles Lieblingsstück ist kein Schuh, sondern eine handgenähte Ledertasche für Küchenmesser aller Art, die er für die „Kitchen Guerilla“ fertigt – eine Handvoll Köche, die Restaurants in Hamburg kapern und dort die Gäste für einige Wochen bekochen, bevor sie weiterziehen. Auf Facebook hat Keil schon Anfragen für weitere Aufträge dieser Art bekommen.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter www.keil-schuhe.de. Und auf www.flapp.info kann man Thomas Keil in einem Film bei der Arbeit zusehen. Ebenfalls sehenswert ist das Video „Superkeil“ bei YouTube.