Kolumne

Der erste Sohn ist aus dem Haus

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Es ist ein Abschied vom bisherigen Familienleben. Aber ich entlasse meinen Großen mit einem guten Gefühl - er hat Wurzeln und Flügel.

Nun ist es geschehen: Ein Sohn ist aus dem Haus. Er ist auf in den Süden, um dort zu studieren. Er wohnt nun in meiner alten Heimat, was etwas tröstet, weil es dann noch einen Grund mehr gibt, in den schönen Schwarzwald zu fahren. Aber dennoch bleibt ein dumpfes Gefühl in mir zurück, weil es so ein wichtiger und vermutlich endgültiger Abschied vom bisherigen Familienleben ist. Ab jetzt wird mein Großer nur noch zu Besuch kommen. Er hat nun eine eigene Wohnung, ein anderes Leben. Vermutlich geht es jetzt vielen Eltern so, deren Kinder zu Ausbildungszwecken in eine andere Stadt ziehen.

Aber gleichzeitig bin ich auch sehr glücklich. Denn ich entlasse ihn mit dem guten Gefühl, dass wir als Eltern ihm alles an Werten und Fähigkeiten mitgegeben haben, was uns möglich war. „Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel“, schrieb J. W. von Goethe. Beides hat mein Sohn erhalten. Und eigentlich hatte ich schon vor einem Jahr diese Situation, als er zu seiner großen Reise aufbrach, die Corona dann im März so jäh unterbrochen hat. Die sechs Monate, die mein Großer deswegen noch einmal bei uns lebte, empfinde ich als großes Geschenk.