Kolumne

Vertrauen ist gut, aber ist Kontrolle immer besser?

Sabine Tesche
Sabine Tesche leitet das Ressort Von Mensch zu Mensch

Sabine Tesche leitet das Ressort Von Mensch zu Mensch

Foto: Andreas Laible

Hat man ein Recht auf Geheimnisse in der Partnerschaft oder darf man mal eben das Handy des anderen ohne Erlaubnis durchsuchen?

Kürzlich habe ich im St. Pauli-Theater die wunderbare Komödie „Das perfekte Geheimnis“ gesehen. Dabei geht es um sieben Freunde, die beim Dinner beschließen, alle hereinkommenden Nachrichten auf ihrem Smartphone vorzulesen. Das birgt viele zunächst lustige, dann zunehmend bedrohliche Verstrickungen, denn Seitensprünge und andere Geheimnisse werden offenbart. Am Ende gibt es dadurch nur Verlierer. Ich kann das Theaterstück (kommt wieder im November) sehr empfehlen.

Die Geschichte mit dem bitteren Nachgeschmack hat mich nachdenklich gemacht. Denn sie wirft auch die Frage auf, ob man ein Recht auf Geheimnisse in der Partnerschaft hat. Ist das Handy des anderen ein Tabu oder darf man im Smartphone auch ohne Erlaubnis mal nachschauen, was der Partner so alles mit anderen über die verschiedenen Kanäle kommuniziert? Ein Freund von mir hat das gerade gemacht – und ist nach intensiver Recherche leider fündig geworden. Im hintersten Eck des Gerätes, das offenbar trotz Papierkorb-Funktion alles speichert, ist er der Affäre seiner Frau mit einem anderen Mann auf die Schliche gekommen. Das ist ein riesiger Vertrauensbruch, die Ehe ist in der Krise, er weiß nicht, ob er ihr jemals wieder vertrauen kann. Vertrauen ist gut, aber ist Kontrolle immer besser?