Kolumne

Wenn der eine vor dem anderen geht

Porträt Sabine Tesche

Porträt Sabine Tesche

Foto: Andreas Laible / HA

Eine glückliche langjährige Ehe gibt Ruhe und Zufriedenheit. Doch wie können Angehörige reagieren, wenn einer zurück bleibt?

Gemeinsam in einer glücklichen Ehe sehr alt werden ist eine wunderbare Vorstellung. Man muss sich nicht immer wieder aufs Neue beweisen, sondern die Vertrautheit miteinander durchzieht alle Lebensbereiche, sie gibt viel Ruhe, Sicherheit und Zufriedenheit. Wenn dann jedoch nach mehreren Jahrzehnten einer vor dem anderen stirbt, muss es sich anfühlen, als würde ein Stück von einem selber abgeschnitten. So würde es mir, glaube ich, gehen.

In Filmen, die von so einer Situation handeln, taucht dann häufig der Verstorbene am Esstisch auf, der Zurückgelassene spricht mit ihm, als wäre er weiter da. Das habe ich früher immer als etwas seltsam abgetan, doch kenne ich inzwischen mehrere Hochaltrige, die das tatsächlich so erleben, auch wenn sie sich bewusst sind, dass es rein in ihrer Vorstellung passiert. Ein Bekannter fährt nach wie vor fast täglich an das Grab seiner geliebten Frau, das tröstet ihn.

Gleichzeitig geht der Alltag trotzdem weiter und ich finde es wichtig zu wissen, wie man als Angehöriger oder Pflegekraft bei so einem dramatischen Verlust helfen kann. Die Trauer kann man nicht nehmen, aber zumindest spürbar da sein.