Suizidprävention

Jugendliche beraten gefährdete Mädchen und Jungen online

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Paula Koudmani arbeitet als Ehrenamtliche bei der Onlineplattform U25

Paula Koudmani arbeitet als Ehrenamtliche bei der Onlineplattform U25

Foto: Paula Koudmani

Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention. Bei der Initiative [U25] helfen junge Menschen verzweifelten Gleichaltrigen

Jährlich sterben in Deutschland rund 10.000 Menschen durch Suizid, darunter sind 600 junge Menschen unter 25 Jahren. Suizide kommen in allen Lebensaltern und in allen sozialen Schichten vor – doch in keiner Altersgruppe gibt es so viele Suizidversuche wie bei Kindern und Jugendlichen. „Viele sind isoliert, einsam und verzweifelt. Häufig haben diese Teenager niemanden zum Reden und es ist eine hohe Hürde, zum Lehrer, Psychologen oder Arzt zu gehen“, sagt Nina von Ohlen, die in Hamburg die Online Suizidprävention [U25] leitet.

Bei diesem Portal des Vereins In Via Hamburg beraten ausgebildete Jugendliche suizidgefährdete junge Menschen per E-Mail – manchmal ist es nur ein kurzer Kontakt, oft läuft die Begleitung über mehrere Jahre. „Wir antworten innerhalb von 48 Stunden, sind also keine Akuthilfe wie die Telefonseelsorge. So ein Suizidgedanke wird jedoch meistens nicht sofort umgesetzt.

Wichtig ist, dass man die Hilfesuchenden ernst nimmt

Es geht oft erst einmal darum, dass jemand die Gedanken aufnimmt, vielleicht Möglichkeiten aufzeigt und die Hilfesuchenden ernst nimmt“, sagt von Ohlen, die jede E-Mail liest und gegebenenfalls Rückmeldungen an die Krisenberater gibt. „Denn das sind alles Ehrenamtliche, die möchte ich nicht alleine mit den zum Teil sehr heftigen Fällen lassen“, sagt die Diplompädagogin. Zudem bietet die 46-Jährige alle zwei Wochen eine Supervision und Team-Besprechung an.

Jedes Jahr bildet von Ohlen etwa 15 Jugendliche aus, zurzeit sind 33 sogenannte Peerberater in Hamburg aktiv und betreuen pro Jahr rund 130 suizidale Klientinnen. Es sind zu 80 Prozent Mädchen, die über ihre Depressionen, Essstörungen, ihr selbstverletzendes Verhalten oder ihre Probleme mit der Sexualität schreiben – und sie bleiben genauso wie die Beraterinnen anonym dabei. Die meisten Hilfesuchenden sind zwischen 17 und 22 Jahre alt, also etwa im gleichen Alter wie ihre [U25]-Berater.

Junge Berater verstehen die Gedankenwelt der Jugendlichen besser

„Das ist ein großer Vorteil, denn ich bin der Gedankenwelt meiner Kontakte viel näher. Ich kann viele ihrer Alltagssituationen gut verstehen“, sagt Paula Koudmani. Sie studiert „Soziale Arbeit und Diakonie“ und arbeitet seit 2016 ehrenamtlich bei [U25].

Derzeit schreibt sie pro Woche mit drei Kontakten, eines der Mädchen begleitet sie schon seit drei Jahren. „Sie hat große Probleme mit ihren Eltern, die psychisch krank und gewalttätig sind. Da sie in einem kleinen Dorf wohnt, ist sie dort vollkommen isoliert“, berichtet die 23-Jährige. Sie sieht ihre Aufgabe darin, gemeinsam mit ihrer Klientin Wege aus der Verzweiflung zu suchen, die Probleme zu reflektieren „oder einfach nur mal kleine Schritte nach vorn zu feiern und dabei so viel Liebe wie möglich per E-Mail zu senden“, sagt die engagierte Studentin.

Immer ansprechen, wenn man sich Sorgen macht

Sie ärgert sich darüber, dass viele Erwachsene Jugendliche im Pubertätsalter nicht ernst nehmen. „Das ist total gefährlich. Genauso wie einen Suizidgedanken nicht ernst zu nehmen, ich spreche das immer an, wenn ich mir Sorgen mache“, sagt Koudmani. Sie empfindet es als sehr erfüllend, Menschen zu helfen. „Klar rette ich mit meinem Engagement nicht die Welt, aber wenn ich einen Jugendlichen vom Suizid abhalten kann, ist das doch auch sehr schön.“

Aktionen zum Welttag der Suizidprävention: Am 6.9. um 18.15 Uhr Sonntagsmesse mit [U25] Hamburg und der TelefonSeelsorge im Mariendom. Am 10.9. um 21 Uhr: Fotoaktion [U25] und TelefonSeelsorge „Stelle eine Kerze in Dein Fenster“. Zum Gedenken an die Menschen, die in Hamburg Suizid begangen haben. Fotos per E-Mail an: telefonseelsorge-hamburg@caritas-im-norden.de. Weitere Informationen unter: www.invia-hamburg.de und www.u25-hamburg.de