Flüchtlinge in Hamburg

Zeltunterkunft am Ohlstedter Platz wird aufgelöst

Die Flüchtlingsunterkunft in Ohlstedt
besteht aus rund 50 Zelten

Die Flüchtlingsunterkunft in Ohlstedt besteht aus rund 50 Zelten

Foto: Michael Arning / HA

Momentan leben in der Zeltunterkunft im Herzen von Ohlstedt noch 51 Männer. Sie sollen bis Ende August in Folgeunterkünfte ziehen.

Ohlstedt.  Die Erstaufnahme am Ohlstedter Platz, in der ab Anfang August 2015 bis zu 400 Flüchtlinge Platz fanden, soll bis zum Ende des Monats geräumt und dann zurückgebaut werden. Das teilte am Mittwoch der Zentrale Koordinierungsstab Flüchtlinge mit.

Momentan leben in der Zeltunterkunft im Herzen von Ohlstedt noch 51 Männer. Familien mit Frauen und Kindern waren schon vorher in Folgeunterkünfte verlegt worden. Unmittelbar nach dem Auszug der letzten Bewohner soll am 1. September mit dem Abbau der 50 Zelte begonnen werden. Zusätzlich werden insgesamt rund 30 Sanitär-, Arzt-, Lager und Verwaltungscontainer sowie Wasser-, Abwasser- und Elektroleitungen zurückgebaut. Danach wird die ehemalige Grünfläche instand gesetzt und zum 31. Oktober an den Stadtteil zurückgegeben.

„Wir sind froh, dass wir nicht länger auf diese Unterkunft angewiesen sind. Es war eine Notlösung, die nicht unseren Qualitätsstandards entsprach“, sagt Susanne Schwendtke, Sprecherin des Camp-Betreibers „Fördern & Wohnen“.

Mit der Schließung der Zelt­unterkunft geht eine Ära zu Ende, die im wohlhabenden und beschaulichen Walddörfer-Stadtteil für ziemlichen Wirbel gesorgt hatte. Noch während die Bundeswehr die Zelte aufbaute, hatte sich eine Hilfsinitiative gegründet, der schnell 140 Menschen angehörten. Die Ehrenamtlichen von „Ohlstedt hilft“ organisierten Kleiderkammer und Kinderbetreuung, boten täglich Deutschkurse an, dazu Sport- und Freizeitaktivitäten sowie eine Kochgruppe für Schwangere. Bei Bedarf besorgten sie Friseure und Hebammen, außerdem gewannen sie Kirche und Sportverein als Kooperationspartner: In den Räumen der Matthias-Claudius-Kirche fand regelmäßig ein Welcome-Café für Flüchtlinge und Einheimische statt, auf den Plätzen und in der Halle des TSV Duwo 08 das Fußballtraining.

Doch die Flüchtlingsunterbringung zog im Stadtteil auch negative Strömungen nach sich. Sie gingen überwiegend von einer Internetplattform aus, auf der Gerüchte, Verschwörungstheorien und anonyme Anfeindungen verbreitet wurden. Im Fokus standen nie die Flüchtlinge, aber „Ohlstedt hilft“, der Bürgerverein Wohldorf-Ohlstedt, einige Politiker sowie der ehemalige Schulleiter.

Durch den Rückgang der Camp-Bewohner hat sich „Ohlstedt hilft“ bereits umstrukturiert. So wurde die Kleiderkammer mittlerweile aufgelöst.