Kinderrechte

25 Jahre Botschafter für die Rechte von Jungen und Mädchen

Rike, Connor, Kira (v.l.) sind die neuen Kinderbotschafter  

Rike, Connor, Kira (v.l.) sind die neuen Kinderbotschafter  

Foto: Gisela Köhler

Die drei Kinderbischöfe der Wichern-Schule engagieren sich dieses Jahr für Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit

Schon als Erstklässlerin wusste Rike, was sie werden wollte: Kinderbischöfin! Endlich, in der 5. Klasse, wird der Traum der Wichern-Schülerin wahr. „Ich will Kinderrechte bei den Erwachsenen vertreten“, sagt die Zehnjährige ernsthaft. Ihr Bischofskollege Connor nickt. „Ich bin eher schüchtern“, erzählt der Elfjährige, „aber dies ist meine Chance, auch mal gehört zu werden.“ Die Dritte im Team, die zehnjährige Kira, ergänzt: „Kinderrechte sind wichtig. Man soll Respekt haben und andere nicht abwerten.“ Rike, Connor und Kira sind die neuen Kinderbischöfe Hamburgs, die am 5. Dezember offiziell in der Hauptkirche St. Nikolai in ihr Amt eingeführt werden. Dort werden sie auch predigen und ihre Gedanken und Forderungen, die sie seit September mit ihren Mitschülern erarbeitet haben, laut formulieren. Dafür haben sie Monate zuvor eine Art Casting in der Schule durchlaufen, bei dem sie ihre Vorstellungen von dem Amt einem Lehrerinnen-Team präsentieren mussten. Dazu braucht man Mut und Willen zum Engagement über die Schule hinaus.

Seit nunmehr 25 Jahren treten Kinder der Wichern-Schule in die Fußstapfen ihrer historischen Vorbilder. Bereits im 14. Jahrhundert hat es Kinderbischöfe in Hamburg gegeben, die den Erwachsenen die Meinung sagen durften. Auch die modernen Kinderbischöfe treten öffentlich für die Rechte der Kinder in der Stadt ein, begleitet von Mitschülern, die an diesem Projekt genauso großen Anteil haben wie die Kinderbischöfe selbst. Viele Problemfelder haben sie schon angepackt, zum Beispiel Kinderarbeit, Mobbing oder Inklusion. Sie besuchen Kinder in einer Flüchtlingsunterkunft und haben Projekte zum Umweltschutz an der Schule angestoßen. So haben sie ganz praktisch viel über ihre Rechte gelernt, die in der Uno-Kinderrechtskonvention seit 30 Jahren festgeschrieben sind.

Die Kinder werden eine jüdische Schule und eine Moschee besuchen

2019 steht an der Wichern-Schule die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit im Fokus der Kinderbischöfe. „Frei. Glauben. Denken.“ ist das Thema der Schülerinnen und Schüler, dem sich auch die Kinderbischöfe erst einmal annähern müssen. Vom Islam, dem Judentum und Hinduismus haben sie schon mal gehört, auch von Naturreligionen bei den Indianern. Connor war sogar schon mal in einer Synagoge, „da haben wir Jungs die Kippa getragen“. Und Kira findet die Geschichten in der Bibel ungeheuer spannend. „Da kann man lernen, dass das Leben voller Überraschungen ist und dass Hoffnung wichtig ist.“ Klug und erstaunlich reflektiert sind die drei, schnell im Kopf und voller Fragen, die durch den Raum schwirren. „Gibt es noch andere Religionen, die gespalten sind wie unsere? Warum ist Gott ein Mann? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Religionen?“

Den Vorschlag von Schulpastorin Martje Kruse, eine jüdische Schule und eine Moschee-Gemeinde zu besuchen, finden sie klasse. „Ich möchte gern wissen, was sie in ihrer Schule anders machen, ob sie da beten, was sie essen – wie sie leben“, sagt Kira begeistert. „Und wir könnten sie ja auch zu uns einladen.“ Dass unterschiedliche Religionen zu Konflikten führen können, hat Connor schon hautnah erlebt. „Bevor ich in die Wichern-Schule kam, war ich in der Grundschule in der Minderheit“, erzählt er. „Wenn ich ausgelacht wurde, weil ich auch Schweinefleisch esse, hat mich das verletzt und aufgeregt.“ Rücksicht und Respekt anderen gegenüber seien wichtig, „sonst hat man Hass“. Für ihre Rechte, ihren Glauben oder auch mal für eine unbequeme Meinung einzustehen – das kann manchmal ganz schön beängstigend sein, finden die drei. „Aber wenn man es mal macht, dann ist die Reaktion oft besser, als man vorher gedacht hat“, sagt Rike. „Es lohnt sich. Auf jeden Fall!“

Einführung der Kinderbischöfe am 5. Dezember um 16 Uhr in St. Nikolai am Klosterstern