Virtuos und eigenwillig

Hilary Hahn spielt Korngolds Violinkonzert in der Laeiszhalle

Als Peter Gabriel in den späten 70er-Jahren auf den verwegenen Gedanken kam, seine Lieder auch in fremden Sprachen zu singen, zum Beispiel auf Deutsch, bescheinigte ihm seine Plattenfirma, das sei "kommerzieller Selbstmord". Dieser hübsche Begriff für Veröffentlichungspläne eines künstlerisch eigensinnigen Charakters kommt einem in den Sinn, wenn man sich Hilary Hahns jüngere Plattenaufnahmen ansieht. Die vier Violinsonaten von John Cage mit der Pianistin Valentina Lisitsa und ein Album mit teilimprovisierter Musik an der Seite des Düsseldorfer Klavier-Avantgardisten Hauschka ("Silfra") - das ist nicht gerade das Kernrepertoire, zu dem die dahinschmelzende Käuferschicht von Klassikplatten froh griffe. Aber weil Hilary Hahn offenbar tun muss, was sie tut, lässt die Plattenfirma sie gewähren. Und das ist gut so.

Wenn die seit ihren Wunderkindtagen überall gefeierte Violinvirtuosin mit dem raschen Verstand nun wieder einmal in Hamburg Station macht, so doch nicht mit einem ihrer eigenwilligen Nischenprogramme, sondern mit einem Leckerbissen für den Klassikkulinariker: Erich Korngolds Violinkonzert, das wie das Beethovens in D-Dur steht. Das Werk entstand 1945.

Auf YouTube kann man Hilary Hahn das Konzert spielen sehen - mit der ihr eigenen Klarheit, souverän, sorgfältig das Sentiment gegen die lauernde Gefahr des Kitsches verteidigend, also mit nüchternem Schmelz.

Für den zweiten Teil des Programms hat das Dallas Symphony Orchestra, das unter der Leitung seines Chefdirigenten Jaap van Zweden spielt, Mahlers Sinfonie Nr. 6 auf das Programm gesetzt.

Dallas Symphony Orchestra & Hilary Hahn ,

Di 19.3., 19.30 Laeiszhalle (U Gänsemarkt)

Johannes-Brahms-Platz, Tickets zu 20,- bis 129,- unter T. 35 76 66 66