Berne

Schule Lienaustraße schließt – SPD schreibt Brandbrief

Berner Siedler und Kinder der Schule Lienaustraße nach der Einschulung im Sommer

Berner Siedler und Kinder der Schule Lienaustraße nach der Einschulung im Sommer

Foto: Michael Rauhe / HA

Im Sommer 2016 sollen die ABC-Schützen nach Bramfeld wechseln. Eltern wütend, Berner SPD-Chefin beschwert sich beim Bürgermeister.

Farmsen-Berne.  Die denkmalgeschützte Grundschule Lienaustraße in der Berner Siedlung schließt zum Ende des Schuljahres. Das teilte die Schulbehörde heute mit. Ein Brandbrief der Berner SPD-Distriktvorsitzenden an Bürgermeister Olaf Scholz konnte das ebenso wenig verhindern wie der Protest der Eltern und eine einvernehmliche Bitte der Bezirksversammlung Wandsbek. Die Lienaustraßen-Schüler sollen im Sommer 2016 zum Hauptstandort der Schule Karlshöhe an der Thomas-Mann-Straße wechseln.

„Mit zunehmendem Entsetzen verfolgen wir das glücklose Agieren von Senat und Schulbehörde um den einzigen staatlichen Schulstandort in Berne“, schreibt die Berner SPD-Distriktvorsitzende Monika Hauto an ihren Parteichef Olaf Scholz. „Haben wir den CDU-Senatoren früher vorgeworfen, sie seien nicht in der Lage, sich über den Tellerrand ihrer Fachbehörde hinaus zu orientieren, so müssen wir leider feststellen, dass der Senat zumindest in Fragen der Schulpolitik nicht viel besser geworden ist.“

Es sei den Menschen in der Berner Siedlung nicht zu vermitteln, dass der Senat einerseits eine private Siedlung mit mehr als 500 Doppelhaushälften unter Denkmalschutz stelle und erhalten wissen wolle, andererseits aber sein eigenes, denkmalgeschütztes Schulgebäude „systematisch verkommen“ lasse und sich „jetzt, wo der Investitionsstau nicht mehr zu ignorieren“ sei, aus der Verantwortung stehle.

Hautos Kritik fiel noch schärfer aus als Äußerungen der CDU-Schulexpertin Karin Prien im Vorfeld der Schließung während der letzten Wochen. Beide warfen der Behörde auch vor, den Standort heruntergeredet und gezielt anmeldewillige Eltern abgeschreckt zu haben.

Die Elterninitiative äußerte sich wütend und enttäuscht: „Es ist eine Katastrophe“, sagt Vater Niels Schulze, dessen Sohn Anton in die erste Klasse geht. „Das Prinzip „kurze Beine, kurze Wege“ wird mit Füßen getreten nur, weil der Senat nicht zu seinen Fehlern steht und den selbst verursachten Sanierungsstau nicht beseitigt.“

Das Hamburgische Denkmalschutzgesetz verpflichtet die öffentliche Hand, mit ihren eigenen Denkmälern noch sorgfältiger umzugehen als es Privatleuten auferlegt wird. Wegen der Vorbildfunktion der Stadt.

Laut Behörde kostet die Herrichtung des um 1930 von Oberbaudirektor Fritz Schuhmacher für die Berner Siedlung errichteten Klinkergebäudes rund 4,2 Millionen Euro. Das Haus ist wegen der unterlassenen Unterhaltung noch weitgehend im Originalzustand. Der Unterricht findet deshalb behelfsmäßig in Pavillons statt. Die Schulbehörde will das Gebäude „abmieten“ und an den Landesbetrieb Immobilien und Grundvermögen (LIG) zurückgeben. Die Stadt erwägt, eine Flüchtlingsunterkunft daraus zu machen und es gegebenenfalls später wieder als Schule zu nutzen, wenn der demographische Wandel in der überalterten Siedlung Berne vollzogen ist.

Schulbehördensprecher Peter Albrecht sprach von zu geringen Schülerzahlen in Berne und leer stehenden Räumen sowohl in Berne als auch an der Thomas-Mann-Straße. „Da macht die Zusammenlegung Sinn.“ Der durchschittliche Schulweg wachse um 700 Meter auf dann 1700 Meter, was „immer noch eine vernünftige Länge“ sei. Für einzelne Eltern würden „Transportmöglichkeiten geprüft“ werden.

Die örtliche SPD-Vorsitzende Hauto verwies dagegen auf „schon aufgrund der Flüchtlingsproblematik wachsende Schülerzahlen“ und den „hoffnungslos veralteten Schulentwicklungsplan, welchen die Behörde stumpf umsetzt“ und der „bekanntermaßen extrem ungenau in der Bewertung von Neubau- und Verdichtungspotentialen im Umfeld der Schulen“ sei. So berücksichtige er weder das Neubauvorhaben am Berner Heerweg (130 Wohnungen), noch die Nachverdichtungen am Birckholtzweg und an der Straße Beim Farenland.

Hauto wies auch auf das „Verdichtungspotential“ hin, das das Bezirksamt auf Siedlungsgelände „an der Walddörfer Bahn“ ausgemacht habe. Die an der Linie U1 zum Teil schon leerstehenden Häuser der Genossenschaft „Gartenstadt Hamburg e.G.“, sind hoch umstritten, die Genossenschaft selbst hat bisher stets behauptet, keine Nachverdichtungspläne zu haben.

Hauto warf der Behörde vor, die benachbarten Schulstandorte am Hasenweg und um die August-Krogmannstraße herum „mutwillig“ zu überlasten, nur um die 4,2 Millionen Euro nicht aufbringen zu müssen. Derzeit wird erwogen, wegen der hohen Flüchtlingszahlen hamburgweit die Schülerzahl in Grundschulklassen von derzeit 23 auf 25 anzuheben.

Die Wandsbeker Grünen wiesen darauf hin, dass die Berner ihre Kinder zur Schule Hasenweg schicken würden, wenn die Lienaustraße schließe, das hätten die letzten Anmelderunden gezeigt.

Hauto bemängelte auch, dass mit dem TuS Berne, der wegen der dann fehlenden Sporthalle Lienaustraße unter Schulschließung massiv leiden würde, noch nicht einmal gesprochen worden sei. Sie schließt ihr Schreiben mit einem Appell: „Lieber Olaf, wir bitten Dich, Schnellschüsse zu vermeiden und dem Schulstandort Lienaustraße eine echte Chance einzuräumen.“