Buchrezension

Nicht aufgeben, sondern gegen die Behinderung rebellieren

Buchcover Maximilian Dorner: Steht auf, auch wenn ihr nicht könnt

Buchcover Maximilian Dorner: Steht auf, auch wenn ihr nicht könnt

Foto: btb Verlag / btb verlag

Schriftsteller Maximlian Dorner beschreibt in einem Buch seinen Alltag im Rollstuhl mit viel Humor, Wut und Melancholie

Maximilian Dorner ist Autor, Regisseur und Kulturveranstalter. Und er ist wegen einer Nervenkrankheit auf einen Rollstuhl angewiesen. So kennt der 46-Jährige auch das Leben davor, als er noch nicht körperbehindert war. In seinem Buch „Steht auf, auch wenn ihr nicht könnt“ setzt er sich mit den Auswirkungen seiner Behinderung auseinander. Er schildert bestechend ehrlich seinen Alltag im Rollstuhl, mal humorvoll, mal verzweifelt.

Und er analysiert kritisch, was das mit seiner Persönlichkeit macht. Immer auch im Hinblick auf die Situation von Menschen mit Handicap in Deutschland nimmt er sich gesellschaftliche Themen wie Demokratie, Solidarität oder „Inklusionsgedöns“ vor. Als Coach ist er überzeugend, unter anderem wenn er rät: „Wehr dich gegen den Blick in den Spiegel. Das bist nicht du, solange du als Erstes die Behinderung siehst.“ Er ist realistisch, dankbar, traurig, fordernd und dann wieder verständnisvoll, weil er die unterschiedlichsten Denkweisen und Reaktionen anderer akzeptiert.

Jeder kann sich mit seinen eigenen Vorurteilen wiederfinden

Das macht das Buch lesenswert, denn jeder kann sich dort wiederfinden mit seinen eigenen Vorurteilen, Reaktionen und Fragen zum Thema Behinderung. Dorners Gedanken sind unterhaltsam und manchmal erschreckend, seine Erlebnisse, Gefühle und Schlussfolgerungen nachvollziehbar. Und er schafft es, das Thema Behinderung in größere Kontexte einzubinden. „Auf den ersten Blick sehen alle Diskriminierungen recht ähnlich aus. Ob wegen des Geschlechts, der sexuellen Präferenzen oder der Herkunft“, schreibt er. „Es gibt jedoch fundamentale Unterschiede zu Behinderungen.

Der zentralste besteht darin, dass man nichts gegen ihr Verschwinden hätte. Ich jedenfalls würde meinem Rollstuhl keine einzige Träne nachweinen. Zumal ich alles, was ich durch ihn gelernt habe, dann ja mitnehmen könnte.“ Auch wenn in solchen Worten positive Aspekte seines Erfahrungsschatzes seit der Behinderung durchscheinen: Maximilian Dorner hadert weiter mit dem „Gefühl, zu den Schwächsten zu gehören“. Ans Ende des Buches stellt er sein Manifest „#Behinderung ist Rebellion“ mit Dutzenden Vorschlägen, wie ein Leben mit Behinderung besser gelingen könnte. Für ihn ist „Sprachlosigkeit die am weitesten verbreitete Behinderung ... Und es ist die einzige, die sich überwinden lässt“. Das hat er mit seinem Buch geschafft – er traut sich was und macht mit seiner schonungslosen Offenheit anderen Mut, für sich selbst einzutreten.

Maximilian Dorner: „Steht auf, auch wenn ihr nicht könnt!“, 189 Seiten, btb, 16 Euro