Wellingsbüttel

Irena-Sendler-Schule verzichtet auf Bezahlklo

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Friederike Ulrich
Muss manche Sauerei wegmachen: eine „Klodame“ in Aktion

Muss manche Sauerei wegmachen: eine „Klodame“ in Aktion

Foto: picture alliance

Nach Veto der Schulbehörde nimmt Direktorium wieder Abstand von Idee. CDU fordert Konzept gegen Vandalismus und Verschmutzung.

Hamburg.  Die Irena-Sendler-Schule in Wellingsbüttel wird kein Bezahlklo als Zusatzangebot zu den oft verschmutzten oder zerstörten Schul­toiletten anbieten. Das gab Schulleiter Matthias Greite am Dienstag auf der Schul-Homepage bekannt. „Die Schulbehörde bittet uns eindeutig, von diesem Vorhaben Abstand zu nehmen. Dieser Bitte komme ich nach“, so Greite.

Wie berichtet, hat die Stadtteilschule mit 1100 Schülern ein Problem mit Vandalismus während der Unterrichtsstunden auf den Toiletten. Die Schulkonferenz entwickelte daher die Idee einer Extra-Toilette, deren Nutzung 10 Cent kosten soll. Sie sollte explizit den Schülern zur Verfügung stehen, die aus Ekel vor verstopften Toiletten, Urinlachen auf dem Boden und zerstörten Klobrillen den Gang zum Klo vermeiden wollen und daher auch stundenlang aufs Trinken verzichten. Für ihre Idee hatte die Schule öffentliche und medienwirksam Schelte der Linken bekommen. Schulleiter Greite sieht darin eine Chance.

„Gerade jetzt bietet sich die Möglichkeit, in den Klassen, aber auch zu Hause über diese Thematik zu sprechen. Es darf nicht sein, dass eine kleine Schülergruppe unsere Toiletten derart missbraucht, dass sich der größte Teil unserer Schüler kaum bis gar nicht traut, auf die Toiletten zu gehen“, sagt der Schulleiter.

Schule hat zusätzliche zweite Reinigung beantragt

Ebenso wie mehrere andere Hamburger Schulen hat die Irena-Sendler-Schule mittlerweile bei der Schulbehörde eine zusätzliche zweite Reinigung beantragt. Seit Einführung des Ganztagsbetriebes werden 102 Schulen zweimal am Tag gereinigt. „Das ist nur ein kleiner Teil der Ganztagsschulen und reicht nicht aus“, sagt Karin Prien, schulpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion. Tatsächlich haben nach Angaben der Schulbehörde mittlerweile alle 195 Grundschulen, 58 Stadtteilschulen, 60 Gymnasien sowie 26 Sonderschulen und Regionalen Bildungs- und Beratungszentren Ganztagsangebote.

Die Schulbehörde müsse Maßnahmen ergreifen, um für eine ausreichende Reinigung der sanitären Anlagen an unseren Schulen zu sorgen, so Karin Prien. „Zustände, die die Gesundheit unserer Kinder gefährden, dürfen nicht geduldet werden. Wenn es an manchen Schulen nicht ausreicht, diese ein- bis zweimal täglich zu putzen, muss das eben öfter geschehen.“ In akuten Krisenfällen müssten die Schulen zusätzliche Reinigungen organisieren. Für die Finanzierung könnten sie auf die Mittel zurückgreifen, die ihnen im Rahmen der Selbstverwaltung zur Verfügung stehen. „Mittelfristig aber muss die Schulbehörde dafür sorgen, dass Eltern, Lehrer, Schüler und Schulleitungen ein gemeinsames Konzept gegen Vandalismus und extreme Verschmutzung an den Schultoiletten erstellen.“

Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde, nimmt eher Eltern und Schulen in die Pflicht: „Es geht hier offenbar nur sekundär darum, wie oft die Toiletten gereinigt werden, sondern um eine Art Toiletten-Vandalismus in der Schule.“ Bei diesem Thema hätten Eltern und Schule einen gemeinsamen Erziehungsauftrag. Wenn sie, wie jüngst in der Irena-Sendler-Schule, gemeinsam nach akzeptablen Lösungen suchen würden, werde das begrüßt.

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