Buchrezension

Wie man mit Suppekochen glücklich wird

Lesedauer: 3 Minuten
Heike Wander
Maurice Morell vor seinem Wagen, in dem er auf Sylt vegane Suppen verkauft

Maurice Morell vor seinem Wagen, in dem er auf Sylt vegane Suppen verkauft

Foto: © Heidi Lindemann

In seinem Buch gibt der Sylter Gastronom Maurice Morell Tipps, wie man seinen Lebenstraum verwirklichen kann.

Dort, wo die Freude ist, geht es lang. Das ist das Motto von Maurice Morell. Mit dem Verkauf von „Sylter Suppen“ aus einem Wagen heraus lebt er auf der Nordseeinsel diese Freude. In seinem Buch „Wie ich lernte, meine eigene Suppe zu kochen und damit glücklich wurde“, beschreibt er seine Lebensweise und coacht dabei gleichzeitig die Leser. Er habe das Buch für diejenigen geschrieben, „die es noch mal wissen wollen, das Blatt wenden wollen“, und für die, die ihren Traum vielleicht nicht verwirklichen, aber zumindest ihr Lebensmotiv erkennen möchten – seinen Weg zum Gastro-Gründer erläutert er auch ausführlich. Vom „Sie“ in der Einleitung wechselt er schnell zum „Du“, Themen im Buch sind Mut und Motivation, Bürokratie und Praxis, Tipps und Rezepte.

Beruflich war Morell vielfältig unterwegs: selbstständiger Unternehmer-Berater, angestellt in einer Multimedia-Agentur in Hamburg, wo er auch mal ein Bio-Feinkostgeschäft betrieb, und, und, und. Mit Anfang 60 fragt er sich nun bei Entscheidungen immer, ob diese sein Leben leichter und schöner machen und er sich dabei besser fühlt. Dahin versucht er im Buch seine Leser zu bringen. Vielleicht zunächst, indem sie klein anfangen und sich Gegenstände, Gedanken und Umgebungen verschaffen, die mit ihren Träumen zu tun haben. Auch über Geld und Widerstände schreibt er wie über Zweifel und unverhoffte Wendungen.

Gestresste Gäste mit Festlandsenergie

Der „Küchenpsychologe“ erlebt bei Kunden Ängste, Wut, Frust, Trauer und Provokationen. Durch die aufkommenden eigenen Gefühle lerne er dabei, wie Erfahrungen aus Kindheitstagen auch bei ihm noch immer wirkten. Das macht den Umgang mit anderen leichter, da er ihnen ebenfalls wunde Punkte zugesteht. Besonders in der Hochsaison würden gestresste Gäste „am liebsten in drei Tagen mal richtig runterkommen“, schreibt er. Doch das bekämen sie kaum hin. „Festlandsenergie“ nennt Morell das. Eine Kundin habe daraufhin zu ihrem Begleiter gesagt: „Hans-Jürgen, hörst du das? Wir bringen Festlandsenergie mit, sagt der Koch. Das finde ich jetzt doch frech, wollen wir bleiben?“

Er erzählt, hinterfragt und analysiert und kommt zu dem Schluss: „Letztlich geht es ums Erwachsenwerden, um Selbstverantwortung und Selbstermächtigung, um erwachsenes Handeln.“ Ein Role Model sei er mit seiner Selbstständigkeit, einer, der sich gelöst habe aus der Tretmühle, in der sich viele befänden und nicht wohl fühlten. „Was will ich wirklich … und wofür?“, fragt er. Das sei eine unerhörte, vielleicht aber auch Erlösung versprechende Frage. Positiv zu sein führe allerdings im Umfeld oft zu Skepsis. „Der nimmt was“ sei bis heute ein geflügeltes Wort für ihn unter Freunden und Verwandten. „Ja, was nimmt er denn? Grüntee!“, schreibt Morell.

Der Suppenwagen-Besitzer präsentiert einen Strauß von Anregungen, flott und humorvoll dargebracht. Die Coronazeit hat er genutzt, um dieses Buch zu schreiben – offenbar mit viel Freude.

Maurice Morell: „Wie ich lernte, meine eigene Suppe zu kochen und damit glücklich wurde“, Verlagsgruppe HarperCollins, 222 S., 16 Euro; Website: https://www.sylter-suppen.de. Der Wagen steht: Dünenstraße 1, List auf Sylt