Quadratisch, praktisch, gut? Der Uni-Neubau

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Axel Tiedemann

Senatorin stellt Siegerentwurf für Mathe, Informatik und Naturwissenschaften vor

Auf einer grünen, windschiefen Holzbaracke steht ein Hinweis auf den Fachbereich Meeres-Chemie, nebenan bröckeln an der Waschbetonfassade des Zoologischen Instituts ganze Stücke heraus, rostiger Monierstahl schimmert an vielen Ecken durch. Noch ist an der Bundesstraße und der Sedanstraße wenig von den Plänen der Stadt für neuen modernen Uni-Campus zu erkennen, an dem die naturwissenschaftlichen Fächer einmal konzentriert sein sollen.

Einen „Meilenstein“ auf dem Weg zu dieser umfangreichen Modernisierung der Universität Hamburg ist nach Ansicht von Wissenschaftssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) jedoch jetzt gekommen. Gemeinsam mit Unipräsident Dieter Lenzen und Oberbaudirektor Jörn Walter stellte sie den Architektur-Siegerentwurf für zwei neue, große Gebäude vor, die just dort gebaut werden sollen, wo sich noch die grüne Baracke aus den 60er-Jahren hinter Büschen versteckt.

Für rund 70 Millionen Euro sollen dort ein Forum für die Fakultät Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften (MIN) sowie ein eigenes Gebäude für den Fachbereich Informatik gebaut werden, später soll in einem weiteren Bauabschnitt auf dem Gelände ein drittes Gebäude für die Chemie hinzukommen. In dem Forum sind unter anderem eine Mensa und eine Bibliothek geplant. In das neue Informatik-Gebäude in Rotherbaum werden voraussichtlich rund 1000 Studenten und etwa 150 Mitarbeiter von ihrem jetzigen Standort Stellingen dorthin ziehen.

„Optimistisch geschätzt“, so Oberbaudirektor Jörn Walter, werde der Komplex Ende 2018 fertiggestellt sein. Beide Neubauten werden eine Fläche von rund 17.800 Quadratmetern erhalten – was ungefähr der Größe eines Ikea-Kaufhauses entspricht.

Die städtebaulichen Pläne für ein großes, neues Campusgelände sollen alles in allem in den nächsten 20 Jahren umgesetzt werden. Konkreter ist bisher nur der erste Abschnitt mit drei Baumaßnahmen, für die laut Senatorin Stapelfeldt insgesamt 320 Millionen Euro vorgesehen sind.

Dazu gehört als Erstes ein 140 Millionen Euro teurer Neubau für den weiten Bereich der Klimawissenschaften neben dem Geomatikum-Hochhaus. Für das neue Gebäude mit einer Nutzfläche von 22.000 Quadratmetern ist nach Informationen des Bezirksamts Eimsbüttel jetzt der Genehmigungs-Vorbescheid erteilt worden, sodass bald mit dem Bau begonnen werden könnte. Zweiter Teil dieses ersten 320-Millionen-Modernisierungspakts an der Bundesstraße ist nun der Neubau der beiden MIN-Gebäude, dritter Teil soll eine umfangreiche Sanierung des Geomatikums selbst werden.

Schon im Oktober 2012 hatte es für die beiden geplanten MIN-Gebäude an der Bundesstraße einen ersten Architektur-Wettbewerb gegeben. Drei Architektenbüros wurden danach aufgefordert, ihre Entwürfe zu überarbeiten. Jetzt wählte die Fachjury um Oberbaudirektor Jörn Walter den Entwurf des Büros Bez + Kock aus Stuttgart als Grundlage für die weitere Planung aus.

Überzeugt habe bei diesem Entwurf vor allem die Öffnung der Gebäude hin zur Bundesstraße. Eine Cafeteria ist dort geplant sowie ein direkter Zugang zu Mensa und Bibliothek. Jörn Walter: „Ziel war ja, dass die Uni hier ein Teil der Stadt wird und ihr nicht wie bisher den Rücken zeigt.“

Hintergrund der Neubaupläne sind die derzeit über die Stadt verstreuten vielen Standorte der Hamburger Universität und ein offenkundiger Sanierungsstau an vielen Gebäuden. Ursprünglich gab es daher Überlegungen, einen Teil komplett auf dem Kleinen Grasbrook im Hafen neu zu bauen. 2010 entschied der Senat sich für eine Modernisierung und Erweiterung am zentralen Standort in Rotherbaum.

Ziel war, dass die Uni hier ein Teil der Stadt wird und ihr nicht wie bisher den Rücken zeigt.