Rezension

Ratgeber für Familien psychisch Kranker

Lesedauer: 2 Minuten
Heike Wander
Buchcover von Buch "Wahnsinnig nah" vom BApK e.V. balance-verlag

Buchcover von Buch "Wahnsinnig nah" vom BApK e.V. balance-verlag

Foto: balance-verlag / BALANCE buch + medien verlag

Betroffene und Angehörige beschreiben ihren Alltag, geben Erfahrungen und Tipps weiter. Ein Buch, dass viele Antworten gibt.

In den letzten Jahrzehnten ist viel Bewegung in die Behandlung psychischer Erkrankungen gekommen, auch haben sich die Familienstrukturen in der Gesellschaft stark verändert. Deshalb hat der Bundesverband der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen (BApK e. V.) den neuen Ratgeber „Wahnsinnig nah“ herausgegeben. Er bietet Erfahrungsberichte und aktuelle Informationen zu Behandlungs- und Hilfsangeboten. In diesem Buch für „Familien und Freunde psychisch erkrankter Menschen“ schreiben Betroffene und Angehörige über ihren Alltag und ihre Gefühle, es wird Wissen über Erkrankungen und Therapien sowie Medikamente vermittelt und wie den besonderen Herausforderungen begegnet werden kann.

Der Ehemann einer an Depression erkrankten Frau fragt sich: „Zum Teufel noch mal, wer bin ich, dass ich mir all diese Gedanken mache? Bin ich ihr Arzt oder ihr Therapeut?“ Und sie, ehemals Leiterin in der ambulanten Pflege, sagt: „Ich leiste nichts … Was ist bloß aus mir geworden? … Ich muss das stoppen.“ Schon darin zeigt sich bei beiden die Überforderung, die Folgen der Krankheit allein in den Griff zu bekommen.

Wichtig ist die Kommunikation untereinander

Das betrifft nicht nur Paare, auch Eltern und Kinder, die erkrankte Mütter, Väter oder Geschwister haben. Eine Mutter versucht ihrem Kind zu erklären, ihre Krankheit komme plötzlich – wie eine schwarze Wolke – und es tue ihr leid, dann nicht die Mutter zu sein, die sie sonst sei. Das Kind möchte jedoch nur seine Mutter mit ihrem normalen Verhalten zurückhaben. Damit Angehörige und Freunde ihr eigenes Leben behalten und gestalten können, müssen sie unter anderem lernen, „Nein“ zu sagen und Verantwortung zeitweise abzugeben – an Ärzte, Therapeuten oder Kliniken. Auch sie selbst können in Therapie gehen oder an Selbsthilfegruppen teilnehmen. In der übrigen Zeit sollten sie das normale Leben wieder aufnehmen, denn sonst beherrscht die Krankheit vielleicht die ganze Familie.

Wichtig bei allem ist Kommunikation untereinander. Wenn ein Erkrankter auf die Frage „Was ist mit dir, was hast du?“ mit „Nichts!“ antwortet, steckt vielleicht doch etwas dahinter. Die Wahrnehmung der Welt ist manchmal sehr unterschiedlich, sodass leicht Missverständnisse entstehen. Es gibt aber Auswege aus verfahrenen Lagen. Wann, wo und wie Hilfe für psychisch Erkrankte und ihre Angehörigen gefunden werden kann, darauf gibt es Antworten in diesem Buch.