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Tierhasser verteilt Giftköder in Hamburg – hohe Belohnung

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Anika Würz
Hundebesitzer in Hamburg Bramfeld sollten ein Auge darauf haben, dass ihr Liebling keine Giftköder frisst (Symbolbild).

Hundebesitzer in Hamburg Bramfeld sollten ein Auge darauf haben, dass ihr Liebling keine Giftköder frisst (Symbolbild).

Foto: Florian Schuh/dpa

In einem Stadtteil häuft sich die Zahl vergifteter Haustiere. Anwohner bitten um Hinweise. Das rät die Polizei Hundebesitzern.

Hamburg. In Bramfeld treibt ein Tierhasser seit Monaten sein Unwesen: Immer wieder vergiften sich Hunde auf ihrer Gassirunde. Bereits seit Juli 2022 finden Hundebesitzer im Bereich der Straßen Gumbinner, Trakener, Goldaper und Elbinger Kehre sowie Am Stühm-Süd Giftköder.

Die Polizei Hamburg bestätigt, dass es seit dem Sommer mehrere Meldungen zu den gefährlichen Ködern gab. In mehreren Funden ließen sich Giftrückstände nachweisen. Zu Tode gekommen ist aber noch kein Tier. Jetzt ist eine Gruppe von Anwohnern – überwiegend Hundebesitzer – aktiv geworden. Sie haben eine Belohnung für Hinweise zum Täter ausgelobt: 1500 Euro.

Hunde vergiftet! Tierhasser von Bramfeld gesucht – Belohnung

Der Betrag „€ 1.500,00“ prangt auf laminierten Zetteln, die in der Nachbarschaft aushängen. „Es steht jedem offen, sich an dieser Belohnung zu beteiligen – egal in welcher Höhe“ steht darunter. Mithilfe der Aushänge wollen sie den Hundehasser zu fassen bekommen.

Laut den Anwohner sei bereits ein Hund aus der Hohnerkamp-Siedlung gestorben. Die Polizei weist jedoch darauf hin, dass nicht geklärt sei, ob ein Giftköder schuld daran war. Vier weitere Hunde erlitten Vergiftungen, konnten aber gerettet werden. Zudem seien Katzen verschwunden und tote Eichhörnchen gefunden worden, heißt es aus der Nachbarschaft.

Hunde in Bramfeld mit Giftködern vergiftet – Nachbarn suchen Täter

„Mir tut es auch leid, wenn jetzt noch die Igel rauskommen“, sagt Ute Poszich dem Abendblatt. Gemeinsam mit ihrer Nachbarin Roswitha Radigk hat sie die Belohnungs-Aktion gestartet. Bislang konnten die beiden 35 Tierfreude gewinnen, die finanziell an der Belohnung beteiligt sind.

Mit so viel Zuspruch hatten die Nachbarinnen nicht gerechnet: „Ich dachte, wir bekommen nicht mal 500 Euro zusammen“, sagt Poszich über die Solidarität unter den Anwohnern. Nico, der Hund ihrer Nachbarin Radigk, ist eines der Tiere, das sich bereits vergiftet hat.

Giftköder des Hundehassers von Bramfeld sind knallpink

Die Giftköder, die ein Unbekannter seit Monaten in Bramfeld auslegt, sind knallpink, so Poszich. Es seien immer die gleichen, „da gibt sich einer richtig Mühe.“ Die Signalfarbe hält die Hunde aber nicht davon ab zuzulangen. Denn perfiderweise sind unter das grell eingefärbte Rattengift Leckerlis gemischt. Der Täter habe die Masse mit Eiweiß zusammengepresst. „Die sind dann knackig wie Müsliriegel“, so die Hundehalterin.

Schon zweimal habe sie die Köder beim Gassigehen entdeckt. Auch macht sie sich um den Kindergarten in der Gegend Sorgen: „Wenn kleine Mädchen die neonpinken Köder finden...“ Dass diese sich aus Neugier vergiften könnten, hält sie nicht für ausgeschlossen.

Neue Hoffnung schöpft Poszich nun, weil der Fall zuletzt mehrfach medial verbreitet wurde, wie in der "Mopo" und der "Bild". „Ich denke, dass jetzt viele Menschen doch etwas mehr auf Hinweise achten“, sagt sie. Dem Täter hingegen werde sein Werk durch die öffentliche Aufmerksamkeit schwerer gemacht. „Vielleicht hört er jetzt ganz auf.“

Hamburger Polizei werden häufiger Hunde-Giftköder gemeldet

Seit der Hundehasser in Bramfeld die Köder verteilt, erstatten die Anwohner immer wieder Anzeige. „Lassen Sie sich versichert sein: Die Polizei, insbesondere die örtliche Polizeiwache, behält die Situation dort aufmerksam im Blick“, sagt Polizeisprecher Joscha Ahlers. Wer Verdächtiges beobachtet, wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden.

Wer auf die Köder aufmerksam wird, sollte diese zudem nicht berühren und verhindern, dass Tiere sie fressen. Im nächsten Schritt sollte die Polizei alarmiert werden. „Einerseits geht es dabei um die Sicherstellung des verdächtigen Gegenstands, andererseits aber auch um eine Absuche nach möglichen weiteren Ködern im Rahmen der Gefahrenabwehr“, so Ahlers.

Würden sich Vergiftungssymptome erst zeitverzögert nach der Gassirunde zeigen, ist sofort ein Tierarzt zu konsultieren. Ahlers: „Auch dann sollte für gefahrenabwehrende und beweissichernde Maßnahmen zeitnah die Polizei verständigt werden. Für den Nachweis, dass ein Tier wegen eines Giftköders erkrankt oder gar verstorben ist, spielt der Köder als Beweismittel eine zentrale Rolle.“ Dass der Polizei vermeintliche Giftköder gemeldet werden, komme immer wieder vor.

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