Kolumne

Glücksgefühle in Zeiten von Corona

Sabine Tesche

Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Ich bin froh und glücklich, weil ich meine Familie um mich habe. Aber ich weiß, das ist keine Selbstverständlichkeit in der Stadt

Darf ich in dieser schweren Krise Glücksgefühle haben? Das frage ich mich manchmal, wenn ich nach vielen Stunden Arbeit im Homeoffice oder aus der Abendblatt-Redaktion ins Wohnzimmer komme und meine Jungs plus Ehemann beieinander sitzen und lachen sehe. Dann bin ich glücklich, dass wir einander haben. Aber ich weiß auch, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Es gibt viele Menschen in Hamburg, die alleine sind und denen es wirklich schlecht geht.

Dabei denke ich vor allem auch an die alleinerziehenden Mütter, die vielleicht selber erkrankt sind und sich trotzdem natürlich um ihre kleinen Kinder kümmern müssen – weil sie derzeit keine Betreuungshilfe haben, weil Großeltern, wenn es sie gibt, nicht zu ihnen kommen dürfen. Ich denke an die Senioren, die nun alleine sind in ihren Wohnungen.

Viele fühlen sich einsam, auch wenn Nachbarn sie mit Lebensmitteln versorgen. Und ich denke an den Satz einer Obdachlosen-Betreuerin, die mir diese Woche erzählte, dass viele Obdachlose seit Tagen nichts zu essen hatten. Das macht mich traurig. Dennoch gibt es auch Glücksgefühle in mir. Sie stärken mich und geben mir Kraft, um weiterzumachen.