Telefonkette - das war einmal

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Poppenbüttler Gymnasiasten entwickeln eine App, die über Unterrichtsausfälle informiert

Die traditionelle Telefonkette, bei der Lehrer und Schüler ihre Klassenkameraden über Stundenausfall informieren - das war einmal. Heute sind Hamburgs Schulen digital vernetzt und verwenden sogenannte Apps, Handyprogramme für das Smartphone. So auch das Carl-von-Ossietzky-Gymnasium in Poppenbüttel.

Hier haben die Schüler Fabio Baser, 15, Philipp Kühn, 15 und Lennard Greve, 14, die schuleigene "CvO Hamburg"-App entwickelt.

Vielleicht sind die drei Jungs einfach nur ein technikverrücktes Trio. Vielleicht stehen sie aber auch stellvertretend für eine ganze Generation. Die sich die Dinge, die sie als nützlich erachtet, einfach selbst zusammenbastelt. Oder in diesem Fall: programmiert. Die sich dafür die Bedienungsanleitungen selber sucht, denn die gibt es zuhauf und kostenfrei im Internet. Und die das so gewonnene Wissen ihrer Schule wiederum zur Verfügung stellt - ohne damit Geld verdienen zu wollen.

Begonnen hat alles im Sommer 2012. Da bemerkten Fabio, Philipp und Lennard, dass ihre Schule in Sachen Kommunikation ein wenig Nachholbedarf hatte. Sechs Monate brauchten die drei anschließend, um diese Erkenntnis in die Tat umzusetzen und ein kostenloses Handyprogramm zu programmieren. Das war dann ab November vergangenen Jahres im digitalen Internet-Verkaufsportal des Technologie-Unternehmens Apple verfügbar. Ohne jegliche professionelle Unterstützung mussten sich die Jungentwickler etlichen Problemen stellen. Das gesamte Know-how eigneten sich die drei Jugendlichen aber selbst an, sie fanden es in Büchern und auch in Form ausführlicher Anleitungen (sogenannte Tutorials) auf der Online-Plattform YouTube.

"Niemand an unserer Schule konnte uns bei unserem Projekt helfen. Wir mussten die Probleme, die bei der Entwicklung aufgetreten sind, selbst lösen. Unsere Schulleitung hat uns zwar enorm unterstützt, aber leider nicht mit technischem Wissen", sagt Philipp, der für die gesamte Programmierung zuständig gewesen ist. Mittlerweise wurde die kostenlose App der drei Gymnasiasten immerhin schon mehr als 400-mal heruntergeladen.

Sogar in Österreich, der Schweiz, den USA und in China interessierten sich Menschen dafür und luden sich das Programm herunter. Woher dieses Interesse kommt, können sich die Schüler auch nicht erklären. Neben dem aktuellen Terminplan, dem Essensplan der Schulmensa und einer Weiterleitung zur Schul-Homepage beinhaltet die Smartphone-Anwendung auch noch den wohl wichtigsten Plan der Schule: den Vertretungsplan. Dieser wird täglich von der stellvertretenden Schulleiterin Birgit Pot-Weber aktualisiert und gewissenhaft in ein System eingegeben, welches wiederum mit der besagte App verbunden ist.

Am Ende kann der Apple-Nutzer auf seinem Smartphone den stets aktuellen Vertretungsplan abrufen. Aber selbst diejenigen, die kein Smartphone nutzen, müssen nicht auf den Vertretungsplan verzichten. Mehrere Flachbildschirme hängen im Schulgebäude des Carl-von-Ossietzky-Gymnasiums und informieren Schüler, Lehrer sowie Eltern. Zudem lässt sich der Plan auch über die Schul-Homepage aufrufen. Weitere Ideen für die App sind längst geschmiedet. "Wir planen eine Spiele-App, die das bestehende Angebot ergänzt", sagt Fabio, der das Design der App verantwortet.

Befürchtungen, dass das Projekt abgelehnt wird, hatten die Schüler aus Poppenbüttel zu keiner Zeit. "Wir wurden ja von allen Seiten super unterstützt. Niemand zweifelte an unseren Ideen", sagt der 15-jährige Lennard, der als drittes Mitglied das Team komplettiert. Konkrete Vorstellungen über das Jetzt und das Bald haben die Jugendlichen auch schon. "Wir möchten mit unserer App kein Geld verdienen. Am liebsten möchten wir einfach nur damit bekannt werden. Und wir wünschen uns natürlich, dass dadurch auch andere Schulen auf uns zukommen, um mit uns gemeinsam eine App zu entwickeln", sagt Fabio.

Alle drei Jugendlichen nicken und lachen, sie sprühen vor Begeisterung. Es gibt so viele Vorurteile, die ihre Generation betreffen: dass sie nur noch vor dem Computer hockt, auf ihren Smartphones herumspielt; dass sie vergisst, wie die reale Welt da draußen eigentlich funktioniert. Doch Fabio, Philipp und Lennard sind ein gutes Gegenbeispiel. Besser als durch ihre App kann wohl niemand die reale Welt mit ihren digitalen Helfern verbinden.