Jenfeld

Marodes Einkaufzentrum: Läden werfen Investor Schikane vor

Unruhe im Einkaufzentrum Berliner Platz (Jenfeld). Blumenhändler Musa Ciplak fühlt sich vom Vermieter bedrängt

Unruhe im Einkaufzentrum Berliner Platz (Jenfeld). Blumenhändler Musa Ciplak fühlt sich vom Vermieter bedrängt

Foto: Andreas Laible

Das EKZ in Jenfeld soll einem Neubau weichen. Doch die kleinen Einzelhändler fühlen sich unter Druck gesetzt. Das sagt die Politik.

Hamburg. Leerstehende Läden, abweisende Fronten und dicke Luft im Einkaufszentrum am Berliner Platz in Jenfeld. Rinnsale, bei heftigeren Regenfällen auch Sturzbäche von Regenwasser, rauschen regelmäßig durch die Geschossdecke des Parkdecks und beträufeln die Autos im Erdgeschoss mit einer gräulichen Substanz. Das Einkaufzentrum ist dem Abriss geweiht und schon seit längerem dem Verfall anheimgegeben. Aber es sitzen noch Mieter drin. Und sie wollen überleben.

„Das Erscheinungsbild des Einkaufszentrums vergrault uns die Kunden“, sagt Himaschu Luthra vom Mobile Store. „Einige Mieter der kleinen Geschäfte fühlen sich schikaniert.“ Seit gut zehn Jahren ist Luthra Mieter, 2014 zog er innerhalb des Zentrums in einen größeren Laden und investierte in die Einrichtung. „Jetzt soll ich gehen, obwohl ich einen Mietvertrag bis 2024 mit Verlängerungsoption habe und vom Vermieter entschädigt werden müsste, wenn der Vertrag vorzeitig aufgelöst werden soll“. Sechs mietfreie Monate habe man ihm angeboten dafür, dass er dann gehe. „Das hieße, dass ich meine Einrichtung noch weiter abzahle, wenn ich den Laden längst aufgegeben habe“, sagt Luthra.

Schikanen und Spitzfindigkeiten

Musa Ciplak vom Blumenladen beklagt „Schikanen“. Aufsteller vor den Läden würden als „Vertragsverletzung“ moniert, die Präsentation seiner Blumen vor dem Laden werde zurückgedrängt, die Belüftung des nicht klimatisierten Zentrums sabotiert. „Ich habe immer wieder angerufen beim Verwalter und darum gebeten, dass die Fenster geöffnet werden. Sie machen es einfach nicht“, sagt Ciplak. Der Vermieter würde die Kunden vergraulen und die Einzelhändler mit juristischen Spitzfindigkeiten überziehen, um sie zur Aufgabe zu zwingen. So sollen die langfristigen Mietverträge billig aufgelöst werden.

Die Matrix Immmobilien GmbH, nach diversen Verkäufen des Zentrums in den letzten Jahren jetzt Eigentümerin, bestreitet die Vorwürfe. „Nichts davon ist auch nur im Ansatz gerechtfertigt“, sagt Geschäftsführer Martin Schaer. „Zu aktuellen juristischen Auseinandersetzungen äußere ich mich nicht, aber die Angriffe sind an der Grenze zur Verleumdung.“

Neubau integriert 140 Wohnungen

Die Matrix GmbH will bauen. Vorplanungen laufen. Das derzeit noch ein- bis zweigeschossige Zentrum soll insgesamt sieben Gebäuden mit zumeist vier, einmal fünf und einmal acht Geschossen weichen. Im Erdgeschoss ist Einzelhandel geplant, darüber 140 Wohnungen, die Autos sollen in einer Tiefgarage verschwinden. Doch es gibt keine Baugenehmigung und noch nicht einmal einen Bebauungsplan. Bis zu Genehmigungsreife des Plans vergehen für Matrix im günstigsten Fall noch rund zwei Jahre.

„Wir verstehen deshalb die Eile nicht, mit der das Zentrum geleert wird“, hieß es aus der Wandsbeker Kommunalpolitik unisono von SPD, Grünen und CDU. Auch wenn vielleicht nicht alle Klagen gerechtfertigt seien, würden die Beschwerden der Mieter doch „gehäuft auftreten“, was seitens der Politik Gesprächsbedarf verursacht habe. Vor allem die CDU drohte im Wandsbeker Planungsausschuss unverhohlen damit, das Bebauungsplanverfahren zu vertagen, wenn mit den Mietern keine tragbaren Überbrückungslösungen gefunden werden sollten.

Politik stellt Bedingungen

Wegen der Mieterbeschwerden haben Vertreter der rot-grüne Koalition in Wandsbek mittlerweile ein Krisengespräch mit der Geschäftsführung von Matrix geführt. Das lässt die kleinen Mieter jetzt hoffen. „Wir haben gewisse Erwartungshaltungen formuliert, um zueinander kommen zu können“, sagte der Grünen-Fraktionschef Oliver Schweim. „Es wird keinen Aufstellungsbeschluss geben, wenn es keine tragbaren Konzepte für die Auflösung der Mietverträge gibt.“ Man müsse sich alles genau ansehen und werde im Zweifel auch Einzelfälle prüfen.

Laut Luthra stehen die meisten der zwölf kleineren Läden bereits leer, für die größeren wie Aldi, Kik, Sky und Rossmann seien Lösungen gefunden worden. Sie würden größtenteils wieder kommen, wenn das neue Zentrum steht. Nach derzeitigem Stand der Vorplanungen werden Rewe und Lidl an der Schöneberger Straße bleiben und während der Bauzeit die Nahversorgung sicherstellen.