Schluss mit dem Lern-Frust

Tipps für die Prüfungsvorbereitung - wie sich Stoff in Häppchen aufteilen lässt

Faulenzen in den Semesterferien? Von wegen! Bei vielen der 67.000 Hamburger Studenten ist auch in der vorlesungsfreien Zeit Lernen angesagt. Diese Expertentipps helfen bei der Vorbereitung auf die nächste Prüfung.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Eigentlich ist es ja selbstverständlich: Das A und O ist, rechtzeitig mit dem Lernen anzufangen. Der erste Schritt ist, den Stoff zu sichten, erklärt Martin Schuster, Psychologe und Autor des Buchs "Besser lernen". Am besten, man fragt nicht nur den Dozenten, was geprüft wird. Ratschläge können auch Kommilitonen geben, die die Klausur schon hinter sich haben.

Einen Lernplan aufstellen

Nachdem der Lernstoff eingegrenzt ist, sollte er portioniert werden. Am besten orientieren Studenten sich dabei an inhaltlichen Blöcken - der Historiker etwa unterteilt den Stoff zum Römischen Reich in Epochen. "Dann schaue ich mir an: Wie viele Tage habe ich Zeit zum Lernen", sagt Lernberaterin Nina Zimmermann. "Feiertage am besten schon mal herausstreichen." Die Häppchen werden dann gleichmäßig auf die einzelnen Tage verteilt. Circa zehn Prozent der Lernzeit sollte als Puffer für unerwartete Ereignisse eingeplant sein.

Die Texte zusammenfassen

Aufzeichnungen noch einmal zusammenzufassen, hat einen deutlichen Lerneffekt. "Den Text einmal komplett durchlesen und dann festhalten: Was sind die Hauptaussagen?", empfiehlt Hirnforscher Gerald Hüther. "Dann den Text noch einmal durchlesen und die Details themengebunden in verschiedenen Farben herausschreiben." Infos zum Römischen Reich bis Christi Geburt notiert man zum Beispiel in Blau, Infos für die Zeit danach in Rot.

Sich Merkhilfen ausdenken

Lernstoff lässt sich leichter merken, wenn er mit Emotionen verbunden wird. Das lässt sich zum Beispiel erreichen, indem er in einen persönlichen Kontext gesetzt wird. Zum Beispiel: Wo begegnet mir diese chemische Verbindung im Alltag?

Den Lernstoff wiedergeben

Viele nehmen beim Lernen den Stoff nur auf. Sie üben aber nicht, ihn wiederzugeben. "Ich muss mich innerlich immer wieder abfragen: Was habe ich da gerade gelernt?", sagt Schuster. Der Klassiker: Karteikarten mit Fragen durchgehen. Ebenfalls hilfreich ist es, große Plakate mit wichtigen Fragen zum Lernstoff in der Wohnung aufzuhängen. Im Vorbeigehen werden sie beantwortet. Wem die Lösung nicht einfällt, liest sie schnell nach. "Besonders effektiv ist es, wenn man kurz vorm Schlafengehen das am Tag Gelernte noch einmal komplett aufsagt", sagt Neurobiologe Hüther. "So bleibt der Stoff im Langzeitgedächtnis."

Den Tag klug strukturieren

Den ganzen Tag in der Bibliothek alleine vor sich hin zu lernen, ist selten effektiv. Besser geht es so: Vormittags in der Bibliothek allein lernen, am späten Mittag mit Freunden in der Mensa essen und nachmittags das Gelernte gegenseitig abprüfen.

Bewusst Pausen machen

"In der Regel sollte man nach ein bis zwei Stunden intensiven Lernens eine Pause von rund 20 Minuten einlegen", sagt Lernberaterin Zimmermann. Schlechte Pausenbeschäftigungen sind fernsehen, im Internet surfen oder Videospiele. "Die Reizüberflutung kann das Gelernte schnell überschreiben", warnt Gerald Hüther. Besser ist es, richtig abzuschalten, zum Beispiel mit einem kleinen Spaziergang.

Am letzten Tag nur wiederholen

An diesem Tag sollten Studenten nichts Neues mehr lernen, sondern den bisherigen Stoff wiederholen. Gute Methode dafür: einen oder mehrere kleine Spickzettel schreiben. "Wenn man in kleiner Schrift schreibt, muss man sich besonders auf das Rekapitulierte konzentrieren", sagt Psychologe Schuster. Den Spicker lassen Studenten anschließend aber zu Hause - dann geraten sie gar nicht erst in Versuchung zu schummeln. Und können auch nicht beim Täuschungsversuch erwischt werden.