Altes Filmstudio als Werbe-Mekka

Studio Hamburg stellt Deutschlands größtes Spezialatelier fertig

Kaum ein Ort atmet so viel Film- und Fernsehgeschichte wie das Atelier 3 auf dem Gelände von Studio Hamburg in Tonndorf. Einst entstanden in der 1950 erbauten Halle Filme wie der für den Oscar nominierte „Hauptmann von Köpenick“, „Des Teufels General“ oder „Die Buddenbrooks“. Jetzt wird das „A3“ zum Treffpunkt für Werbefilmer und Fiction-Produzenten aus aller Welt.

Auf 1000 Quadratmetern wurde in dem alten Studio die größte Hohlkehle Deutschlands fertiggestellt. Sie ist u-förmig, 69 Meter lang und acht Meter hoch. Grund für den Umbau sei die wachsende Nachfrage nach „virtuellen“ Studioproduktionen gewesen. Andreas Walter, Geschäftsführer der Studio Hamburg Atelierbetriebs GmbH: „Produktionen müssen aus finanziellen Erwägungen vermehrt ins Studio verlagert werden. Unser Standortvorteil ist, dass Hamburg eine hohe Dichte an Werbeagenturen hat.“

Bei dem sogenannten Virtual-Backlot-Verfahren stehen die Schauspieler vor einer grünen Wand und auf einem grünen Boden. Die eigentlichen Hintergründe werden digital eingefügt. Sie sind aber schon während der Dreharbeiten als Spielumgebung sichtbar. Ein weiterer Vorteil ist laut Manuel Tanduo (Leiter Studios), dass dort im Vergleich zu schwer berechenbaren Außendrehs eine feste Kalkulation möglich sei.

In dem umgebauten Atelier wurden unter anderem schon Werbespots für Saturn, 1&1, Mercedes, Audi, Vileda, Christ und Zott gedreht. Der Sänger Bosse („Vier Leben“) nahm sein neues Musikvideo ebenfalls im größten und modernsten Studio dieser Art in Deutschland auf. Sogar bei der Fußball-WM 2014 in Brasilien sind die Tonndorfer dabei: Die Werkstätten von Studio Hamburg haben gerade das Fernsehstudio für die britische BBC in Rio gebaut. Die fertige Studiokulisse wird in Containern von Hamburg nach Rio verschifft.

Währenddessen verkleinert Studio Hamburg (820 Mitarbeiter) sein Grundstück. Wo u.a. bis 2013 noch die tägliche Sat.1-Talkshow „Britt“ aufgezeichnet wurde, sollen 150 Wohnungen entstehen. Dazu verkaufte die NDR-Tochter 10.000 seiner 70.000 Quadratmeter Fläche an zwei Genossenschaften: den Wohnungsverein Hamburg von 1902 eG und die Hamburger Lehrer-Baugenossenschaft. Sie wollen dort öffentlich geförderte Zwei- bis Vierzimmerwohnungen in fünf Mehrfamilienhäusern bauen. Parken sollen die Bewohner im Studio-Hamburg-Parkhaus an der Jenfelder Allee. Es ist eine eigene Parkhaus-Zufahrt vom Wöschenhof geplant, die zwischen dem Neubau und dem Studio-Hamburg-Gelände verlaufen soll. Baubeginn: Frühjahr 2015.