Private Initiative

Bürger bauen in Rahlstedt eigene Fußgängerbrücke

Kleiner Fluss, großer Graben: So sah die Holzbrücke über die Wandse in
Rahlstedt aus, die 2012 abgerissen wurde

Kleiner Fluss, großer Graben: So sah die Holzbrücke über die Wandse in Rahlstedt aus, die 2012 abgerissen wurde

Foto: Hubert Bätz

Politik ist Ersatz des Übergangs in Rahlstedt zu teuer – und sorgt sich um Risiken. Die Planung der Brücke ist fertig.

Hamburg.  Vier Jahre fehlt die Fußgängerbrücke nun schon. Ihre Auflager waren im Wasser der Wandse vermodert. Die Wandsbeker Bezirksverwaltung fackelte nicht lange und ließ den hölzernen Überweg zum Portal der Ortsdienststelle Rahlstedt 2012 abreißen. Keine Brücke, keine Kosten, lautete die Begründung. Die Politik staunte über so viel Tatkraft, die Bürger schäumten. Seitdem betreten die Rahlstedter ihr Amt durch den Hinter­eingang und laufen dafür über das Grundstück des Altrahlstedter Männerturnvereins (AMTV).

Der Haupteingang der Dienststelle nämlich liegt straßenabgewandt und zeigt zur Wandse. Der Weg ins Amt führte einst über die Brücke. Der mit dem Abriss entstandene Umweg, so befand das Amt, sei jedoch zumutbar.

Jetzt haben die Rahlstedter unter Führung des Familienunternehmers und Baustoffhändlers Karl-Heinz Böttger einen Weg gefunden, die Brücke weitgehend in Eigenregie wiedererstehen zu lassen. Die Planung ist fertig, die Statik liegt vor, die Baugenehmigung auch. Selbst die „wasserrechtliche Genehmigung“ wurde beigebracht.

65.000 Euro soll die Brücke kosten. Rein rechnerisch. 10.000 Euro davon, dazu hat sich der Bürgerverein verpflichtet, werden durch Bürgerspenden erbracht, und etwa 18.000 Euro beträgt der Wert der Arbeitsleistung, die die Schreinerei SchreiberDach ehrenamtlich für die Brücke erbringen will. Auch Böttger hat schon die eine oder andere Rechnung bezahlt. Aber auch die Stadt soll Geld dazugeben. Offen sind 33.460 Euro, die die Politik aus bezirklichen „Sondermitteln“ bewilligen müsste.

Mitte September soll der Wandsbeker Finanzausschuss Ja sagen, dann die Bezirksversammlung. „Wir sind sehr optimistisch“, sagte Horst Schwarz vom Bürgerverein, „der Ortsausschuss hat schon geschlossen zugestimmt.“

Eigentlich hatte die Bezirksversammlung vor dem Abriss der Brücke schon einmal 60.000 Euro für ihre Sanierung bewilligt, doch das Bezirksamt winkte ab. Es sah sich nicht in der Lage zu klären, welche Dienststelle die Überwachung des Brückenbaus übernehmen könnte. Das Bauwerk „entzieht sich den bestehenden Zuständigkeitsregeln“, schrieben die amtlichen Experten 2014 in ihrem Gutachten.

Weiter teilte das Amt der Kommunalpolitik mit, dass die Sanierung unrealistisch sei, und errechnete Kosten von 159.000 in Stahlbeton bzw. 96.000 Euro für einen hölzernen Neubau. Das sei zu viel. Auch sei der Unterhalt des Bauwerks in den Folgejahren nicht gesichert, und der Pachtvertrag für die Ortsdienststelle laufe 2026 aus. Der Grundstückseigentümer könne dann den Rückbau der Brücke verlangen.

Böttger und der Bürgerverein Rahlstedt wollten sich nicht geschlagen geben und starteten, unterstützt von den Rahlstedter Vereinen, eine private Initiative für den Brückenneubau. Zudem erklärten sie sich bereit, diverse Auf­lagen von Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff (SPD) zu erfüllen: Der Bürgerverein stellt sicher, dass die Verwaltung nicht auf den Unterhaltskosten sitzen bleibt, übernimmt Haftungsrisiken, Winterdienst und im Zweifel den Abriss der Brücke. Das alles soll einem Vertrag gerichtsfest niedergelegt werden, damit der Bürger sich nicht mehr aus der Verantwortung für seine Ideen und sein Tun stehlen kann. Der Vermieter hat dem Abendblatt bereits 2014 erklärt, dass die Brücke stehen bleiben darf.