Hinter einer Hecke in Harvestehude

Auf der großen Terrasse vom Restaurant Tiefenthal werden Jungs- und Mädchenessen serviert

Es sind genau 90 (Frauen-)Schritte, die das Tiefenthal von Eppendorf separieren. Kurz hinter dem Stadtteilschild „Harvestehude“, versteckt auf der linken Seite an der Isestraße, liegt dieses reizende Lokal lauschig hinter einer kleinen Hecke. Auf der großen Terrasse verschnaufen Marktgänger mit ihren Weidenkörbchen, plauschen blond gesträhnte Mütter, während ihre Kinder endlich kinderwagengeschuckelt eingeschlafen sind, und sonnengebräunte Herren paffen selig an einer Zigarre.

Willkommen im Bermudadreieck zwischen Eppendorfer Baum, Isemarkt und Gymnasium Eppendorf. Es herrscht hier eine angenehme Ruhe. Wäre da nicht die U-Bahn, die durch die Idylle rattert – man könnte von Naherholung sprechen. Gegenüber zeigt ein Filius seinem Vater sein neues Spiel auf dem iPhone. Cut the Rope, wenn ich es richtig sehe. Sie bestellen beide das kleine Schnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat und Preiselbeeren für 13,50 Euro. Jungsessen halt.

Ich bestelle Mädchenessen. Das ist heute eine Avocadocremesuppe mit Peperoni und Rauchlachsstreifen für 7,50Euro. Die Kombi hatte ich noch nie. Avocado ist ja so ne Sache. Kennen viele nur auf Brot oder am Taco klebend. Serviert wird das Schaumsüppchen in einem Marmeladenweckglas. Im wahrsten Sinne des Wortes niedlich. Zumindest zu dem Preis. Da haben die Schnitzel-Jungs definitiv mehr für ihr Geld bekommen. Versöhnlich stimmen mich erstens: der Geschmack! Mildsahnige Schärfe mit einem Hauch Rauch trifft es am besten. Davon drei Portionen – und ich wäre richtig happy. Zweitens hebt meine Laune der Aperitif Campari Shakerato. Übersetzt bedeutet das Campari mit frischem Zitronensaft und feinster Limonenschale. So viele Vitamine und Endorphine für sieben Euro sind doch super. Hinterher schicke ich ein Schokomalheur mit Portfeigen und Vanillesauce für 7,50 Euro. Die Feigen schiebe ich zur Seite. Der Rest ist herbköstlich, nicht zu süß und mädchenlecker. Auch für einen Besuch am Abend ist das Tiefenthal, benannt nach einer angeblich bekannten Hamburger Gastronomenfamilie (von der ich niemals gehört habe, aber so steht es in der Karte, und jedes Mal frage ich mich, warum ich diese Bildungslücke nicht schließen konnte), durchaus geeignet. An den Wänden werden stets wechselnde Werke von unterschiedlichen Künstlern gezeigt. Dadurch wirkt alles ein wenig intellektueller, als es vielleicht ist. Was wiederum wunderbar zu meinen Bildungslücken passt.

Die wöchentlich wechselnde Tageskarte bietet bis 18 Uhr Petersilienspätzle mit Appenzeller (7,90 Euro) oder auch Lachsforellensteak mit Pinienkernrisotto (9,80 Euro). In der Hauptkarte wird Deftiges wie Himmel und Erde mit Heidschnuckenblutwurst (14,40Euro), aber auch Atlantikscholle mit Enoki, grünem Spargel und Radieschen (18 Euro) offeriert. Am Sonnabend und Sonntag darf in Harvestehude hinter der Hecke von 10 bis 16 Uhr gefrühstückt werden. Jungs- und mädchenmäßig, mit oder ohne Bildungslücke.

Tiefenthal Mo–Fr 12.00–23.00, Sa/So 10.00– 23.00, Isestraße 77 (U Eppendorfer Baum), T. 46 96 16 72; www.tiefenthal-hh.de