Waldprojekt

Pilze sammeln und die Hirschbrunft aus nächster Nähe erleben

Kita-Kinder machem mit beim Projekt „Nettis Naturkinder“ mit Annette v. Karp

Kita-Kinder machem mit beim Projekt „Nettis Naturkinder“ mit Annette v. Karp

Foto: Annette v. Karp

Mit ihrem Projekt „Nettis Naturkinder“ bringt Annette von Karp Jungen und Mädchen die Natur näher. Es gibt noch Kapazitäten für Kita-Gruppen

Sieben Kinder stehen mitten im Wald in Mecklenburg um eine Buche herum und streichen mit ihren Händen über den Stamm. „Die Buche ist schon alt und hat eine ganz glatte Rinde“, erklärt Annette von Karp. Dann erklärt sie den Unterschied zwischen Laub- und Nadelbäumen. Die Kleinen aus der Billstedter Kita Dietzweg hören aufmerksam zu, bis ein Mädchen einen Käfer entdeckt und ihn auf die Hand nimmt.

Mehrfach in der Woche holt die zertifizierte Waldpädagogin Annette von Karp Kitakinder aus sozial benachteiligten Hamburger Stadtteilen zu einem naturpädagogischen Tagesausflug mit ihrem Kleinbus ab. Die Ausflüge gehen in Wildparks, auf Forsthöfe, zum Bauern, zum Fischer oder auf ein Erdbeerfeld. „Wir wollen den Kindern unsere heimische Natur zeigen, ihnen die Wildtiere näherbringen und sie sollen so spielerisch Flora und Fauna kennenlernen“, sagt die passionierte Jägerin.

Viele Kinder spielen sonst nur mit dem PC und dem Smartphone

Bärbel Mantey-Muchow ist mit ihrer Vorschulklasse aus der Horner Kita Böck­lerstraße von Anfang an dabei. „Dieses Projekt ist ein echter Gewinn für unsere Kinder. Etliche kannten vorher keinen Wald und machen nur selten Ausflüge. Sie verbringen ihre Freizeit häufig mit Computerspielen, Handy- und Fernsehkonsum“, sagt die Erzieherin.

Das Projekt wird von der Paul Jähn Stiftung und der Kühling Stiftung unterstützt. Im Januar 2018 konnten „Nettis Naturkinder“ die ersten Exkursionen starten, derzeit werden bis zu 40 Kinder regelmäßig betreut. Jedes Kind unternimmt zwei Ausflüge pro Monat. Die Teilnahme ist kostenfrei.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Ausflüge richtet sich nach der Saison. „Wir zeigen innerhalb der Jahresuhr die Baumarten, Früchte der Natur und Getreidesorten. Es ist uns ein besonderes Anliegen, den Kindern saisonale und regionale Ernährung nahezubringen“, sagt von Karp. So haben die Kinder nicht nur Erdbeermarmelade und Apfelmus gekocht, sondern auch eigene Etiketten entworfen und nehmen das selbst Produzierte stolz mit nach Hause. „Wir haben im April Vogelhäuser gebaut, im Juli Blaubeeren gepflückt und daraus Muffins gebacken, im Herbst lernen wir Pilze kennen und erleben die Rothirschbrunft“, erzählt Annette von Karp.

Sie erleben, wie ein Schlachter ein Wildtier zerlegt

So selbstverständlich wie die Kinder erfahren, dass die Wildtiere im Frühjahr ihren Nachwuchs bekommen und dieser übers Jahr heranwächst, geht von Karp, die immer von einer Kita-Erzieherin begleitet wird, mit den Kindern in die Kühlkammer des Forsthofes. Sie erleben, wie ein Schlachter das Wild zerteilt, drehen das Fleisch durch den Wolf und braten anschließend Burger.

Laut Bärbel Mantey-Muchow trauten sich viele Jungen und Mädchen nun viel mehr zu als früher. Sie seien mutiger, neugieriger und gingen achtsamer mit der Natur um. „Zudem lernen sie zu balancieren und längere Strecken zu laufen. Das machen sie von zu Hause aus wenig“, sagt die Erzieherin.

Es gibt noch Kapazitäten für Kindergruppen: E-Mail: naturkinderhamburg@gmx.de, Infos: www.naturkinder-hamburg.de