Pandemie in Hamburg

Sterbebegleitung auch in Zeiten von Corona möglich

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Martina Petersen
Die ehrenamtliche Helferin Katrin Lampe besucht regelmäßig die schwer demente Ingeborg Böhmelt, die in der Stiftung Altenhof lebt.

Die ehrenamtliche Helferin Katrin Lampe besucht regelmäßig die schwer demente Ingeborg Böhmelt, die in der Stiftung Altenhof lebt.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Ehrenamtliche Mitarbeiter von 17 ambulanten Hospizdiensten unterstützen schwer Erkrankte und deren Angehörige am Lebensende.

Hamburg. Ingeborg Böhmelt freut sich darauf, wenn sie Besuch von ihrer „Kleinen“ bekommt, wie sie Katrin Lampe liebevoll nennt. Seit gut drei Monaten geht die 88 Jahre alte demenziell erkrankte Seniorin, die seit drei Jahren in der „Stiftung Altenhof“ im Stadtteil Uhlenhorst lebt, einmal wöchentlich mit der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des hauseigenen ambulanten Hospizdienstes spazieren. Aktuell muss Katrin Lampe bei ihren Besuchen auf dem gesamten Gelände der Senioreneinrichtung einen Mund-Nasen-Schutz tragen, sich am Eingang die Hände desinfizieren und ins Besucherregister eintragen. Dann wird bei der 58-Jährigen die Temperatur gemessen, und sie muss sich zudem einem Corona-Schnelltest unterziehen.

Nur wenn dieser negativ ausfällt, darf sich die Ehrenamtliche auf direktem Weg zum Zimmer der hochbetagten Dame begeben und sie mit ihrem Rollator zu einer Tour an der frischen Luft abholen. Dann gehen beide Frauen Richtung Alster, schauen im Hofweg in die Schaufenster der kleinen Läden und genießen die gemeinsame Zeit.

Besuch der Ehrenamtlichen ist wichtig für die Betroffenen

„Für meine Tante sind diese Spaziergänge eine Auszeit von ihrer Verwirrung. Sie ist in Trauer um ihren 2018 verstorbenen Sohn und hat sich immer mehr zurückgezogen. Schließlich mochte sie in der Einrichtung auch nicht mehr an den Betreuungsangeboten teilnehmen. In dieser Zeit ist ihre Demenz rasch fortgeschritten und ich konnte sie in ihrer Not allein nicht mehr auffangen“, sagt ihre Nichte Martina Hepp (64), die sich als Bevollmächtigte um die Seniorin kümmert.

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„Der Kontakt zu der Ehrenamtlichen, die ihr regelmäßig Zeit und persönliche Zuwendung schenkt, hat ihr wieder Lebensmut gegeben. Und auch für mich ist die Begleitung ein Geschenk, weil ich mich mit Katrin intensiv über die gesundheitlichen Veränderungen bei meiner Tante austauschen kann.“ Wer Martina Hepp und Katrin Lampe zusammen erlebt, könnte die beiden für langjährige Freundinnen halten.

„Es ist immer wieder ein Wunder, wie schnell bei den Begleitungen eine Allianz der Mitmenschlichkeit entsteht“, sagt Klaudia Frondziak (63), die als Koordinatorin beim ambulanten Hospizdienst der evangelisch-reformierten Stiftung Altenhof zuständig ist, für jeden Interessenten ein passendes Gegenüber aus ihren rund 30 aktiven ehrenamtlichen Mitarbeitern auszuwählen. Ihr Hospizdienst hat Kooperationsverträge mit fünf Senioreneinrichtungen in der Umgebung. Außerdem begleiten die Mitarbeiter hochaltrige und schwer kranke Menschen vorwiegend Eppendorf, St. Georg, Winterhude, Barmbek-Süd und in der HafenCity in der letzten Lebensphase oder einer vorübergehenden Krise in der Häuslichkeit.

Isolation führt viele alte Menschen in eine gesundheitliche Krise

Genauso wie die Koordinatorinnen der anderen 16 ambulanten Hospizdienste verschiedener Träger in der Stadt, freut sich Klaudia Frondziak darüber, dass in den vergangenen Wochen – anders als beim ersten Lockdown im Frühjahr, als die Pflegeeinrichtungen auch für Hospizmitarbeiter geschlossen wurden – wieder mehr Begleitungen sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch in der Häuslichkeit nachgefragt werden.

„Einsamkeit und Traurigkeit bis hin zu Depressionen sind bei vielen alten und kranken Menschen durch die derzeitige Isolation ein Thema und führen nicht selten in eine gesundheitliche Krise. Ich habe den Eindruck, dass unsere Unterstützung zu Corona-Zeiten dringender denn je gebraucht wird“, sagt sie. „Natürlich halten sich alle Mitarbeiter an die geltenden Abstands- und Hygieneregeln. Beim Erstbesuch schaue ich in jedem Einzelfall, was gebraucht wird und wie eine Begleitung unter den derzeitigen Beschränkungen gewünscht wird.“

Wenn Betroffene aus Angst vor einer Infektion stark verunsichert sind, können entlastende Gespräche mit Ehrenamtlichen auch telefonisch oder per Videotelefonie geführt werden. Hospizmitarbeiter können nicht nur für pflegende Angehörige einspringen, wenn diese Termine wahrnehmen möchten. Sie können auch Dienste wie das Einkaufen übernehmen, wenn die Angehörigen die Wohnung, in der sie mit dem Schwerkranken leben, aus Angst vor Ansteckung nicht mehr verlassen möchten.

„Das Corona-Jahr 2020 war ein Rückschlag für unsere Arbeit"

Nach dem Hospiz- und Palliativgesetz von 2015 soll jeder „absehbar Sterbende“ die Möglichkeit bekommen, von einem geschulten ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter unterstützt zu werden. Um eine Begleitung in Anspruch zu nehmen, brauchen Betroffene keine ärztliche Verordnung und es entstehen für sie auch keine Kosten. Die ambulanten Hospizdienste erhalten für die Anzahl der geleisteten Begleitungen jeweils am Jahresende eine Förderung durch die Krankenkasse. Den Pflegeeinrichtungen empfiehlt das Gesetz, eine Kooperation mit einem ambulanten Hospizdienst einzugehen. Seit nunmehr fünf Jahren arbeiten die Koordinatorinnen der Dienste daran, sich in den Pflegeeinrichtungen ihrer Bezirke vorzustellen und für ihre kostenfreie Unterstützung zu werben.

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„Das Corona-Jahr 2020 war ein Rückschlag für unsere Arbeit, weil permanente Informations- und Überzeugungsarbeit nötig ist, um bei der Implementierung von Hospizkultur und Palliativkompetenz in den Pflegealltag voranzukommen“, sagt Bärbel Sievers-Schaarschmidt von der Hamburger Gesundheitshilfe, die als Koordinatorin des „Netzwerks Palliative Geriatrie Hamburg“ Altenheime dabei unterstützt, die gesetzlich gesteckten Ziele umzusetzen. „Derzeit werden vielerorts Unterstützungsmöglichkeiten durch Ehrenamtliche verschenkt. Deshalb sollten Betroffene oder ihre Angehörigen bei Bedarf selbst initiativ werden und in den Pflegeeinrichtungen nachfragen, ob ein Kooperationsvertrag mit einem Hospizdienst besteht.“ Außerdem gebe es die Möglichkeit, sich jederzeit unverbindlich bei einem der ambulanten Hospizdienste über die Möglichkeit einer Sterbe- oder Trauerbegleitung in einer Pflegeeinrichtung oder der Häuslichkeit zu informieren.

Manchmal verbessert die Begleitung die Lebensqualität des Erkrankten

„Ich glaube, dass viele Menschen immer noch ein falsches Bild von der ambulanten Hospizarbeit haben, da unser Tun immer mit dem Tod in Verbindung gebracht wird“, sagt Koordinatorin Klaudia Frondziak. „Dabei unterstützen wir Erkrankte dabei, ihr Leben bis zum Schluss selbstbestimmt gestalten zu können.“

Sie hat manches Mal erlebt, dass sich durch eine Begleitung die Lebensqualität des Erkrankten deutlich verbessert hat. So konnte auch Katrin Lampe gleich in ihrer ersten Begleitung nach der Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizbegleiterin durch ihren einfühlsamen und herzlichen Kontakt zu Ingeborg Böhmelt positive Impulse geben und der angespannten Situation viel von ihrer Schwere nehmen. „Ich komme ohne eine gemeinsame Geschichte im Rucksack zu Frau Böhmelt und nehme Anteil an ihrem Leben, so, wie es sich im jeweiligen Moment ergibt“, sagt die Eimsbüttelerin. „Für mich ist es das größte Geschenk, wenn sie mich nach einem Spaziergang anstrahlt und sagt: ,Das war jetzt mal wieder richtig schön.‘“

Weitere Infos: Die Kontaktdaten zu den 17 ambulanten Hospizdiensten für Erwachsene in Hamburg gibt‘s unter www.koordinierungsstelle-hospiz.de

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Maskenpflicht im Überblick:

Welche Typen von medizinischen Masken gibt es?

  • OP-Masken: Mehrlagige Masken, die einen besseren Schutz als einfache Stoffmasken bieten.
  • FFP2-Masken: Müssen 94 Prozent aller Aerosole zurückhalten, um die Norm zu erfüllen.
  • FFP3-Masken: Müssen laut Norm 99 Prozent der Aerosole zurückhalten.
  • KN95-, N95-, P2-, D2- oder CPA-Masken: Importierte Masken, die vereinfachte Prüfverfahren durchlaufen, beim Bezug über die Apotheke aber etwa gleichwertigen Schutz wie FFP2-Masken bieten.

Kann ich die Masken mehrfach verwenden?

  • OP-Masken sind reine Wegwerfprodukte, die spätestens dann entsorgt werden sollten, wenn sie durchfeuchtet sind.
  • FFP2-Masken sind offiziell nur dann wiederverwendbar, wenn sie herstellerseitig mit einem "R" gekennzeichnet wurden. Laut Forschern der Uni Münster können aber auch Einweg-FFP-2-Masken ("NR") bis zu fünf Mal verwendet werden, wenn man sie für mindestens eine Woche an der Luft trocknet, bevor man sie wieder verwendet. Die Trocknung im Ofen ist umstritten.
  • Desinfektionsmittel zerstören die Filtereigenschaften der Maske und machen sie unbrauchbar

Was muss ich beim Kauf von Masken beachten?

  • Beim Kauf im Einzelhandel oder im Internet ist bei OP-Masken und FFP2-Masken auf das CE-Zeichen und eine vierstellige Nummer zu achten. Diese gibt die Prüfstelle an und kann im Internet überprüft werden.
  • Masken mit Ventil sind in Hamburg nicht erlaubt: Sie vereinfachen zwar das Atmen, geben die Luft aber ungefiltert an die Umwelt ab - bieten also zwar Eigen-, aber keinen Fremdschutz.

Was kosten medizinische Masken?

Mit der Einführung der erweiterten Maskenpflicht steigen auch die Preise für Masken teilweise stark an – FFP2-Masken kosten normalerweise zwischen 3 und 7 Euro pro Stück, OP-Masken sind zum Teil für deutlich weniger als einen Euro pro Stück im Paket zu bekommen. Vorsicht ist bei besonders günstigen Angeboten besonders im Internet geboten: Dahinter könnten ungeprüfte Importe oder Ausschussware stecken, die nicht denselben Schutz bieten wie eine zertifizierte Maske.

Was ist beim Tragen der Masken zu beachten?

  • OP-Masken sitzen relativ lose. Der Sitz kann verbessert werden, wenn man sie mit einer Stoffmaske kombiniert.
  • FFP2-Masken müssen eng anliegen, damit sie ihre volle Filterwirkung entfalten. Dann wird aber auch das Atmen spürbar anstrengender. Ein Vollbart verhindert den korrekten Sitz der Maske.
  • Allgemein gilt, dass Masken spätestens ausgetauscht werden müssen, wenn sie feucht sind.
  • Benutzte Masken nicht an der Filterfläche berühren: Etwaig aufgenommene Viren geraten dann an die Hände. Die Masken sollten nur an den Bändern berührt werden.

Weitere Fragen beantwortet unser großer Überblick zum Thema FFP2-Masken