Kolumne

Wenn Abiturienten nicht flügge werden

Sabine Tesche
Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Die meisten Freunde meines Sohnes zieht es zur Ausbildung nicht in die Ferne. Zu Hause bleiben ist praktischer – und bequemer

Das Bett ist abgebaut, der Schreibtisch weg, die Bilder haben dunkle Ränder an den Wänden hinterlassen – das Zimmer meines jüngeren Sohnes ist leer und er ist nun an seinem Studienort rund 350 Kilometer entfernt von uns. In den letzten Tagen vor seiner Abreise war er etwas traurig, weil er hier seine Freundin und Freunde hat und in der neuen Stadt noch niemanden kennt. Gleichzeitig ist er erfüllt von Vorfreude auf sein Studienfach, die spannende Stadt und den neuen Lebensabschnitt.

Interessant finde ich, dass er und nur ein weiterer Freund die Einzigen in seinem Freundeskreis sind, die überhaupt in eine andere Stadt zur Ausbildung gehen. Das war bei meinem Großen auch schon so – er war der Einzige unter seinen Kumpels, den es in die Ferne zog. Für manche ist das sicher eine Geldfrage, wobei man in vielen Städten auch mit dem BAföG-Satz plus ein paar Stunden Arbeit gut zurechtkommen kann.

Doch der Wunsch, das Elternhaus so schnell wie möglich zu verlassen, scheint in dieser Generation nicht so ausgeprägt zu sein wie in meiner Jugendzeit. Es ist so einfach praktischer, das verstehe ich, aber selbstständiger wird man dadurch nicht.