Hans Berthold

Das Lucas Trio: Hits mit viel Witz neu aufgelegt

Heinz Erhardts Schwiegersohn Hans Berthold ist ein Star der 50er. Jetzt erlebt er ein Comeback.

Seinen ersten ganz großen Auftritt hatte Hans Berthold mit 22 Jahren auf der Berliner Waldbühne. Er erinnert sich: „1. Mai 1953, eine Unterhaltungsveranstaltung der Gewerkschaft. Unser Lucas Trio war dabei, ich am Kontrabass, wir haben drei, vier von unseren Songs gespielt. Für mich war das ein ungeheurer Eindruck.“ Zumal es auch Honorar für jeden gab, „30 Mark, so ungefähr“.

Schlager wie „Oh Stups, gib deinem Herzen einen Schubs“, „Donnerwetter, so ein schönes Badewetter“, „Der lange Jan aus Amsterdam“, „Wenn es geht, komm nicht zu spät“ und „Pudel Swing“ waren perfekte Unterhaltung Anfang der 50er-Jahre. Sie produzierten sorgenfreie gute Laune für ein Land, in dem die Menschen den furchtbaren Krieg und die Schande der Nazi-Diktatur möglichst schnell vergessen wollten. Und sie spiegelten das Lebensgefühl der jungen Bundesrepublik.

Jetzt erleben 14 Songs des Lucas Trios ihr Revival: Nicola Tyszkiewicz – Produzentin, Enkelin des Entertainers Heinz Erhardt (die sich auch um dessen Werke kümmert) und Tochter von Hans Berthold – hat 14 Titel herausgesucht und sie remastern (technisch neu bearbeiten) lassen. Erhältlich sind sie nur als Download – zum Beispiel bei Amazon oder iTunes – unter dem Titel „Best of Lucas Trio“. Es ist eine Zeitreise.

Auch für Hans Berthold, ihren Vater, der heute 82 Jahre alt ist. Als Berliner Musikstudent, der Cellist werden wollte, hatte er im Jahr 1952 Botho Lucas vorgespielt. Der Entertainer hatte sich nach Krieg und russischer Gefangenschaft als Alleinunterhalter auf dem Akkordeon durchgeschlagen und bald ein erstes Lucas Trio gegründet. Es ging auseinander, und so suchte er 1952 neue Musiker. Berthold spielte „Smoke get’s in your Eyes“ und wurde engagiert, als Kontrabassist. Bald war auch der Gitarrist Arno Goßrau gefunden. Man probte ein halbes Jahr, hatte ein paar kleine Testauftritte – dann kam der Sprung ins kalte Wasser, die Waldbühne. Kleine Engagements folgten, und bald auch Anfragen aus Hamburg, Café Hirt in Altona, das Astoria am Hauptbahnhof.

Das private Glück findet er auf der „Starkasten“-Tournee. An einem Freitag, dem 13. November, beim Auftritt in Heide. Da bringt Heinz Erhardt seine 17 Jahre junge Tochter Grit „Gigi“ mit. Man mag sich, man flirtet, und daraus wird 1956 eine Ehe, die bis heute besteht. „Mein Schwiegervater und ich, wir mochten uns sofort. Zu Hause haben wir oft mehr gelacht als die Menschen in seinen Shows.“ Erhardt will von Berthold immer neue Musikerwitze hören. 1955 stirbt der Gitarrist Arno Goßrau, bald löst sich das Lucas Trio still auf, es bleiben ein paar Fotos und Dokumente – und die alten Aufnahmen.

Bertholds Gigi arbeitet als Bibliothekarin bei der Hamburgischen Staatsoper. So erfährt er 1958, dass die Philharmoniker einen Cellisten suchen. Er darf vorspielen und hat den Job. „Aber keiner durfte da wissen, dass ich vom Lucas Trio komme, das wäre ja ein Fleck auf dem philharmonischen Heiligenschein gewesen.“ Seinen ersten Dienst, Puccinis „Gianni Schicchi“, spielt er an dem Tag, an dem seine Tochter Nicola zur Welt kommt.

James Last bucht ihn oft als Studiomusiker für Plattenaufnahmen

Der Cellist kann seine Entertainment-Erfahrung bald wieder nutzen. James Last bucht ihn oft als Studiomusiker für Plattenaufnahmen. In den Sommermonaten sitzt Berthold oft im Festspielorchester von Bayreuth, spielt Wagner. Er wird dritter Solocellist der Hamburger Philharmoniker und bleibt 35 Jahre in dem Orchester.

Bis heute trifft er sich mit Ehemaligen alle zwei Monate im Baseler Hof. Für Abendblatt-Fotograf Juergen Joost setzt sich Hans Berthold in der Wohnung seiner Tochter in Harvestehude an die Tasten. Schlägt auf dem Steinway die Töne f – h – dis – gis an, Wagners verrätselten „Tristan“-Akkord. Für einen Moment wird die ganze Bandbreite seines Musikerlebens spürbar.

Das Lucas Trio „Best of Lucas Trio“, 14 Titel, Download bei iTunes (apple.com/de/itunes) und Amazon (www.amazon.de), 7,99 Euro (jeder Song einzeln 0,99 Euro).

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.