Buchrezension

Ein Plädoyer gegen Tipps von außen

Wer früher plant ist nicht gleich tot von Janine Berg-Peer

Wer früher plant ist nicht gleich tot von Janine Berg-Peer

Foto: goldmann verlag / Goldmann Verlag

Janine Berg-Peer ist alt und steht dazu. In ihrem humorvollen Buch rät sie Senioren, vor allem spaßige Dinge zu tun

Sie steckt die „Apotheken Umschau“ schnell ein, damit es niemand sieht, und liest die Zeitschrift dann zu Hause ausgiebig. Sie zwingt sich, Dinge zu essen, die für alte Leute angeblich besonders gesund sind. Aber sie fragt sich auch, ob sie mit 75 Jahren ihre Gesundheit oder ihr Aussehen wirklich noch stark beeinflussen kann – und vor allem muss. Janine Berg-Peer konstatiert in ihrem Buch „Wer früher plant, ist nicht gleich tot“, jetzt sei es so weit: „Ich bin alt.“ Deshalb befasst sie sich mit wichtigen Altersthemen wie Krankheit, Einsamkeit, neuem Wohnsitz, Testament und Tod, Pflegebedürftigkeit, dem Umgang mit Krankenkassen sowie Rollator-Training. Denn auch Berg-Peer kann schon jetzt nicht mehr leichtfüßig aus der Badewanne steigen, Gurkengläser oder Flaschen ohne Hilfe aufdrehen. Sie fühlt sich oft diskriminiert und auf Fotos hässlich.

Mit Sprüchen und Vorurteilen über Alte geht sie ins Gericht. So würden alte Menschen meist kritisiert, sich immer nur über ihre Wehwehchen zu unterhalten. Das sei aber durchaus in Ordnung, denn Krankheiten bestimmten bei ihnen ja normalerweise den Alltag. Junge Menschen interessierten sich doch auch über längere Zeiträume fast nur für bestimmte Themen, sei es Verliebtsein oder Freunde und Partys.

Anregungen dafür, die eigenen Ideen durchzusetzen

Für gesundes Altern gebe es von allen Seiten, in der Werbung, von Familie oder Freunden, Tipps. Das geht der Autorin meistens auf die Nerven. Sport scheint für einen Bewegungsmuffel wie sie, die „unheimlich gern auf dem Sofa liegt“, nicht das Richtige zu sein. Und sie käme sich komisch vor, wenn sie zwischen jungen Mädchen im Fitnessstudio ihre Strumpfanziehhilfe benutzen würde. Zu Ratschlägen im Allgemeinen hat Janine Berg-Peer eine ganz eigene Meinung: Menschen aus ihrem Umfeld gäben meist welche, die sie selbst gern befolgten, die ihr jedoch keinen Spaß machen würden. Sehr offen geht Berg-Peer auch heikle Themen wie Hilfe von Familienangehörigen an. Ihr Sohn gibt zu, „ich kann dich einfach nicht waschen und pflegen … Aber ich könnte für dich einkaufen.“

Janine Berg-Peer beschreibt ihr Leben als alte Frau humorvoll und sehr informativ. Altersgenossen finden im Buch Zuspruch und Anregungen, um sich zu behaupten und ihre Rechte durchzusetzen. Jüngere Leser erfahren, wie sich das Leben im Alter verändert und womit alte Eltern oder Großeltern in Deutschland klarkommen müssen. Die Berlinerin Berg-Peer leitet Workshops über das Altern und plädiert dafür, dem Leben auch als Seniorin genau den Sinn zu verleihen, der nur für sie selbst passt und ihr vor allem gute Laune macht.