Sprachkurse für Geflüchtete

„Zu zweit auf der Parkbank“ – Deutsch lernen trotz Corona

Celeste und Sabine Vilmer treffen sich regelmäßig an der frischen Luft beim Projekt „Zu zweit auf der Parkbank“

Celeste und Sabine Vilmer treffen sich regelmäßig an der frischen Luft beim Projekt „Zu zweit auf der Parkbank“

Foto: Akademikerbund Hamburg

Der Akademikerbund Hamburg und das Freiwilligen Zentrum haben kreative Projekte für Migranten entwickelt. Es werden Freiwillige gesucht

Eigentlich bietet der Akademikerbund Hamburg in seinen Räumen in Altona Sprachkurse für Geflüchtete und Migranten an – doch wegen der Corona-Krise durfte das Programm nicht weitergeführt werden. Um die Menschen, die oft in engen Unterkünften leben und nur wenige Sozialkontakte in der Stadt haben, aus der Isolation zu holen, startete die Sprachkurs-Koordinatorin Karen Adouni Ende Juni kurzerhand das Projekt „Zu zweit auf der Parkbank“.

Die Idee: Ihre fünf Lehrerinnen und Lehrer treffen sich mit je einem Schüler für 90 Minuten auf einer Bank im Freien, führen Gespräche über den Alltag und können so gleichzeitig deren Aussprache und Grammatik trainieren. Ausgerüstet wurden die Sprachcoaches dafür mit durchsichtigen Regenschirmen, um auch bei Regen den Parkbank-Talk weiterführen zu können, mit Fleecedecken gegen die Kälte und einer Picknicktasche.

Der Bedarf unter den Geflüchteten ist sehr groß

Derzeit nehmen 36 Frauen und Männer an den wöchentlichen Gesprächsrunden teil. „Aber wir haben einen viel größeren Bedarf, denn das Projekt hat sich unter den Geflüchteten herumgesprochen, es wollen mehr mitmachen“, sagt Karen Adouni. Denn viele Migranten haben oft außerhalb der Sprachkurse kaum Kontakt zu Deutschen. „Diese Gespräche gehen weit über das Deutschlernen hinaus.

Meine Schüler öffnen sich von Woche zu Woche mehr, stellen viele Fragen und finden plötzlich Lösungen für ihre Lebenssituation“, sagt die Lehrerin Sabine Vilmer. Vor allem ist es Abwechslung im Alltag, wie Celeste, eine von Vilmers Schülerinnen, berichtet. „Sonst bin ich immer mit meinen beiden Kindern alleine, die 90 Minuten mit meiner super Lehrerin tun da richtig gut“, sagt die Venezolanerin.

Das Projekt geht bis in den Winter - Sponsoren gesucht

Ursprünglich sollte das Projekt nur bis September gehen, aber wegen des großen Erfolgs und Bedarfs soll es nun bis in den Winter weitergeführt werden und auch mal im Café stattfinden. Zwar unterstützt der Verein „Hamburger Abendblatt hilft“ das Programm finanziell, doch benötigt es dringend weitere Sponsoren und auch Freiwillige mit Vorbildung und Erfahrungen.

Interessenten melden sich bei Karen Adouni unter Telefon: 63 73 72 60 oder E-Mail: altona@akademikerbund.de

Ein virtueller Sprachraum wird gestellt

Ein ähnliches Projekt hat das Freiwilligen Zentrum Hamburg gleich zu Beginn des Lockdowns ins Leben gerufen. Über Facebook und Anzeigen hat die Einrichtung des Erzbistums Hamburg Nicht-Muttersprachler aufgerufen, sich zu melden, wenn sie ihr Deutsch verbessern möchten. Gleichzeitig konnten sich Ehrenamtliche, sogenannte Coaches, melden, wenn sie Interesse an einem sprachlichen Austausch haben.

„Wir haben bisher rund 50 Tandems vermitteln können, die sich per Videochat – also nur online – treffen und miteinander sprechen“, sagt Carolin Goydke, die das Projekt leitet. Das Freiwilligen Zentrum stellt den virtuellen Sprachraum zur Verfügung. „Man muss außer seinem Vornamen keine persönlichen Daten preisgeben. Wie viel man von sich erzählt, entscheidet jeder selber“, so Goydke.

Es geht um die Verbesserung der Aussprache

Es geht auch nicht um Unterricht, sondern um die Verbesserung der Aussprache oder auch mal ein Satzbaucoaching. „Ein Studierender wollte verhandlungssicheres Deutsch lernen, ein anderer seine Deutschkenntnisse im Homeoffice nicht verlieren.“ Es hätten sich ganz unterschiedliche Menschen gemeldet, vom afghanischen Schüler bis zur südamerikanischen Pflegekraft, vom vietnamesischen Unternehmer bis zum syrischen IT-Spezialisten. „Es sind auf beiden Seiten spannende Lebensläufe dabei. Ich vermittle die Partner, die von den zeitlichen Möglichkeiten und Erwartungen zusammenpassen. Man kann sich kurz oder länger engagieren“, so Goydke.

Interessenten melden sich bei ihr unter Telefon 24 87 73 61, E-Mail: goydke@erzbistum-hamburg.de