Senioren

Eine starke Gemeinschaft gegen Einsamkeit und Langeweile

Lesedauer: 4 Minuten
Bewohnerin Martha Lange (96) engagiert sich für eine starke Gemeinschaft in der Kursana Residenz Hamburg.

Bewohnerin Martha Lange (96) engagiert sich für eine starke Gemeinschaft in der Kursana Residenz Hamburg.

Foto: Kursana

Martha Lange und ihre Freundinnen vom „Spieleclub“ halten in der Kursana Residenz Hamburg während der Corona-Pandemie zusammen

An der Tür ihres Appartements in der Kursana Residenz Hamburg steckt eine Karte mit einem lieben Gruß von einer Mitbewohnerin. Martha Lange strahlt, als sie die Zeilen liest und präsentiert in ihrer kleinen Küche ein gutes Dutzend Gläser mit selbst zubereiteter Marmelade. „Die habe ich gestern frisch gekocht und möchte damit später meine Damen vom Spieleclub überraschen“, verrät die rüstige 96-Jährige, die vor sechs Jahren in die Niendorfer Senioreneinrichtung gezogen ist.

„Nach dem Tod meines Mannes ist mir in meinem Haus in Ellerbek die Decke auf den Kopf gefallen. Ich wollte nicht vereinsamen“, sagt sie. „Deshalb habe ich mich schon vor meinem Einzug beim Spieleclub im Haus vorgestellt. Mittlerweile sind wir zwölf Frauen zu einer starken Gemeinschaft zusammengewachsen: Wir feiern gemeinsam unsere Geburtstage und sind immer füreinander da. Bei uns muss niemand einsam sein.“

Gedächtnistraining und gemeinsame Ausfahrten

Über Jahre haben die Frauen immer freitags und sonntags Karten- oder Brettspiele gespielt. Martha Lange, die noch immer motorisiert ist, hat ihre Mitbewohnerinnen mit ihrem Auto bei Besorgungen unterstützt, für sie gebacken und beim „Zwetschgenfest“ mit selbst gemachten Leckereien verwöhnt. Einige der Damen trafen sich zudem regelmäßig im Haus beim Handarbeitstreff und beim Gedächtnistraining oder den gemeinsamen Ausfahrten ins Theater.

„Als wegen Corona alle Gruppenaktivitäten ausfallen mussten, haben wir fast täglich miteinander telefoniert“, sagt Martha Lange. „Und wenn eine von uns mal ein Gegenüber brauchte, um ihr Herz auszuschütten oder wir zu zweit etwas unternommen haben, wurden der Sicherheitsabstand und die Hygieneregeln immer eingehalten.“

Rund 200 Masken für die Bewohner der Residenz

So hat sie beispielsweise zusammen mit einer Mitstreiterin aus dem „Spieleclub“ mehr als 200 Mund-Nasenschutz-Masken für Bewohner und Mitarbeiter in der Residenz genäht. „Ich habe in meinem Elternhaus gelernt, immer für andere da zu sein. Das macht mir Freude und bringt mich bis heute immer wieder in mein Gleichgewicht“, sagt die Seniorin.

Die ausgebildete Köchin hat im Laufe ihres Lebens unter anderem als Hausdame in Privathaushalten gearbeitet und pflegt über Jahrzehnte zahlreiche Freundschaften – auch zu den Kindern ehemaliger Arbeitgeber oder verstorbener Freundinnen. „Dazu muss man auch im Alter bereit sein, immer neu dazuzulernen“, sagt sie und lacht.

„Zum 95. Geburtstag habe ich ein iPad geschenkt bekommen, damit mir die jungen Leute Fotos aus dem Urlaub schicken können. Da musste ich erst einmal den Computerkurs bei uns im Haus besuchen, um den Umgang mit der Technik zu lernen.“

Beistand nach den Schicksalsschlägen

Für die leidenschaftliche Schwimmerin, die vor den Corona-Einschränkungen das hauseigene Schwimmbad dreimal wöchentlich nutzte, liegt das Geheimnis guten Alterns neben einem aktiven Lebensstil vor allem in der Kunst, mit Vergangenem gut abschließen zu können. Dem Verkauf von Haus und Motoryacht und demnächst auch von ihrem Auto weine sie nicht hinterher, sagt Martha Lange. Der Abschied von ihrem Mann und unlängst der Tod ihres Sohnes seien hingegen tiefe Einschnitte gewesen, bei denen ihr der verlässliche Beistand von ihren Freunden und Mitbewohnerinnen eine große Hilfe war. Deshalb tue ihr gut, dass mittlerweile das Leben in der Gemeinschaft wieder anlaufe und unter Wahrung der Corona-Sicherheitsregeln in der Residenz Angebote in Kleingruppen stattfinden können.

Die Damen vom „Spieleclub“ freuen sich schon darauf, wenn auch sie bald wieder bei ihren Treffen miteinander lachen können. „Man darf bei den Herausforderungen des Alters den Humor nicht verlieren“, betont Martha Lange lächelnd. „Wir erinnern uns immer wieder gegenseitig daran, positiv nach vorn zu blicken.“