Wandsbek

Taubenfreunde fordern Rederecht in Bezirksversammlung

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Stadttauben sind oft unerwünscht. Ein Verein will sie retten.

Stadttauben sind oft unerwünscht. Ein Verein will sie retten.

Foto: Imago

Statt sie zu verscheuchen, sollen die Vögel kontrollierbare Ersatzquartiere erhalten. Verein bietet Politik Gratisvortrag an.

Hamburg.  Die Taubenvergrämung trifft nicht nur die als „Ratten der Lüfte“ diffamierten Tiere. Auch Menschen grämen sich regelmäßig – über die Folgen der Vertreibung.

Das jedenfalls konstatieren Gandolfs Taubenfreunde von Looki e. V., dem Verein zur Tierrettung. Seit Jahren kämpft die Bahn am S-Bahnhof Poppenbüttel mit Stacheln, Rutschblechen und feuersimulierendem Gel vergebens gegen das Getier, das mit seinen Abwürfen Gäste trifft, Lacke angreift und überdies mit Tiefflügen unter dem Bahnsteigdach zumindest diejenigen Menschen verängstigt, die nicht, wie Gandolfs Taubenfreunde, vom Liebreiz der Tiere überzeugt sind und sich freuen, wenn Gottes Kreatur Lebensfreude zeigt.

Taubenfreunde bieten Politik fachkundigen Gratisvortrag an

Dieses Desaster soll sich nicht wiederholen, finden Gandolfs Taubenfreunde. Deshalb soll die Wandsbeker Bezirksversammlung jetzt dafür sorgen, dass die altehrwürdige, aber erfolglose Taubenvergrämung nicht unter der seit Jahren besudelten Brücke am Hirschgraben ihr nächstes Waterloo erlebt.

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„Stadttauben sind domestizierte Haustiere. Ihnen ist Standorttreue angezüchtet.“ Sollten die Vögel auf der Brücke nun großflächig vergrämt werden, würden sie auf umliegende Dächer und Balkone ausweichen, „was zu noch mehr Bürgerbeschwerden führen wird“, schreiben Gandolfs Taubenfreunde und bieten der Politik einen fachkundigen Gratisvortrag an, der Wege aus Krise und Kostenfalle weisen werde. Immerhin rückt die Stadtreinigung jetzt mehrmals in der Woche für je zwei bis drei Stunden an und reinigt Brücke und Autos.

Tauben-Population reduzieren

Die Empfehlung: „Würde man bei der angesprochenen Brücke einen Taubenschlag bauen, Container oder Bau­wagen hinstellen – genug Platz wäre vorhanden – könnte der Taubenschwarm an den Schlag gebunden und somit ein Ausweichen auf die umliegenden Wohnhäuser vermieden werden“, erklären Gandolfs Freunde. Das wäre in Summe billiger als die dauernde Reinigung.

Ein zweckdienlicher Vorschlag zur Geburtenkontrolle kam gleich hinterher: Durch Eieraustausch im Schlag könnte die Population reduziert werden, hieß es fast ein bisschen herzlos. Auch könne man „den Schwarm bei der Brücke Ritterstraße gleich mit abgreifen“.

Trotz dieser despektierlich klingenden Äußerungen der Taubenfreunde ist ihre Freundschaft zu Gandolf und seinen Kollegen unverbrüchlich. Das zeigen die Ausführungen auf ihrer Internetseite. Die Taube sei von Alters her ein Freund der Menschen, heißt es da. Als wir noch in Höhlen wohnten, waren sie unsere ersten Haustiere. Ihr Turteln stehe für die Liebe, ihre Überpopulation für unsere Schuld. Sollten die Taubenfreunde das gewünschte Rederecht in der Bezirksversammlung erhalten, wird man jede Stecknadel hören, die zu Boden fällt.

( axö )

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