Menschen mit Behinderung

Kleine Gruppen und Erzieher in Schutzkleidung

Hortbetreuung St. Raphael-Schule: Die Betreuer ziehen beim Gang zur Toilette Schutzkleidung an.

Hortbetreuung St. Raphael-Schule: Die Betreuer ziehen beim Gang zur Toilette Schutzkleidung an.

Foto: Gesche Jäger/Sozialkontor

Ferienbetreuung zu Corona-Zeiten: Im Hort der Raphael-Schule für Kinder mit Behinderung gelten besondere Hygienemaßnahmen.

Hamburg. Der Ball fliegt von oben direkt auf Bennet zu. Er streckt die Arme nach vorn, verschränkt die Finger und baggert ihn mit voller Wucht übers Netz. Beim Volleyball mit anderen Kindern kann sich der elf Jahre alte Schüler mit Förderbedarf so richtig auspowern. Das hat er vermisst, als er während des Corona-Lockdowns zu Hause bleiben musste. „Ich konnte meine Freunde nicht sehen. Das war langweilig und blöd“, sagt er.

Als einer von insgesamt 22 Jungen und Mädchen zwischen sechs und 15 Jahren kommt Bennet in den Sommerferien in den Hort der sonderpädagogischen Raphael-Schule in Nienstedten. Dieser ist einer der sieben Hortstandorte des Hamburger Trägers Sozialkontor, die Nachmittags- und Ferienbetreuung für Kinder von Förderschulen anbieten. Aktuell öffnen die Horte nur in den Ferien und unter besonderen Hygienevorgaben.

Die Flächen müssen regelmäßig desinfiziert werden

So gibt es kleine Gruppen mit maximal fünf Kindern, die räumlich strikt getrennt sind und keinen Kontakt miteinander haben dürfen – auch nicht, wenn sie draußen spielen. Die Mitarbeiter tragen in Pflegesituationen Mundschutz, Handschuhe und Einmalkittel, wenn sie zum Beispiel ein Kind auf die Toilette begleiten oder Windeln wechseln. Auch regelmäßiges Reinigen und Desinfizieren von Flächen ist Pflicht. „Das haben wir aber auch schon vor Corona gemacht“, sagt Christian Schwarz, Teamleiter des Horts.

Gleiches gilt fürs Händewaschen, was jetzt noch häufiger auf dem Plan steht als sonst: nach dem Ankommen, vor und nach dem Essen und immer, wenn die Hände im Gesicht waren. Das Abstandsgebot, das noch in den Maiferien für die Schüler untereinander galt, wurde mittlerweile gelockert. „Das war auch schwer durchzusetzen, da viele Kinder es nicht verstanden oder beim Spielen vergessen haben“, so Schwarz.

Auch das Ferienprogramm musste das Hort-Team anpassen. So fallen etwa Ausflüge in den Tierpark Hagenbeck, zu einem Indoor-Spielplatz oder ins Miniatur Wunderland vorerst flach. „Das scheitert schon an der Anfahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, weil einige der Kinder körperlich oder psychisch nicht in der Lage sind, einen Mundschutz zu tragen“, sagt Schwarz.

Joggen im Park statt Hagenbeck

Stattdessen sind sie jetzt viel in ihrer Umgebung unterwegs – schließlich machen Herumtollen am Elbstrand und Joggen im Jenischpark auch Spaß. „Heute haben wir zwei Runden geschafft – das sind sieben Kilometer“, berichtet Bennet stolz. Auch das Bastelangebot haben die Erzieher ausgeweitet, ebenso wie Gesellschaftsspiele und „Disco“ im Freien mit extra dafür angeschafften Musikboxen.

Simone Toschke, die gegen 15.30 Uhr ihren achtjährigen Sohn Linus abholt, ist erleichtert, dass der Hort in den Ferien geöffnet ist. Die vergangenen Monate hat die Familie durchgestanden, weil sich die Eltern abwechselten und Linus’ drei ältere Schwestern mithalfen, den Jungen mit Trisomie 21 zu betreuen.

Zwar hätte Simone Toschke, die als Allgemeinmedizinerin halbtags in einer Praxis arbeitet, ihren Sohn auch in die Notbetreuung schicken können. „Wir haben uns aber dagegen entschieden, weil wir die Sorge hatten, dass die ungewohnte Situation mit anderen Lehrern und Kindern ihn überfordern würde.“ Stattdessen arrangierte sich die Familie mit den neuen Gegebenheiten – und entwickelte mit der Zeit einen ganz eigenen Alltagsrhythmus.

Für das neue Schuljahr hat die Schulbehörde eine Rückkehr zum Regelunterricht in Aussicht gestellt.