Kolumne

Künftig lasse ich die gut gemeinten Tipps für meine Eltern

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Ein Buch hat mich zum Nachdenken gebracht, warum ich mir anmaße, meinen Eltern Ratschläge für ihre Lebensführung zu geben.

Je älter meine Eltern werden, desto öfter erwische ich mich dabei, dass ich ihnen Ratschläge gebe, was für sie vermeintlich gut oder schlecht sei. Dass sie weniger fernsehen und sich mehr bewegen sollten, bestimmte Reisen sicher zu anstrengend seien, sie diese oder jene Vorsorgeuntersuchung machen sollten und dann unbedingt immer eine zweite Arztmeinung einholen sollten.

Von daher fühlte ich mich etwas auf den Schlips getreten, als ich im Buch von Janine Berg-Peer „Wer früher plant ist nicht gleich tot“ las, dass sie als älterer Mensch genau das hasst: diese ständigen Tipps der Jüngeren für sie. Das hat mich zum Nachdenken gebracht, warum ich mir eigentlich anmaße, meinen Eltern Ratschläge für ihre Lebensführung zu geben. Natürlich mache ich das aus einer Sorge heraus. Ich möchte, dass sie so lange wie möglich noch leben und dabei gesund bleiben. Aber das dürfen sie gerne mit Spaß und ohne Gängelei meinerseits. So habe ich mir für die Festtage ganz fest vorgenommen, dass ich mir alle gut gemeinten Ratschläge verkneife, meine Eltern in ihren Vorhaben bestärke und nur noch meine Meinung äußere, wenn ich danach gefragt werde.