Hier spricht Ihre Tomate

Da haben wir den Salat. Wissenschaftler decken einen neuen Lebensmittelskandal auf. Sie fanden heraus, dass Salatköpfe nach ihrer Enthauptung im Supermarkt weiterleben. Dieses ist bisher nicht aufgefallen, da das Piepen beim Scannen an der Kasse jedes Lebenszeichen übertönt. Hilferufe von Köpfen, die schalldicht eingeschweißt sind, verhallten ungehört.

Janet Braam von der Rice Universität in Houston (USA) berichtet im Fachjournal „Current Biology“, dass sich der Salat nach dem Tagesrhythmus richtet. Er legt also sein Haupt zum Schlafen in der Nacht und wird am Morgen vom Filialleiter geweckt, wenn der den Laden öffnet.

Weitere Untersuchungen zeigten, dass die biologische Uhr auch in anderen Gemüsen nach der Ernte weitertickt, so etwa in Spinat, Zucchini, Tomaten und Süßkartoffeln, aber auch in Blaubeeren.

Die Spekulationen über die Folgen schießen ins Kraut. Die Grünen wollen daraus für den bevorstehenden Wahlkampf Konsequenzen ziehen. Erste Fragen werden diskutiert: Ist es angesichts der neuen Informationen statthaft, dass Möhren in schlichten Kisten ihr Dasein fristen? Haben Gurken Anspruch auf Pausenzeiten? Werden Erdbeeren mit Angaben über das Herkunftsland als Früchtchen mit Migrationshintergrund gebrandmarkt?

Doch auch die Verbraucher müssen sich umstellen. Viele Vegetarier werden Skrupel bekommen, mit dem scharfen Messer in eine Tomate zu schneiden – ohne vorherige Betäubung? Außerdem muss das Grünzeug zu seiner Verteidigung angehört werden, bevor es in den Salat geschnippelt wird. Wenn der Sellerie sagt, „lass mich ein Waldorfsalat sein“, ist das Ziel erreicht.

Auch Sprachforscher sind gefordert, ihren Beitrag zu leisten. Angeblich reden die verschiedenen Gemüsesorten durcheinander wie Kraut und Rüben. Besonders dringend werden Dolmetscher für Gurken und Tomaten gesucht, des Weiteren Spezialisten für Pastinaken, schließlich müssen auch pflanzliche Minderheiten zu ihrem Recht kommen.

Erste Erfahrungen gibt es bereits mit Karotten. Laut der Internetseite Schneckentisch sprechen Karotten häufig kurpfälzisch oder französisch, sind sehr eigen, aber auch zu Kompromissen bereit. Sie lassen sich gern in die Tomatensoße raspeln, wenn man ihnen die Karottensuppe erspart.