Kleingedrucktes kann Flüge verteuern

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Wolfgang HorchVolker Mester

Suchmaschinen helfen, günstige Angebote zu finden. Manche Billig-Airlines locken mit niedrigen Preisen – Servicemängel inklusive

Sparfüchse haben ihren Urlaub dringend nötig. Denn bevor sie in die Ferien starten, haben sie einen anstrengenden Planungsmarathon hinter sich. Sie müssen sich für ein Reiseziel entscheiden, den genauen Urlaubszeitraum festzurren und Angebote einholen – wenn sie die Kosten für die schönsten Wochen im Jahr senken wollen. „Man muss viel tun und viel vergleichen“, sagt der Hamburger Luftfahrt-experte Cord Schellenberg.

Doch wer sich auf die Suche macht, kann zum Beispiel für einen Flug nach Gran Canaria mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern mehr als 1000Euro am Flugpreis sparen, ergab ein Abendblatt-Test. Allerdings startet die Reise statt in Hamburg von Bremen aus und beginnt einen Tag später als im Test ursprünglich geplant. Hinzu kommen Kosten für das Gepäck, die Anfahrt und für das Parken.

Wer viel Auswahl haben möchte, ist im Norden in der Elbmetropole richtig. Von Fuhlsbüttel aus fliegen die Jets 115Städte nonstop an, von Bremen aus sind es 50, von Lübeck-Blankensee aus sind nur zehn im regulären Programm. „Die Grundfrage lautet nicht nur, wie viel Geld ich sparen kann, es geht auch um die Erreichbarkeit der Ziele“, sagt Schellenberg. Es gilt die Faustregel: je größer ein Flughafen, desto häufiger wird ein Ziel auch angeflogen.

Im Internet gibt es zahlreiche Suchmaschinen wie Opodo, Expedia, Billigflug oder flug.idealo, auf denen man sich eine Übersicht über die Angebote verschaffen kann. Häufig bekommt der Urlauber die besten Preise erst, wenn er flexibel bei den Reisedaten ist. Der Hintergrund: Billigflieger steuern die Ziele häufig nicht täglich an. So geht es mit Ryanair nur sonntags von Bremen nach Fuerteventura.

„Die Achillesferse bei den Billigfliegern ist, dass man vorgeschrieben bekommt, wann man fliegt“, sagt Schellenberg. Wer aber Spielraum beim Start in die Ferien hat, für den bieten Ryanair und andere häufig die niedrigsten Preise. Wer sich für eine Airline entschieden hat, sollte anschließend noch einmal auf deren Homepage klicken. Der Flugpreis könnte dort niedriger sein. In den Schulferien lohnt sich zudem ein Blick in andere Bundesländer, in denen die Schüler noch lernen müssen. Dann kann zum Beispiel der Abflug aus Stuttgart mit einem Rail&Fly-Ticket, das die Zugfahrt schon beinhaltet, die günstigste Alternative sein.

Reisende sollten nicht nur auf den reinen Flugpreis schauen. Die Anreisekosten müssen berücksichtigt werden. Und wer seinen Wagen am Flughafen abstellen will, muss zudem die Parkgebühren berücksichtigen. So kosten 14Tage Parken am Flughafen Hamburg zwischen 75 und 120Euro, in Bremen zwischen 75 und 90Euro, in Lübeck aber nur 52 Euro.

Wer sich für Tickets beim größten europäischen Billigflieger Ryanair entscheidet, muss wissen, was er will. Der Kunde sollte sich entschieden haben, ob er mit oder ohne Gepäck reisen will. Denn jeder Koffer, der im Flugzeugbauch verschwindet, kostet. Die irische Fluglinie berechnet für das erste Gepäckstück bis 15Kilogramm in der Nebensaison beispielsweise hin und zurück 30Euro, wenn der Urlauber es sofort bei der Buchung anmeldet. Kauft er die Leistung später im Callcenter oder am Flughafen, werden sogar 120Euro fällig. Wer auf eine Reiseversicherung verzichtet, muss ein Kenner der Seite sein. Denn wo „Wählen Sie ein Wohnsitzland aus“ steht, kann man als letzte Option nach 21europäischen Ländern „Unversichert Reisen“ anklicken. Anschließend darf man den Handyvertrag über Ryanair und deren Gepäckkollektion ablehnen, um die Kosten im Griff zu halten.

Wer mit Ryanair fliegt, muss beim Service Abstriche machen. So sind weder Getränke noch Speisen im Flugpreis inbegriffen. Die Iren lassen sich von der Cola bis zum Sandwich alles bezahlen – und zwar zum Teil recht teuer. Zudem muss man damit rechnen, dass gerade auf Rückflügen zumindest ein Teil der Verpflegung ausverkauft ist. Da kann es schon mal passieren, dass der durstige Passagier zur zuckrigen Limo greifen muss, weil es kein stilles Wasser mehr zu kaufen gibt.

Des Weiteren ist es bei Ryanair nicht selbstverständlich, dass man als Familie im Flugzeug nebeneinandersitzt. Fest zugeordnete Plätze gibt es nämlich nicht. Möchte der Passagier früher als die Massen in den Ryanair-Flieger einsteigen, muss er im Internet den Button „Kein Schlangestehen“ anklicken. Und das kann teuer werden. So verlangen die Iren für diese sogenannte Dienstleistung zum Beispiel von einer vierköpfigen Familie für den Hin- und Rückflug Bremen–Fuerteventura stolze 56Euro.

Luftfahrtexperte Cord Schellenberg: „Günstiger Flugpreis heißt eben auch geringer Service.“