Rezension

Weiterleben nach einem Schicksalsschlag

| Lesedauer: 2 Minuten
Heike Wander
Buchcover Manchmal sucht sich das Leben harte Wege von Katharina Afflerbach, Goldegg Verlag

Buchcover Manchmal sucht sich das Leben harte Wege von Katharina Afflerbach, Goldegg Verlag

Foto: Goldegg Verlag

Das Buch von Katharina Afflerbach zeigt Wege auf, wie man sich wieder öffnen und den Trauerprozess bewältigen kann.

Katharina Afflerbach weiß, wie es sich anfühlt, einen Schicksalsschlag zu erleiden, denn sie verlor ihren Bruder bei einem Verkehrsunfall. „Manchmal sucht sich das Leben harte Wege“ ist der Titel ihres Buches, in dem sie über ein gutes Dutzend Menschen berichtet, die in ihrem Lebensalltag mit Unfall, Suizid, schwerer Krankheit, Totgeburt oder auch Mord konfrontiert wurden. Afflerbach ist Autorin, Coach und im Sommer Sennerin in den Schweizer Bergen. In ihren Büchern beschäftigt sie sich mit dramatischen Lebensereignissen und deren Bewältigung.

Wer von einem solchen Ereignis betroffen ist, für denjenigen gibt es ein Leben davor und danach: ob Julia, Martin, Nicole, Stephan oder Katharina Afflerbach selbst – sie trauen sich, ihre Erfahrungen und Gefühle mitzuteilen. Afflerbach schreibt die Geschichten so, „wie das Leben ist“, und deshalb hören diese auch nicht einfach mit einem Happy End auf. Sie zeigt, wie Menschen in extremen Situationen reagieren: mit Wut, Selbstschutz, Trauer, Ohnmacht, Funktionieren, Vorwürfen, Angst.

Gerade in schweren Zeiten werde noch immer zu wenig offen miteinander gesprochen, schreibt sie. Und aus schlimmen Ereignissen könnten schließlich – wenn man sich nicht verschließt – sogar neue Stärke und Glück erwachsen. So habe ihre Schwester zwar „Schmerz und Einsamkeit“ kennengelernt, „aber auch gewaltige Dimensionen von Freude und Liebe“. Dazu gehörten „gute Gespräche, enge Freundschaften, echte Gefühle“. Die Schwester selbst sagt: „Sobald ich hinter meiner Fassade hervorgekommen bin, haben die Menschen ihre Herzen geöffnet.“

Fast jeder kennt jemanden, dem etwas Schlimmes zugestoßen ist, in der Familie oder im Freundeskreis. Während für diesen oder eine ganze Familie das Leben plötzlich stillzustehen scheint, machen die Nichtbetroffenen im Umkreis in ihrem Alltag meist einfach weiter wie zuvor. Das ist normal und einerseits auch gut, damit nicht alles um einen Belasteten, Trauernden zusammenbricht. Aber sie brauchen auch Verständnis, Zuwendung und Hilfe. Wieder offen zu werden für ein Weiterleben nach einem Schicksalsschlag, das vermittelt dieses Buch und vielleicht die Hoffnung, nicht ganz unvorbereitet zu sein, wenn im eigenen Umfeld irgendwann einmal etwas Schlimmes geschehen sollte.