Kolumne

Pubertierende wollen ernst genommen werden

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Aus einer seltsamen Marotte kann schnell eine Tragödie werden. Es ist wichtig, dass Eltern hinschauen, wenn ihre Kinder still werden.

„Ich ärgere mich darüber, dass viele Erwachsene Jugendliche im Pubertätsalter nicht ernst nehmen.“ Dieser Satz einer Studentin, die seit vier Jahren suizidgefährdete Teenager berät, will mir nicht aus dem Kopf gehen. Denn tatsächlich habe auch ich viele Eigenheiten, die ich bei meinen Söhnen oder ihren Freunden erlebt habe, gern mal lachend weggeschoben. Aber es ist wichtig, genau hinzuschauen, was dahintersteckt, wenn Jugendliche sich allzu oft in ihrem Zimmer verstecken, wenn sie sich im Unterricht nie melden oder kaum noch etwas essen wollen. Denn aus einer Marotte kann schnell eine Tragödie werden – ich habe leider erlebt, wie eine Freundin mit massiven Essstörungen ins Krankenhaus kam. Die Eltern hatten das Problem jahrelang ignoriert.

Teenager bringen sich um – selten aus einem Impuls heraus, der Entschluss deutet sich oft monatelang vorher an. Es macht mich immer wieder fassungslos, vor allem, dass manche so vereinsamt sind. Darum ist eine Beratungsstelle wie [U25] so wichtig, wo junge Menschen sich einsetzen, um anderen Jugendlichen zu helfen. Sie nehmen deren Probleme ernst. Das ist immer der erste Schritt!