Eine Ehe in der Krise

Henry Arnold spielt in Arthur Millers „Scherben“ am Ernst Deutsch Theater

Große Theaterstoffe sind aus verdrängten Gefühlen gestrickt. Arthur Millers „Scherben“ ist solch ein Stück. Ein Spätwerk, das im Vergleich zu seinen Bühnenhits „Tod eines Handlungsreisenden“ und „Hexenjagd“ nur selten zur Aufführung gelangt. Nach Elke Langs legendärer Inszenierung an den Kammerspielen bringt Yves Jansen das Ehedrama vor sich zusammenballender Weltgeschichte jetzt im Ernst Deutsch Theater heraus.

Der Schauspieler Henry Arnold zählt „Scherben“ schon jetzt zu seinen wichtigsten Theaterarbeiten. „Die emotionalen Wechselbäder, die meine Figur durchmacht, sind gewaltig. Das ist in grandiosen Dialogen geschrieben und durch die Fallhöhe toll zum Spielen.“ Arnold gibt Phillip Gellburg, einen jüdischen, beruflich erfolgreichen Endvierziger, dessen Frau Sylvia, gespielt von Isabella Vértes-Schütter, von einer rätselhaften Paralyse befallen wird. Sie leben in New York. Es ist das Jahr 1938, und die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten erreicht in Deutschland ihren schlimmen Höhepunkt. „Die Verquickung von politischem Hintergrund und privatem Schicksal ist nicht unproblematisch“, sagt Arnold. „Uns muss schon bewusst sein, dass wir das in Deutschland spielen.“

Das Thema einer verfolgten Minderheit mischt sich mit dem Thema des Antisemitismus in den USA und einem tief verkorksten, an mangelnder Anerkennung krankenden und im Übrigen seit 20 Jahren sexlosen Eheleben. Ausgehend von der Frage, was die Lähmung seiner Frau verursacht, realisiert Gellburg seine eigene entscheidende Rolle. Es kommt dicke für ihn. Zwischen seiner Ehefrau und dem behandelnden Arzt entwickelt sich ein erotisches Spannungsverhältnis. Obendrein steuert er auch beruflich von Perfektionsdrang getrieben auf den Abgrund zu. „Die Figur ist schon zu Beginn auf dünnem Eis und saust bald richtig in den Abgrund“, so Arnold. Damit eine Rolle, wie geschaffen für den gebürtigen Hamburger, der mit Vorliebe gebrochene, komplizierte Figuren mit Fehlern, Defiziten und Defekten spielt.

Yves Jansens Inszenierung konzentriert sich auf Andeutungen und fokussiert ganz auf die komplexe Psychologie der Figuren. Bei aller Dramatik, verspricht Arnold, gebe es auch Stellen, an denen man lachen könne.

„Scherben“, Di–Sa 19.30, So. 15 und 19 Uhr, EDT (U Mundsburg), Friedrich-Schütter-Platz 1, Karten zu 18,- bis 37,- unter T. 22 70 14 20; www.ernst-deutsch-theater.de