Kolumne

Eltern sind vom Kampf mit den Krankenkassen zermürbt

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Mütter und Väter müssen, um Hilfsmittel für ihre behinderten Kinder zu erhalten, oft bis vor das Gericht ziehen. Das ist beschämend

Ein Kind mit schweren Behinderungen zu versorgen ist für Eltern sehr anstrengend. Wir begleiten viele - vor allem alleinerziehende Mütter – die nicht nur mit dem belastenden Alltag kämpfen, sondern auch mit ihrer Krankenkasse. Um nicht ungerecht zu werden: Das Versorgungsniveau für Menschen mit Behinderung ist sicher im Vergleich zu ärmeren Ländern hier hoch. Dennoch sind viele Eltern zermürbt. Viele berechtigte Hilfsmittel für ihr Kind müssen sie selber recherchieren, dann beantragen, die durchaus häufigen Widersprüche der Kassen kontern, zur Not eine Anwältin einschalten, die ihr Anliegen bis vor Gericht durchficht. Dazu brauchen diese Eltern einen langen Atem – und viel Kraft, die sie eigentlich nicht haben, da die Versorgung des Kindes sie so beansprucht.

Manchmal hängt die Entscheidung, ob zum Beispiel eine Therapie oder ein medizinisches Hilfsmittel übernommen wird, auch von einem einzelnen Sachbearbeiter ab. Das erleben wir bei der Petö-Therapie für hirnverletzte Kinder, die manchmal bei gleichem Krankheitsbild von der Eingliederungshilfe für ein Kind bezahlt wird, manchmal auch nicht. Hier übernimmt der Abendblatt-Verein dann häufig die Kosten.

Auch der im Artikel beschriebene Bewegungstrainer Innowalk wird von manchen Krankenkassen bezahlt, andere geben lieber Tausende Euro vor dem Sozialgericht aus, um sich dann doch dem häufig positiven Urteil einer Richterin oder eines Richters beugen zu müssen. Doch bis dahin können dann Jahre vergehen, in denen bewegungseingeschränkte Kinder noch unbeweglicher werden, da sie den ganzen Tag nur liegen können. Daraus können negative Folgen für die Gesundheit entstehen, die dann die Kosten für die Pflege nach oben treiben. Das ist kurz gedacht, unnötig und unwürdig.