Hilfe für Jugendliche

Echte Buddies für schwer kranke Teenager

Die HerzCaspar-Buddies Sophie Henriette von Wühlisch, Kai Winterberg und Antonia Donat (v.l.), besuchen schwer kranke Jugendliche im UKE

Die HerzCaspar-Buddies Sophie Henriette von Wühlisch, Kai Winterberg und Antonia Donat (v.l.), besuchen schwer kranke Jugendliche im UKE

Foto: Thorsten Ahlf

Ehrenamtliche des Verein HerzCaspar besuchen junge Langzeitpatienten im UKE. Sie spielen mit ihnen und vernetzen sie untereinander.

Dass Kinder und Jugendliche abends länger als erlaubt aktiv sein wollen, wenn sie Spaß haben, ist nichts Ungewöhnliches. Wenn Kai Winterberg aber von einem Mädchen erzählt, das seinen Vater gefragt habe, ob es noch eine Weile im Spielzimmer der UKE-Kinderklinik bleiben dürfe, weil es das gesellige Beisammensein gern fortsetzen wolle, dann ist das schon erstaunlich. Denn die Jugendliche hatte an jenem Tag ihre letzte Chemotherapie-Sitzung hinter sich und sollte wieder nach Hause fahren.

Doch die Zerstreuung unter Gleichaltrigen wirkte offenbar so befreiend, dass der Krankenhaus-Aufenthalt vorübergehend vergessen war. Für Kai Winterberg zählt diese Geschichte zu den schönsten Erfahrungen seiner ehrenamtlichen Arbeit in der onkologischen Station an der Kinderklinik des UKE, denn sie zeigt beispielhaft, wie gut das Projekt funktionieren kann, für das er sich seit einem Jahr engagiert.

Rund 20 Ehrenamtliche betreuen die jungen Patienten

Kai ist einer von etwa 20 Buddies, frei mit „Kumpel“ zu übersetzen, die im Verein HerzCaspar jugendliche Patienten betreuen. HerzCaspar ist ein junges Projekt (das Abendblatt berichtete vor zwei Jahren über die Initialzündung), gewissermaßen das Vermächtnis eines jungen Patienten, der selbst Langzeit-Patient war und wahrnahm, was Jugendlichen im Krankenhaus fehlt: nämlich der Kontakt zu Gleichaltrigen.

Caspar von Schiller war 15 Jahre alt, als er im April 2009 so schwer erkrankte, dass er ein Spenderherz benötigte. Nach der Transplantation im Juli 2010 schien sich alles zum Guten zu wenden. Caspars Leben normalisierte sich, doch im April 2014, kurz vor den Abiturprüfungen, starb er infolge von Abstoßungsreaktionen nach einer Lungenentzündung.

Während seiner längeren Klinikaufenthalte hatte Caspar neben optimaler medizinischer Versorgung eine Lücke in der sozialen Betreuung im Krankenhaus erfahren. Für kleine Kinder gibt es dort Menschen wie die Klinik-Clowns, ältere Patienten werden von den Grünen Damen besucht, doch eine altersgerechte Ansprache für langzeiterkrankte Jugendliche und junge Erwachsene durch Gleichaltrige fehlt.

Der herzkranke Caspar hatte eine Vision

Caspars Vision war eine Einrichtung, die diese Lücke ausfüllt. Seine Familie griff die Idee nach Caspars Tod vor sechs Jahren auf.

Bereits auf seiner Beerdigung wurde Geld dafür gesammelt. 2017 wurde ein Verein gegründet, der im Januar 2018 den Status der Gemeinnützigkeit erhielt. Ein halbes Jahr später stimmte die Leitung des Pflegezentrums am Kinder-UKE zu, dass das Pionierprojekt im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin gestartet werden solle. 2019 begannen die ersten Buddies nach Schulungen in Kooperation mit der Klinik ihre Arbeit.

Sie bieten Aktivitäten wie Basteln, Spiele und vor allem Gespräche an

Sophie von Wühlisch (35), Antonia Donat (22) und Kai Winterberg (19) gehören zu dem Team, das jungen Langzeitpatienten einmal wöchentlich Zeit zur gemeinsamen Gestaltung anbietet. Das können Spiele sein, Aktivitäten wie Basteln, vor allem aber wollen die Buddies ins Gespräch kommen, am liebsten in größerer Runde, damit auch die Patienten sich untereinander kennenlernen. „Es geht viel um Abwechslung, um Ablenkung von Krankheit und das Gefühl von Normalität“, sagt Sophie. Kai fügt hinzu, dass die Buddies andere Perspektiven in den Klinikalltag bringen: „Wir unterhalten uns offen und sozusagen auf Augenhöhe miteinander.“ Das ganze Projekt hat Potenzial für eine bundesweite Verbreitung.

Am UKE machten die Buddies quasi als Pioniere vor, welchen Wert diese Arbeit für junge Patienten haben kann. „Wir hatten uns für dieses Jahr viel vorgenommen, aber dann kam Corona und wir mussten leider vieles auf unbestimmte Zeit verschieben“, erzählt Antonia. Seit März dürfen die Buddies nicht mehr ins Krankenhaus. Als Ersatz gibt es ein wöchentliches Zoom-Meeting – der Zugang zur Zielgruppe ist jedoch schwieriger geworden.

Wegen Corona ist die Kontaktaufnahme schwieriger geworden

In der Klinik konnten die Buddies alle Patienten direkt einladen, außerdem wiesen Plakate auf das Angebot hin. Jetzt muss vieles über soziale Netzwerke laufen. „Unsere Arbeit ist durch Corona etwas ins Stocken geraten“, sagt Xenia von Schiller, die gemeinsam mit ihrer älteren Schwester Fernanda und Vater Friedrich-Michael von Schiller den Vorstand von HerzCaspar bildet.

Doch Xenia sieht in der Krise auch die Chance, HerzCaspar schneller bekannt zu machen: „Videokonferenzen könnten unter dem Motto ‚Wir zoomen uns in die Herzen‘ ein Sprungbrett sein, ein niedrigschwelliger Einstieg, mit dem wir unser Netzwerk erweitern und auch andere Krankenhäuser in der Region erreichen.“

Wie gut HerzCaspar auf alle Beteiligten wirkt, das können am besten die Buddies mit ihren Erfahrungen bezeugen. Sophie erwähnt die „große Dankbarkeit“ der Kinder. „Es ist schön, wenn man merkt, wie die jugendlichen Patienten miteinander in Kontakt kommen, dass etwas angestoßen wird“, sagt Antonia. Außerdem, so Kai, sei auffällig, dass Altersunterschiede keine Rolle spielten: „Alle werden integriert. Von diesem Sozialverhalten können wir lernen.“

Felix hat über Zoom mit den Buddies gespielt

Ein besonders dankbarer Patient ist einer der Jüngsten, der elf Jahre alte Felix, der Langzeitpatient auf der Station war und jetzt regelmäßig mit seiner Mutter aus der Region Hannover zur „sanften Chemotherapie“ ins UKE fährt.

Er ist auch per Zoom häufig in Kontakt mit den Buddies, und auch seine neun Jahre alte Schwester lässt sich die Bespaßung per Videochat nicht entgehen. Felix ist begeistert von den Buddies, die er alle schon gut kennt und mit denen er am liebsten „Tiere raten“ spielt. Fürs nächste Zoom-Meeting steht Witze erzählen auf dem Programm. „Mich begeistert, wie stressfrei und liebevoll das abläuft“, sagt Felix’ Mutter Christine Lauter. „Für mich ist das eine willkommene Entlastung. Ich wünsche mir, dass viel mehr Kinder den Wert dieses Angebots kennen- und schätzen lernen.“