Rezension

Coole Pionierin im Rettungsdienst

| Lesedauer: 2 Minuten
Heike Wander
Waltraud Mayer (l.) hat mit ihrer Tochter Doris Mayer-Frohn ein Buch über ihre Zeit im Rettungsdienst geschrieben

Waltraud Mayer (l.) hat mit ihrer Tochter Doris Mayer-Frohn ein Buch über ihre Zeit im Rettungsdienst geschrieben

Foto: Janett Meyer Photography

Waltraud Mayer beschreibt in einem Buch ihre Zeit als Sanitäterin, gibt Tipps für Erste Hilfe und wirbt um Respekt für den Berufsstand.

Früher war alles besser, sagen viele – das trifft jedoch nicht auf den Rettungsdienst zu. Als eine der ersten Fahrerinnen eines Rettungswagens half Waltraud Mayer bereits 1969 im Landkreis Lindau und im Allgäu bei Autounfällen, Unglücken und Krankheiten. Über ihre Erlebnisse hat die 78-Jährige zusammen mit ihrer Tochter Doris Mayer-Frohn ein Buch geschrieben: „Eine muss die Erste sein“. Während ihre Team-Kollegen von Anfang an gut mit ihr umgingen, kam empörter Gegenwind von Frauen, die in anderen Bereichen beim Bayrischen Roten Kreuz tätig waren. Doch Mayer, damals 25 Jahre alt, Mutter von drei Kindern, ließ sich nicht schrecken und schaffte auch die früher besonders anstrengende körperliche Arbeit im Rettungsdienst. So mussten Patienten damals noch getragen werden, inzwischen gibt es eine Rolltrage zum Schieben.

Mayer fuhr Krankentransporte im Aus- und Inland, half bei einer Erdbebenkatastrophe in Italien und war mit einem Kollegen als Erste vor Ort, als die Stieftochter eines angesehenen Arztes tot aufgefunden wurde. Dieser Fall entwickelte sich zu einer aufsehenerregenden Kriminalgeschichte, bei der sie schließlich in Frankreich mehrmals als Zeugin aussagen musste.

Gefühle muss Sanitäter im Griff haben

Neben spannenden und unterhaltsamen Geschichten bietet das Buch Informationen über Rettungsdienste und Erste Hilfe. Man lernt, wer wann an Unfallstellen gerufen wird, wie wichtig Autobahnsperrungen und eine Rettungsgasse sind, welche Regeln beim Einsatz gelten, dass unter Schock stehende Menschen ihre Verletzungen teilweise gar nicht wahrnehmen und dass schon immer rücksichtslose Schaulustige die Maßnahmen behinderten.

Ein guter Sanitäter müsse seine Gefühle im Griff behalten, schreibt Mayer, und akzeptieren, dass „für manche Menschen einfach der Zeitpunkt zu sterben gekommen ist“. Besonders schwer fiel ihr das, wenn sie zu Kindernotfällen gerufen wurde. Auch im Kriseninterventionsteam war sie in akuten Lagen eine Stütze für Angehörige und Beteiligte.

Waltraud Mayer bringt den Leser nahe heran an angstbesetzte Situationen, gibt praktische Tipps wie „Prüfen – Rufen – Drücken“ zur schnellen Hilfe und wirbt für mehr Respekt für Sanitäter. Denn ohne Menschen wie sie würden viele nicht mehr leben.

Waltraud Mayer: „Eine muss die Erste sein – Wie ich zur Pionierin im deutschen Rettungsdienst wurde“, Eden Books, 256 S., 16,95 Euro