Wandsbek

Streit um das Flüchtlingsheim auf früherer Mülldeponie

In Oldenfelde sollen für minderjährige unbegleitete Flüchlinge drei Häuser auf einer ehemaligen Hausmülldeponie gebaut werden

In Oldenfelde sollen für minderjährige unbegleitete Flüchlinge drei Häuser auf einer ehemaligen Hausmülldeponie gebaut werden

Foto: Felix Kästle / dpa

Im Anhörungsverfahren für den Bezirk Wandsbek fehlt jeder Hinweis auf die giftige Geschichte des Oldenfelder Grundstücks.

Rahlstedt. Die Sozialbehörde und der Landesbetrieb Erziehung und Beratung wollen es nicht gewusst haben. Dass die für 48 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge vorgesehene Fläche an der Stargarder Straße eine Mülldeponie war und möglicherweise kontaminiert ist (Das Abendblatt berichtete), sei der Behörde nicht bekannt gewesen, als sie die Fläche für den Bau der Flüchtlingsunterkunft ausgesucht und den Bezirk Wandsbek um seine Stellungnahme dazu bat.

„Da der Bezirk die Fläche angeboten hat, ging die Sozialbehörde davon aus, dass die Bezirksverwaltung eine Vorprüfung vorgenommen hat und keine Nutzungshindernisse bestehen“, sagte der Sprecher der Sozialbehörde, Marcel Schweitzer.

Hat die Sozialbehörde sich für ein Grundstück entschieden und will es für Flüchtlinge bebauen, muss sie laut Bezirksverwaltungsgesetz den Bezirk dazu hören. Das an Wandsbek verschickte Anhörungsschreiben enthielt jedoch keinerlei Hinweis auf die frühere Mülldeponie. Inzwischen ist eine Bodenuntersuchung in Auftrag gegeben, die insbesondere die Bleibelastung ermitteln soll. 2002 waren gesundheitsgefährdende Werte gemessen worden.

Bei der öffentlichen Informationsveranstaltung hatte es geheißen, man werde den Boden für den Bau der geplanten drei Fertighäuser nicht öffnen müssen. Wie dann Leitungen verlegt werden sollen, blieb unklar.

CDU kritisiert Dilettantismus und schlechte Kommunikation

Wandsbeks CDU-Fraktionschef Eckard Graage bescheinigte Sozialbehörde und Bezirksamt, „vor sich hin zu dilettieren. Die Kommunikation klappt nicht. Aber wenn die Behörde gewusst haben sollte, dass die fragliche Fläche eine frühere Mülldeponie ist und diese Tatsache dennoch nicht in das Anhörungsverfahren aufgenommen hat, wäre das schon merkwürdig.“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Wandsbeker SPD-Fraktion, Marc Buttler wies das zurück. „Dass die Fläche mal eine Deponie war, wussten eigentlich alle. Es ist auch nicht unüblich, ehemalige Deponien zu bebauen“.

Anwohner kritisierten, dass Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff (SPD) nur noch über das Wie, nicht aber über das Ob der neuen Flüchtlingsunterkunft in Oldenfelde sprechen wolle. Mehr Ignoranz gegenüber dem Bürger gehe nicht angesichts der ausstehenden Baugenehmigung und des fehlenden Umweltgutachtens.

Buttler stellte klar, dass die umstrittene Unterkunft an beiden Hürden noch scheitern könne. Ritzenhoff habe nur verdeutlicht, dass die Entscheidungen in der Landesbehörde fallen und der Bezirk sie umsetzen müsse.

Im unmittelbaren Umkreis der geplanten Unterkunft in Oldenfelde liegen zwei Heime mit insgesamt 750 Plätzen an der August-Krogmann-Straße sowie eine weitere Unterkunft für Minderjährige an der Kathenkoppel. Die neu gegründete Bürgerinitiative Oldenfelde hält das für eine Überbelastung des Stadtteils und der Helfer vor Ort. Sie verwies auf das bisher weitgehend flüchtlingsfreie Alstertal.

Dort arbeitet die Sozialbehörde an einer „Machbarkeitsstudie“ für ein Grundstück am Poppenbüttler Berg – und stößt auf erbitterten Widerstand. Der Alstertaler CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Dennis Thering sprach von 170 Wohneinheiten, die auf der Fläche Platz finden könnten, und geißelte eine viel zu späte Information über die geplante „Massenunterkunft“.

„Wie man es macht, macht man es falsch“, sagt SPD-Mann Buttler. „Informiert man zu früh heißt es, man habe kein Konzept, informiert man mit Konzept, heißt es, man sei zu spät und alles sei entschieden.“