Marienthal

Erstes Wohnheim für Azubis in Hamburg

Alles da, was man braucht: Wolfgang Nacken (l.) und Patrick Fronczek im 15 Quadratmeter großen Zimmer

Alles da, was man braucht: Wolfgang Nacken (l.) und Patrick Fronczek im 15 Quadratmeter großen Zimmer

Foto: Klaus Bodig / HA

Günstige Wohnungen für junge Leute ab Juni in Marienthal. Auch Minderjährige können einziehen. Bis 2022 sind 1000 Plätze geplant.

Hamburg.  Es ist das erste Auszubildendenwohnheim in Hamburg, in das auch Minderjährige einziehen können, und eröffnet im Juni an der Hammer Straße: Die „Zeit“-Stiftung hat rund 15,6 Millionen Euro in den Neubau investiert. Betreiber ist das Azubiwerk. Die Nachfrage ist enorm: 600 Interessenten bewerben sich um einen der 156 Plätze.

Ein möbliertes, 15 Quadratmeter großes Zimmer gibt es für 350 Euro warm im Monat inklusive freien WLAN, eines 24 Stunden besetzten Empfangs und pädagogischer Betreuung. „Wir können Plätze für Minderjährige zur Verfügung stellen, weil die Jugendlichen rund um die Uhr einen Ansprechpartner im Haus haben. Das ist ein Novum in Hamburg“, sagt Geschäftsführer Patrick Fronczek.

In der Hansestadt gibt es aktuell mehr als 39.000 Auszubildende. Davon haben fast 10.000 ihren Wohnsitz außerhalb von Hamburg und pendeln jeden Tag zu ihrem Arbeitsplatz.

20 Arbeitsplätze entstehen an der Hammer Straße

Die Stadt und die Handelskammer beteiligen sich jeweils mit einer Million Euro an den Kosten für die pädagogische Betreuung im Azubiwohnheim. 20 Arbeitsplätze entstehen in der Einrichtung an der Hammer Straße. „Unser Konzept ist es, dass wir uns um die Bewohner kümmern und wir ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte haben, wenn es zum Beispiel Probleme bei der Ausbildung gibt“, sagt Wolfgang Nacken, der die pädagogische Leitung übernommen hat. Außerdem gebe es eine Zusammenarbeit mit städtischen Beratungsstellen, an die die jungen Menschen bei Bedarf vermittelt würden, so Nacken weiter.

Die Sozialbehörde begrüßt das neue Angebot. Damit werde eine Bedarfslücke geschlossen. Minderjährigen von außerhalb bekämen eine Chance geboten, eine Ausbildung in Hamburg zu machen und gleichzeitig auch hier zu leben, sagte Sprecher Marcel Schweitzer. Das erste Azubiwohnheim sei für Hamburg ein großer Gewinn. Die große Nachfrage lasse darauf schließen, dass es einen Bedarf für weitere Wohnheimplätze gibt. Damit werde man sich zeitnah beschäftigen, sagt SPD-Wirtschaftsexperte Hans-Jörg Schmidt. Auch CDU-Wirtschaftsexperte David Erkalp sieht Bedarf: „Die Hamburger Unternehmen brauchen Auszubildende, weil die jungen Leute unsere Zukunft sind. Wichtig ist, das für diese Zielgruppe bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht.“ Deshalb sei es ein erster wichtiger Schritt, dass nun ein Azubiwohnheim eröffne.

Das Angebot richtet sich nicht an Auszubildende, die aus Hamburg stammen

Da es deutlich mehr Anfragen gibt als Plätze, muss Azubiwerk nun eine Auswahl treffen. „Wir bevorzugen minderjährige Azubis bei der Vergabe der Plätze. Außerdem wird berücksichtigt, wie weit der Heimatort von Hamburg entfernt liegt“, so Fronczek. Das Angebot richte sich nicht an Auszubildende, die aus Hamburg stammen, so Fron­czek, die Altersgrenze liege bei 26 Jahren. Bislang wurden 86 Mietverträge unterschrieben.

Sogar aus dem Ausland gibt es zahlreiche Interessenten: „Wir haben bereits Mietverträge mit Auszubildenden aus zwölf Ländern abgeschlossen, darunter Spanien und Norwegen“, sagt Fronczek.

Das Abendblatt hat einen ersten Blick in das Azubiwohnheim geworfen: Die Zimmer sind mit hellen Holzmöbeln ausgestattet. Zur Einrichtung gehören ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch samt Bürostuhl und ein Rollcontainer sowie ein Regal. Die Zimmer sind zwischen 14 und 19 Qua­drat­meter groß.

Die Preise variieren je nach Größe. Die Auszubildenden können wählen, ob sie zu zweit, zu dritt oder viert in den abgeschlossenen Wohnungen zusammenleben wollen. Zu jeder Einheit gehören eine gemeinsame Küche und ein Badezimmer sowie für jeden ein eigener ein Quadratmeter großer Abstellraum.

Lounge mit Videoleinwand und eine Bar sind geplant

Es stehen auch vier Einzelappartements zur Verfügung. Die haben einen eigenen Balkon und sind bis zu 28 Quadratmeter groß. Dafür werden 393 Euro warm aufgerufen.

Im Erdgeschoss sind eine Lounge mit Videoleinwand und eine Bar geplant: „Das soll ein Treffpunkt für die Bewohner werden, damit sie auch Zeit gemeinsam verbringen können. Hier werden wir auch Freizeitangebote machen.“ Darüber hinaus steht den Auszubildenden die Dachterrasse in der sechsten Etage mit Blick über Hamburg steht zur Verfügung.

Das Azubiwerk hat große Pläne: Ein zweites Haus mit 190 Plätzen wird am Helmsweg in Harburg entstehen. Der Baubeginn ist für 2017 geplant und die Fertigstellung 2018: „Wir wollen bis 2022 in Hamburg an sechs Standorten insgesamt 1000 Plätze schaffen.“ Es werden zurzeit mehrere Optionen geprüft, nach Abendblatt-Informationen ist unter anderen eine Fläche am Berliner Tor im Gespräch: „Die Azubiwohnheime sollen über die gesamte Stadt verteilt werden“, kündigt Fronczek an.