Bezirk Wandsbek

Neuer Wirtschaftsclub soll Rahlstedts Niedergang aufhalten

Der Helmut-Steidl-Platz in Rahlstedt

Der Helmut-Steidl-Platz in Rahlstedt

Foto: Andreas Laible

CDU-Abgeordneter Klimke und Wirtschaftsfachmann Fahrenkrug präsentieren Ideen-Sammlung für den Hamburger Stadtteil.

Hamburg.  Rahlstedt lebt von der Substanz. Wenn Hamburg laut Alt-Kanzler Helmut Schmidt eine „schlafende Schöne“ ist, dann ist Rahlstedt eine tiefschlafende Schöne. Der Ausspruch „Das haben wir immer so gemacht“ sei in den letzten Jahrzehnten prägend geworden für den Stadtteil, obwohl er „die sechs teuersten Worte für ein Unternehmen“ aneinanderreihe, sagten der Wirtschaftsexperte Jochen Fahrenkrug und der CDU-Bundesstagsabgeordnete Jürgen Klimke. Auf ihre Initiative waren knapp 50 Wirtschaftstreibende in der „Parkresidenz Rahlstedt“ zusammen getroffen, um Wege aus der Krise zu finden.

Fahrenkrug bringt 40 Jahre Erfahrung in der Wirtschaftsförderung unter zehn Hamburger Wirtschafssenatoren ein, Klimke arbeitet wirtschaftspolitisch und ist selbst Teilhaber eines Unternehmens. Beide möchten einen „Wirtschaftsclub Rahlstedt“ gründen, der den mit 88.000 Einwohnern und 5300 Unternehmen größten Hamburger Stadtteil als Standort einheitlich darstellt und bewirbt.

Er soll Unternehmen und Arbeitskräfte anlocken, die schönen Seiten des Stadtteils herausstellen, Kooperationen mit der Helmut-Schmidt-Universität in Jenfeld anstoßen, Schulen und Betriebe zusammenbringen, eine Datenbank der Betriebe und Branchen anlegen, einen konkurrenzfähigen Internet-Auftritt auf die Beine stellen, das Ortszentrum vor der Verödung retten. Die Liste der Tätigkeitsfelder war lang, und immer wieder fiel das Wort „Vernetzung“.

Klimke sprach zusammenfassend von „vielen Hochzeiten, auf denen wir tanzen müssen.“ Dazu gehört nach Meinung vieler Teilnehmer auch die Wiederherstellung eines Heimatgefühls, das angesichts des fehlenden kulturellen Lebens und der abendlichen Öde im Ortskern eine sterbende Pflanze sei. Harte Worte fand ein in Rahlstedt wohnender Braaker Unternehmer. Er bescheinigte dem Stadtteil, dass die Talsohle noch lange nicht erreicht und der Standort im Vergleich zum Umland zu träge, zu teuer und zu sehr auf sich selbst bezogen sei.

Die Konkurrenz hörte mit. Aus Ahrensburg war die stellvertretende Bürgermeisterin Carola Behr gekommen, aus Norderstedt eine Stadtverordnete. Beide Gemeinden siedeln erfolgreich Unternehmen an. Wandsbeks Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff (SPD) verwies denn auch auf den strukturellen Wettbewerbsnachteil eines Stadtbezirks gegenüber dem Umland. „Die Gemeinden können eigenes Geld ausgeben, wir müssen immer Senat und Fachbehörde fragen.“ Die harsche Kritik an seinem Beauftragten für Wirtschaftsförderung, der „nicht einmal die Zahl der Rahlstedter Unternehmen weiß“, ließ er stehen.

Vielleicht ein Grund mehr für die Rahlstedter, nicht auf Amtshilfe zu warten und selbst aktiv zu werden. Interessierte können sich per Mail bei juergen.klimke.wk@bundestag.de oder jochen.fahrenkrug@alice-dsl.de melden.