Walddörfer

1200 Anwohner unterschreiben gegen Fluglärm

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Juliane Kmieciak

Rund 1200 Menschen aus Duvenstedt und anderen Walddörfern meinen, dass der Fluglärm in den vergangenen Monaten deutlich zugenommen hat.

Hamburg. Rund 1200 Menschen in Duvenstedt und anderen Walddörfern sind sich ganz sicher: Sie sagen, dass der Fluglärm seit September deutlich zugenommen habe. Dabei sind sie Lärm gewöhnt: Seit Jahrzehnten führt etwa die Hälfte aller Landeanflüge über den Nordosten und damit auch über Duvenstedt. Aber in letzter Zeit scheint für die Walddörfer eine Schmerzgrenze überschritten zu sein.

Eine der Anwohner ist Dörte Walberg. Die Duvenstedterin hat eine Initiative gegründet und Unterschriften für die Einstellung von Sichtanflügen gesammelt, die ihrer Meinung nach die Ursache für die Lärmerhöhung sind. Sichtanflüge verlaufen grundsätzlich tiefer und mit ausgefahrener Landeklappe und Fahrgestell. „Die Resonanz bei der Unterschriftenaktion war beeindruckend“, sagt Walberg. „Dadurch wurde deutlich, wie viele Menschen sich durch den erhöhten Fluglärm in der letzten Zeit belästigt fühlen.“

Rund 1200 Menschen setzten ihren Namen auf die Liste. Mit den Unterschriftenzettel wandte sich Walberg an die Flugsicherung und die zuständigen Behörde. Daraufhin wurde ein Treffen einberufen. Teilgenommen haben Mitglieder der Initiative, der Lärmschutzbeauftragte der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) und Vertreter des Hamburger Flughafens.

Bei diesem Treffen wurde schnell klar: Sichtanflüge können nicht die Ursache für den erhöhten Fluglärm sein. Laut Angaben der Flugsicherung nehmen sie konstant nur etwa ein Prozent der Landeanflüge ein.

Nun glauben viele der Anwohner, dass die so genannten verkürzten Anflüge für den Fluglärm verantwortlich sind. Uwe Schacht, Lärmschutzbeautragter der BSU dazu: „Kurzanflüge finden vor allen Dingen statt, wenn viel Verkehr ist. Statt Warteschleifen zu fliegen, werden die Flugzeuge dann hintereinander in tieferer Höhe in der Einflugschneise eingefädelt.“

Dass viele der Unterschreibenden auch aus Gebieten kommen, die zwei Kilometer links und rechts der Einflugschneise wohnen, wundert Schacht nicht. „Diese Menschen hören es natürlich, wenn Flieger zum Kurzanflug tiefer einscheren“, sagt er. Eine genaue Aufschlüsselung der Anzahl dieser Anflüge gebe es zwar nicht. Allerdings gibt er zu bedenken, dass sich die grundsätzliche Zahl der Landungen, die über Duvenstedt gehen, nicht geändert habe. „Seit Jahren liegen sie unverändert bei 2000 bis 4000 im Monat.”

Auch beim Hamburg Airport kann man sich nicht erklären, wie es zu einer erhöhten Lärmbelastung gekommen sein könnte. Sprecherin Stefanie Harder äußerte den Verdacht, dass es sich um eine "subjektiv gefühlte Mehrbelastung" handeln könnte, die durch die Sanierungsarbeiten der Landebahn 23/05 (Langenhorn/Niendorf) zu erklären ist. "Während vier Wochen wurde die Landebahn saniert. In dieser Zeit sind keine Flüge über Duvenstedt gegangen", so Harder. So könne es sein, dass die Anflüge danach im Kontrast dazu als lauter wahrgenommen wurden.

Für Dörte Walberg und ihre Mitstreiter sind die Antworten bisher nicht zufriedenstellend. „Es kann doch nicht sein, dass sich 1200 Menschen aus den Walddörfern einbilden, dass der Lärm zugenommen hat“, sagt sie. Im nächsten Schritt wird die Fluglärmkommission des Regionalausschusses am 14. Dezember zu diesem Thema tagen.

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