Buch-Rezension

Wie Esel, Hühner und Ziegen als Co-Therapeuten funktionieren

Lesedauer: 2 Minuten
"Die Heilkraft der Tiere" von Dr. Rainer Wohlfahrt und Bettina Mutschler, 301 Seiten, 20 Euro

"Die Heilkraft der Tiere" von Dr. Rainer Wohlfahrt und Bettina Mutschler, 301 Seiten, 20 Euro

Foto: btb Verlag / btb verlag

Rainer Wohlfahrt und Bettina Mutschler beschreiben in ihrem Buch, wie heilsam Tiere für Schwerkranke und Behinderte sein können

Jeder hat schon mal von Delfintherapie gehört, aber wenige wissen, dass auch Haus- und Bauernhoftiere ähnlich eingesetzt werden können, sagen Rainer Wohlfarth und Bettina Mutschler, die Autoren des Buches „Die Heilkraft der Tiere“. Ihr Lebensthema ist, wie Tiere ethisch vertretbar als Co-Therapeuten arbeiten. Dabei sollte nach ihrer Meinung auch immer die Frage gestellt werden, worin der Mehrwert gegenüber einer Therapie ohne Tier besteht.

Wohlfarth ist psychologischer Psychotherapeut, Mutschler bildet Therapiebegleithunde-Teams aus und setzt als Coach Hund und Esel bei ihrer Arbeit mit Klienten ein. Im Buch geht es um die geschichtliche Mensch-Tier-Beziehung, Einfluss von Haustieren auf Kinder, Wirkung von Tieren auf Kranke, um Assistenzhunde und Delfintherapie. Tiere können „Bindungspartner“ werden, insbesondere für Kinder, sie seien Stresspuffer, emotionale Stütze oder Eisbrecher. Störrische Esel machten Menschen munter, zickige Ziegen setzten Grenzen, mit Hühnern könne man Geduld üben und von gutmütigen Kühen deren Seelenruhe übernehmen.

Haustiere geben wertfreie, dauerhafte Zuwendung

Nicht nur auf Schwerbehinderte und Kranke wirken Tiere heilsam, sondern leisten auch Unterstützung, wenn Menschen ihre Verhaltensweisen ändern möchten. Wie das funktioniert, erklären die Autoren anhand von Beispielen und Hintergrundwissen. Eine Klientin von Rainer Wohlfarth, Karrierefrau, Anfang vierzig, Diagnose „Burnout/schwere depressive Episode“ lässt sich auf eine Esel-Wanderung ein, erfährt durch das Tier Vertrauen und Achtsamkeit, kann einfach mal ohne Druck nur „sein“. „Unsere Esel naschten nicht vom Baum der Erkenntnis. Sie wurden daher auch nie aus dem Paradies vertrieben. Sie leben im Hier und Jetzt“, ist die humorvolle Erklärung der Autoren – neurologische Erkenntnisse werden aber ebenfalls vermittelt.

Haustiere ermöglichen oft sogar mehr liebevoll empfundene Nähe als Menschen. Ihre wertfreie, dauerhafte Zuwendung spielt dabei eine große Rolle. Pferdekontakt bewirkt positive Veränderungen bei psychischen Problemen, Hunde warnen vor epileptischen Anfällen, Wanderungen oder Gassigehen mit Tieren hilft Bewegungsmuffeln, Manager können laut Rainer Wohlfarth im Kontakt mit den grauen Langohren lernen, „den Esel in sich selbst zu entdecken“. Wie vielfältig Tiere als soziale Unterstützer agieren, schildern Wohlfarth und Mutschler anhand ihrer jahrzehntelangen Erfahrungen. Ein Buch nicht nur für Tierliebhaber.