Süße Kringel im Namen des Affen

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Bob Geisler

Drei Freunde sind am Grindel mit amerikanischen Krapfen erfolgreich. Bis 2016 soll es Monkey Donuts bundesweit an 40 Standorten geben

Was haben ein Schimpanse und ein Donut gemeinsam? „Ist doch klar“, sagt Monkey-Donuts-Chef Pedram Ebadi, während er mit offenem Hemd und abgelegtem Jackett vor der Stammfiliale der Kette an der Grindelallee sitzt. „Beide sind süß, verspielt und auch ein bisschen verrückt.“ Daher sei der Affe das ideale Logo für ein Unternehmen, das sich dem Verkauf des amerikanischen Krapfens mit dem charakteristischen Loch in der Mitte verschrieben hat.

Der Schimpanse mit dem intelligenten Blick und der Professorenbrille auf der Nase taucht immer häufiger im Hamburger Stadtgebiet auf. Gerade einmal vor drei Jahren gegründet, dürfte Monkey Donuts heute eine der am schnellsten wachsenden Gastroketten in der Hansestadt sein.

Von drei auf elf Geschäfte hat die Firma das Netz bereits in diesem Jahr erweitert, bis zum Winter sollen noch einmal fünf neue Standorte, unter anderem in Lübeck und Kiel hinzukommen. „Nächstes Jahr gehen wir voraussichtlich nach Berlin, Hannover und Bremen“, sagt Ebadi, der die Hamburger Firma zusammen mit den beiden Mitinhabern Dariusch Naziabady und Emanuel Bortz leitet und im Trio für die Expansion zuständig ist. „Bis 2016 wollen wir 40 Standorte in ganz Deutschland haben.“

Auf die Idee mit den Donuts kamen die Gründer durch verschiedene Besuche in den USA, wo Ketten wie Dunkin’ Donuts ein fester Bestandteil der Fast-Food-Kultur des Landes sind. Allein 500 Restaurants gibt es in New York. In Deutschland ist das Gebäck mit dem Loch dagegen eher eine Randerscheinung und allenfalls TV-Zuschauern als Leibspeise der Zeichentrickfigur Homer Simpson bekannt. Die amerikanische Konkurrenz ist zwar seit einigen Jahren auch in Deutschland aktiv, beschränkt sich bislang aber vor allem auf Standorte in der Hauptstadt und in Nordrhein-Westfalen.

In einem persischen Restaurant heckte BWL-Student Ebadi zusammen mit dem angehenden Englischlehrer Bortz und dem Unternehmer Naziabady den Plan für die eigene Kette aus. Kurz entschlossen brachen die Freunde, die gemeinsam in Billstedt aufwuchsen, ihr Studium ab und mieteten ihren ersten Laden gegenüber der Uni Hamburg an. „Wir waren damals extrem blauäugig und haben uns auf einen Vertrag mit langer Laufzeit eingelassen“, räumt Ebadi heute ein. „Doch zum Glück haben uns die Kunden von Anfang an die Bude eingerannt.“

Die Basis des Erfolgs sind aus Sicht des Expansionschefs die ungewöhnlichen Donut-Kreationen. In dem kleinen Laden im Univiertel liegen Sorten wie American Cheese, White Dream (mit Vanillepudding), White Raspberry (mit Himbeerfüllung) oder Bubble Gum (mit Kaugummi-Geschmack) in der Auslage.

„Am Anfang haben wir die Donuts noch bei einer Konditorei eingekauft und selbst mit Smarties oder Streuseln belegt“, erinnert sich der Mitinhaber. Doch über dieses Stadium ist die junge Firma längst hinaus. Mittlerweile stellen acht Beschäftigte in der eigenen Produktion an der Eiffestraße täglich bis zu 10.000 Stück der zuckersüßen Kalorienbomben her – drei Millionen dürften es in diesem Jahr werden.

Für möglichst professionelle Donuts haben die Chefs nicht nur Maschinen aus den USA importiert, sondern auch einen amerikanischen Konditor eingestellt. Der formt das Gebäck aus einem speziellen, süßen Teig und backt es dann in Fett aus. Anschließend erhalten die Donuts ihren Überzug oder eine der diversen Füllungen. „Dabei verwenden wir aber weniger Fett und weniger Glasur als die Amerikaner, weil dies nicht dem deutschen Geschmack entspricht“, sagt Pedram Ebadi.

Wie die Fertigung im Detail abläuft, lässt sich allerdings nicht überprüfen, da die Jungunternehmer einem Besuch in der Produktion nicht zugestimmt haben. Laut Ebadi ist das Unternehmen wegen der starken Expansion dabei, in größere Räumlichkeiten in der Nähe des bisherigen Firmensitzes umzuziehen, daher seien die Abläufe derzeit „ein wenig chaotisch“.

Neben dem Filialnetz weitet Monkey Donuts derzeit auch das Sortiment aus. „Vor einigen Wochen hat sich ein Kunde einen Waldmeister-Donut gewünscht, den wir erst einmal getestet haben und nun fest ins Sortiment aufnehmen werden“, erzählt Ebadi.

Auch eine Reihe sogenannter Star-Donuts mit Oreo-Keksen, Kinderschokolade oder zerbröselten Raffaello-Kugeln soll die bislang 32 Sorten in Kürze ergänzen. Das erinnert ein wenig an die Strategie mehrerer Eisketten in der Hansestadt, die ebenfalls Süßigkeiten mit bekannten Markennamen in ihre süßen Kreationen mischen und so von den großen Labels profitieren.

Nur Donuts zu verkaufen dürfte auf Dauer allerdings kaum ausreichen, um die Kunden bei der Stange zu halten. „Wir werden daher künftig auch kleine Cupcakes anbieten und das Angebot an Kaffeespezialitäten erweitern“, kündigt Ebadi an. Während der Hitzeperiode dieses Sommers liefen zudem zusätzliche Angebote wie Smoothies gut.

Investiert haben die Chefs jüngst auch noch mal in ihr Maskottchen, den Schimpansen. Fans der Kette könnte auffallen, dass der Affe – firmenintern Professor Charles Monkey genannt – auf den neuen Logos nicht mehr lacht, sondern ernst auf die Besucher schaut. „Auf diese Weise sieht er jetzt nicht nur verspielt, sondern auch richtig cool aus“, meint Pedram Ebadi.