Zweites Kongresshotel am CCH

Senat prüft Überbauung der Marseiller Straße mit 250-Zimmer-Haus

Der Hotelmarkt in Hamburg boomt. Nun gibt es einen spektakulären Plan für einen Neubau an einem der begehrtesten Standorte der Stadt – an der Marseiller Straße nahe dem Bahnhof Dammtor und direkt am Congress Center Hamburg (CCH) gelegen. Auch das Messegelände ist nur einen Steinwurf entfernt.

Die Politik und auch die städtische Hamburg Tourismus GmbH befürworten an diesem Ort ein zweites Kongresshotel. Die Wirtschaftsbehörde hatte sich im Zusammenhang mit der geplanten Revitalisierung des maroden CCH bereits in einer Projektgruppe mit dem Thema eines Hotelneubaus beschäftigt und kam nach Abendblatt-Informationen zu dem Ergebnis, dass die Überbauung der Marseiller Straße und die Errichtung eines Hotels mit 250 Zimmern möglich wäre.

In einer internen Stellungnahme der Behörde heißt es: „Da unabhängig von unmittelbaren Synergieeffekten mit dem Kongressbetrieb die Errichtung von zusätzlichen Hotelkapazitäten sinnvoll ist, wird die Option, ein Hotel an dieser Stelle zu errichten, (…) durch die zuständigen Stellen weiter geprüft.“

Die FDP-Bürgerschaftsfraktion setzt sich in einem Antrag für die Suche nach einem geeigneten Standort für einen Hotelneubau am CCH ein. Dazu sagt FDP-Wirtschaftsexperte Thomas-Sönke Kluth: „Damit das CCH so attraktiv und erfolgreich wie andere europäische Kongresszentren werden kann, muss der Senat die Errichtung eines zweiten Hotels auf dem Gelände prüfen.“ Die CDU ist ebenso wie die FDP für einen Neubau. CDU-Tourismusexperte Andreas Wankum sagte: „Der Bedarf nach einem Kongresshotel in dieser erstklassigen Lage ist auf jeden Fall da. Die Stadt sollte die Fläche ausschreiben und nach einem Investor suchen, der hier ein architektonisch ansprechendes Gebäude realisiert.“ Die Einnahmen aus einem Grundstücksverkauf könnten gut in die weitere Entwicklung der Stadt und damit letztendlich auch in die Revitalisierung des CCH investiert werden, sagt Wankum.

Zustimmung kommt auch von Anjes Tjarks, tourismuspolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion: „Eine interessante Idee, denn wir benötigen gerade für Kongressbesucher weitere Hotelkapazitäten.“ Allerdings ist dem Grünen-Politiker wichtig: „Das Hotel sollte nach den neuesten ökologisch nachhaltigen Standards gebaut und betrieben werden.“ Unterstützung kommt auch von Hamburg Tourismus-Chef Dietrich von Albedyll: „Wir benötigen im Umfeld des CCH und der Hamburg Messe noch zwei bis drei größere Hotels, die auf die Bedürfnisse der Tagungsgäste ausgerichtet sind.“ Ein Neubau direkt am CCH wäre natürlich ideal, sagt von Albedyll.

Der Immobilienexperte Andreas Wende, Geschäftsführer und Leiter Investment Deutschland der Savills Immobilien Beratungs-Gmbh, bezeichnet die Lage als ideal für ein Kongresshotel. „Vor allem die direkte Anbindung an den Bahnhof Dammtor und die Nähe zur Innenstadt sprechen für diesen Standort.“ Das neue Hotel würde dann in direkter Nachbarschaft zum Radisson Blu entstehen. Das ist mit 564 Zimmern das größte und höchste Hotel der Stadt. Radisson-Blu-Direktor Oliver Staas hätte gegen eine Umsetzung des Bauvorhabens nichts einzuwenden: „Konkurrenz belebt das Geschäft. Potenzial für ein weiteres Hotel an diesem Standort gibt es auf jeden Fall.“

Das Interesse von Projektentwicklern und Hotelketten am CCH-Standort dürfte groß sein: „Das ist eine hervorragende Lage und wäre für eine Hotelentwicklung perfekt“, sagte Michael Epping, Sprecher der B&L Gruppe. Das Unternehmen baut zurzeit direkt neben dem Eingang zum Messegelände an der St. Petersburger Straße ein 14-geschossiges Haus, in das Anfang 2015 ein Intercity-Hotel mit 275 Zimmern einziehen soll.

Auch Frank G. Schmidt, Geschäftsführer der Quantum AG, lobt den Standort: „Eine erstklassige Lage. Es besteht auf jeden Fall weiter Bedarf an Hotelkapazitäten in diesem Bereich.“ Schmidt, dessen Unternehmen den Motel One Neubau am Steindamm errichtete, würde neben dem CCH ein Hotel der Mittelklasse ansiedeln. Für Hotelketten sind besonders Flächen in der Innenstadt interessant. Doch die Auswahl an freien Standorten in Citylage ist begrenzt. Da bietet sich die Umwandlung von bestehenden Immobilien an. So wurde ein ehemaliges Kontorhaus an der Bugenhagenstraße zum Hotel umgebaut. Dort ist das Henri eingezogen.

Auch in die alte Oberfinanzdirektion am Rödingsmarkt soll bald ein Luxushotel einziehen. Die Investoren haben das Gebäude von der Stadt gekauft. Doch bislang gibt es keinen Vertrag mit einer Hotelkette, die das Haus dann betreiben würde. Es ist kein Geheimnis, dass Anbieter aus dem Luxussegment wie Mandarin Oriental oder Hilton großes Interesse an Hamburg haben.

Die Stadt sollte die Fläche ausschreiben und nach einem Investor suchen, der hier ein architektonisch ansprechendes Gebäude realisiert.