Poppenbüttel

Todesfahrer gefasst – warum lag Kathrin D. auf der Straße?

Trauernde hatten für die verstorbene Kathrin D. Blumen und Kerzen an der Unfallstelle auf der Poppenbüttler Hauptstraße niedergelegt

Trauernde hatten für die verstorbene Kathrin D. Blumen und Kerzen an der Unfallstelle auf der Poppenbüttler Hauptstraße niedergelegt

Foto: Michael Arning / HA

Ein 81 Jahre alter Taxifahrer soll die 21 Jahre alte Kathrin D. so schwer verletzt haben, dass sie starb. Fahrgäste riefen die Polizei.

Poppenbüttel.  Der Tod der 21 Jahre alten Kathrin D., die in den frühen Morgenstunden des 1. November bei einem Verkehrsunfall mit Fahrerflucht starb, ist offenbar aufgeklärt. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, wurde jetzt ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen einen 81 Jahre alten Taxifahrer eingeleitet. Der Mann soll die auf der Straße liegende Kathrin D. angefahren und ihr dabei Verletzungen zugefügt haben, die zum Tod führten.

Nach einem Besuch in der Kneipe Poppy an der Harksheider Straße war die junge Frau am Morgen des Unfalls auf dem Weg nach Hause. Nur wenige Schritte entfernt von ihrem Elternhaus, in dem die 21-Jährige bei ihrer Familie wohnte, ereignete sich das Unglück.

Seit Wochen hatte die Polizei nach einem vermeintlich flüchtigen Unfallfahrer gesucht. Nun stellt sich die Geschichte anders dar: Die drei Fahrgäste des 81-Jährigen hatten die aus ungeklärter Ursache auf der Poppenbüttler Hauptstraße liegende Kathrin D. bemerkt. Als der 81-Jährige den Wagen daraufhin stoppte, bremste er offenbar nicht rechtzeitig genug und fuhr auf Höhe der Hausnummer 41 gegen die dort liegende junge Frau, überrollte sie aber nicht. Dennoch erlitt Kathrin D. nach Angaben der Polizei erst dabei die schweren Verletzungen, denen sie später im Krankenhaus erlag. Die Fahrgäste des Taxis riefen dann Rettungsdienst und Polizei.

Warum lag die Kathrin D. auf der Straße?

Warum erst jetzt klar wurde, dass der Taxifahrer selbst für die tödlichen Verletzungen verantwortlich sein soll, ist noch offen. Auch, ob die Fahrgäste nicht bemerkt hatten, dass der Wagen mit der Frau kollidierte, muss noch geklärt werden. Den bisher bekannten Ablauf des Geschehens brachten jetzt die Ergebnisse der rechtsmedizinischen und der kriminaltechnischen Untersuchung an dem Taxi ans Licht.

Christian und Heike D., die Eltern von Kathrin, hatten sich kurz nach dem Tod ihrer Tochter an das Abendblatt gewandt – mit einem an den damals unbekannten Todesfahrer gerichteten Appell, dass er sich der Polizei stellen solle. Dass nun der Taxifahrer selbst für die tödlichen Verletzungen verantwortlich sein soll, bringt für die Eltern noch nicht die erhoffte Erleichterung. „Es gibt immer noch viele ungeklärte Fragen“, sagte Christian D., der am Donnerstagabend von der Nachricht überrascht wurde, dem Abendblatt. Er wolle vor allem wissen, wie es überhaupt dazu gekommen sei, dass seine Tochter auf der Straße lag. Rechtsanwalt Dirk Meinicke, der die Eltern des Opfers vertritt, bekräftigt das. „Es gibt einen offenen Zeitraum von etwa zehn bis 15 Minuten“, sagt Meinicke. „Wir haben bisher noch keine Akteneinsicht bekommen und warten auch noch auf das Ergebnis von Gutachten.“

Organe versagten nach Kontakt mit Taxi

Der Verkehrsunfalldienst hatte in den vergangenen Wochen Spuren am Unfallort gesichert und Zeugen befragt. Zu den Ermittlungen wurden Gutachter hinzugezogen. Nach Angaben der Polizei habe es direkt nach dem Unfall zunächst keine konkreten Hinweise auf einen Kontakt zwischen Taxi und Opfer gegeben. „Wir haben trotzdem auch in diese Richtung gedacht“, sagt Polizeisprecher Holger Vehren. Das Opfer habe Verletzungen am Oberkörper gehabt, die von dem vorderern linken Kotflügel des Autos ausgelöst worden seien. „Der Kontakt mit dem Taxi hat zu einem Versagen von Organen im Oberkörper geführt“, sagt Vehren. Dass Kathrin D. keine Verletzungen im Bereich des Unterkörpers gehabt habe, sei ein Zeichen dafür, dass sie nicht von einem Fahrzeug überrollt wurde.

Geklärt werden muss nun auch, ob der 81-Jährige selbst nicht bemerkt hatte, dass er Kathrin D. anfuhr beziehungsweise, warum er sich sonst bis heute nicht zu erkennen gegeben hatte. Ein Taxischein muss alle fünf Jahre erneuert werden. Vom 55. Lebensjahr an erhalten Taxifahrer die Verlängerung ihres Scheins nur, wenn sie zu der normalen Prüfung einen zusätzlichen Reaktionstest bestehen.

Auch wenn er selbst sich noch weitere Erkenntnisse aus den Ermittlungen erhofft, um den Tod seiner Tochter verstehen zu können, ist Christian D. jetzt schon dankbar für die Unterstützung, die die Familie in den vergangenen Wochen erhalten hat. Nachbarn hatten die Familie in den Tagen nach Kathrins Tod mit Essen versorgt. Die Freunde der jungen Frau, die sich wie ihr Vater in der freiwilligen Feuerwehr Poppenbüttel engagiert hatte. gründeten eine Gruppe bei Facebook. An der Unfallstelle legten Menschen kurze Zeit nach dem Unfall Blumen und Kerzen für das Opfer nieder. „Die enorme Hilfsbereitschaft von Bekannten und auch ganz fremden Menschen aus Poppenbüttel und aus den angrenzenden Stadtteilen ist für uns überwältigend“, sagt Christian D., dessen Familie auch viele Briefe bekommen hatte, deren Absender ihr Beileid bekundeten.