Mit 23 PS zum Stadtpark-Revival

An diesem Wochenende gehen in Hamburg Oldtimer an den Start

Satt und rund tuckert der Motor, die Hupe quietscht unüberhörbar. In der Sonne glänzt der schwarze Lack, die Chromteile blitzen, die Speichenräder sind makellos. „Er ist mir eben ans Herz gewachsen“, sagt Claus Mirbach und streicht sanft über die moosgrünen Ledersitze. Er – das ist ein englischer Morris 8 Open Tourer, Baujahr 1934. Und dieses Auto wird Mirbach an diesem Wochenende beim 12. Hamburger Stadtpark-Revival über den Rundkurs lenken. „Der Wagen fährt 80 Stundenkilometer, gefühlt sind das 140“, sagt der 76 Jahre alte Oldtimer-Spezialist. 23 PS, geschöpft aus 1000 Kubikzentimetern Hubraum, bringen den 800 Kilogramm schweren Morris in Gang. Rund 28.000 Euro ist der Oldtimer heute wert, Claus Mirbach besitzt ihn seit drei Jahren.

An der Motorsport-Veranstaltung am Stadtpark hat der Hamburger schon einige Male teilgenommen und am Steuer eines MG PB von 1930 sogar den ersten Rang in seiner Klasse belegt. „Es geht dabei nicht so sehr um Tempo und Schnelligkeit, sondern um eine gleichmäßige und zuverlässige Fahrt.“ Deshalb rechnet sich Mirbach zusammen mit seiner Frau Britta, 57, als Beifahrerin auch dieses Mal gute Chancen aus, auch wenn der Morris das langsamste Gefährt beim Rennen sein wird. „Wir dürfen nur nicht vergessen, aus Sicherheitsgründen die Sturzhelme aufzusetzen“, sagt die Angetraute. Als das Ehepaar nämlich einmal stattdessen mit Schirmmütze, Strohhut und Schutzbrille antrat, wurde es disqualifiziert.

Claus Mirbach ist Oldtimer-Spezialist von Beruf und aus Leidenschaft. „Eigentlich wollte ich Fotograf werden und habe auch eine Ausbildung begonnen“, erzählt der Hamburger. 1958 sei er dann mit einem Freund nach Nizza gefahren, Prominente fotografieren. „Da kamen wir an einem Schrottplatz vorbei, ich sah einen Bugatti aus den 30er-Jahren, es war Liebe auf den ersten Blick.“ Mirbach kaufte den weißen Wagen für umgerechnet 500 Mark und schraubte drei Tage lang mit seinem Freund an dem Bugatti herum, um das Auto zum Laufen zu bringen. Zu Hause hatte Mirbach keine lange Freude an seinem Schatz, war dafür aber um 3000 Mark reicher. Ein Nachbar wollte ein Automuseum gründen und kaufte ihm den Bugatti für 3500 Mark ab.

„Damit hatte ich Blut geleckt und war für die Fotografie verloren“, erinnert sich der Oldtimer-Händler. Er mietete eine Garage, meldete ein Gewerbe an und kümmerte sich fortan um alte Autos. Damals habe es viele Fahrzeuge aus den 30er- und 40er-Jahren gegeben. „Aber keiner wollte sie haben“, so Mirbach.

Auch mit seinem absoluten Lieblingsauto ist der 76-Jährige regelmäßig unterwegs: dem roten Fiat Balilla, ein Roadster von 1935. Er ist der zehnte Inhaber und hat noch den Original-Fahrzeugbrief von 1935. Mit 20 PS fährt der Benziner 80 km/h in der Spitze und verbraucht acht bis zehn Liter auf 100Kilometern. Beim Stadtpark-Revival ist der Wagen allerdings nur zu besichtigen. „Beim Rennen mitzufahren, ist mir damit zu gefährlich“, sagt Mirbach. „Der Fiat ist 55.000 Euro wert, Reparaturen wären sehr aufwendig, Ersatzteile sind kaum zu bekommen.“