Eltern kämpfen für ihre Schule

Teile des Baus in Rellinger Straße könnten verkauft werden – für die Kinder wird es eng

Die beiden Töchter von Tanja Pott besuchen die Grundschule Rellinger Straße – sie sind zwei von 400 Schülern. Die reformorientierte Schule, die jahrgangsübergreifenden Unterricht anbietet, hat erst 2012 den Deutschen Schulpreis gewonnen.

Auf ihrem Gelände im Herzen Eimsbüttels ist eine Kindertagesstätte untergebracht, es gibt einen Bolzplatz, und die völlig marode Turnhalle soll endlich erneuert und erweitert werden. Viele gute Nachrichten also. Doch die Eltern fürchten dennoch, dass es für ihre Kinder bald ungemütlich eng werden könnte auf dem Gelände, wenn nämlich tatsächlich ein Teil des Schulhofs abgetrennt und für den Bau von 70 Wohnungen genutzt wird.

„Der Widerstand gegen diese Pläne formiert sich“, sagt die Elternratsvorsitzende Tanja Pott. Demnächst wird die Rellinger Straße eine gebundene Ganztagsschule, sodass die Kinder auch den Nachmittag dort verbringen – dann müsse das Gelände Freiräume bieten. Der Stadtteil sei besonders für Familien mit Kindern attraktiv; das Viertel wachse. „Wenn ein Teil der Schulfläche erst einmal verkauft ist, nimmt man der Schule für die Zukunft die Möglichkeit zu wachsen“, befürchtet Tanja Pott.

Seit dem vergangenen Jahr sind Mitarbeiter von Schulbau Hamburg damit beschäftigt, sämtliche Schulen der Hansestadt genauestens zu vermessen. Zum einen dienen die detaillierten Flächenangaben dann als Grundlage für die Mieten, die die Schulbehörde mit Schulbau erstmals quadratmetergenau abrechnet. Zum anderen aber wird mithilfe der Daten der Zubaubedarf an den einzelnen Schulen konkretisiert und auch ermittelt, welche Schulstandorte über zu viele Flächen verfügen. Als Maßstab dafür dient unter anderem das neue Musterflächenprogramm des Senats. Die Finanzbehörde hatte darin festgelegt, dass jedem Schüler eine Fläche von zwölf Quadratmetern zusteht. Auch für die Größe der Schulhöfe gibt es Richtzahlen. Die Schulbehörde betont zwar, dass kein Automatismus existiere und die Bedürfnisse und Gegebenheiten der einzelnen Schulen berücksichtigt würden. Doch schon als das Musterflächenprogramm bekannt wurde, hatte die Opposition gewarnt, es werde einen Riesendruck auf die Schulen geben, ihre Flächen zu verkleinern.

Dabei ist der Senat ist in einer Zwickmühle. Er investiert in den kommenden Jahren fast zwei Milliarden Euro in den Ausbau und die Modernisierung der Hamburger Schulen, von denen viele marode sind. Durch die neuen Stadtteilschulen wird vielerorts mehr Raum benötigt. Um die Kosten für die Steuerzahler in Grenzen zu halten, wollen Schul- und Finanzbehörde all die Schulgelände, die nicht mehr genutzt werden, möglichst gut verkaufen – gern für Wohnungsbau, den zu forcieren ein zentrales Ziel des Hamburger Senats ist. So bietet der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) bereits die Berufliche Schule Steinhauer Damm in Nord und die Schule Cranz in Harburg zum Kauf an. Beide Schulen werden seit Längerem nicht mehr genutzt. Die Mittel fließen zurück in den Schulbau, wie Finanzbehördensprecher Daniel Stricker betont. Auf der Verkaufsliste stehen nach Auskunft des Senats auf eine CDU-Anfrage hin auch die Schule Röbbek in Altona, die Pestalozzi-Schule im Bezirk Mitte und die Schule Ifflandstraße in Nord, ebenso wie Schulgebäude an der Lübecker Straße, der Wallstraße, dem Steinhauerdamm und dem Gelände an der Langenhorner Chaussee.

Gut verkäuflich und für den Wohnungsbau begehrt sind Schulgelände in den beliebten innerstädtischen Stadtteilen. Sich in diesen wachsenden Vierteln von Gebäuden oder Flächen zu trennen, erscheint der Opposition wenig vorausschauend. Die CDU fordert deshalb, keine weiteren Schulgrundstücke zu verkaufen, bis klar ist, wo die von Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) angesichts der wachsenden Einwohnerzahl bis 2030 angekündigten 38 zusätzlichen Schulen entstehen. „Gerade in innerstädtischen Lagen wird es schwer werden, Flächen für neue Schulen zu finden“, so der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Robert Heinemann. „Wenn man jetzt Schulgelände verkauft und in zehn Jahren wieder benötigt, wird man sie für den doppelten Preis zurückkaufen müssen.“

Wenn ein Teil der Schulfläche erst einmal verkauft ist, nimmt man der Schule die Möglichkeit zu wachsen.